Schweizerhof-Umbau: Architekten erstreiten Honorar

Der Schweizerhof hat zwar seit April 2011 wieder geöffnet. Die Architekten warten jedoch bis heute auf ihr Honorar – zu Unrecht, wie das Berner Handelsgericht nun entschieden hat.

Erstrahlte 2011 in neuem Glanz: Der Weg dahin war jedoch für die Architekten des Schweizerhof-Umbaus ein schwieriger.

Erstrahlte 2011 in neuem Glanz: Der Weg dahin war jedoch für die Architekten des Schweizerhof-Umbaus ein schwieriger.

(Bild: Urs Baumann)

Benjamin Bitoun

Knapp fünf Jahre. So lange empfängt das sanierte Hotel Schweizerhof wieder seine Gäste – und so lange warten die für den Umbau verantwortlichen Architekten schon auf ihr Honorar.

Nun ist der Zahltag für das Berner Architekturbüro Spörri Graf Partner APP in greifbare Nähe gerückt: Das Berner Handels­gericht verurteilte am Freitag die Bauherrin Schweizerhof Bern AG zur Zahlung der ausstehenden Rechnungen in Höhe von rund 460'000 Franken plus fünf Prozent Verzugszinsen. Die Gerichtskosten von rund 80'000 Franken gehen ebenfalls zulasten der Hotelbetreiber aus Katar.

Für die anwesenden Architekten hat damit ein zäher Kampf sein – vorläufiges – Ende gefunden. «Das Urteil ist eine immense Genugtuung für uns», sagt Büromitinhaber Leo Graf, sichtlich gerührt. «Meine Frau kann bis heute noch keinen Fuss in das Gebäude setzen, nach all den De­mütigungen, die wir vonseiten der Bauherrschaft über uns er­gehen lassen mussten.» Doch wie war es überhaupt zu der Ausein­andersetzung gekommen?

2010 wurde das Architektur­büro von der Schweizerhof AG für die Fertigstellung des bereits angefangenen Umbauprojekts an Bord geholt – eine Notlösung. Das ursprünglich mit dem Auftrag ­betraute Genfer Atelier hatte auf der Baustelle ein Chaos ange­richtet (siehe Zweittext). Nach einem Jahr Umbau befand sich das Hotelprojekt in einem desolaten Zustand, darüber sind sich die beiden Parteien einig.

Fixer Eröffnungstermin

Doch hier endet die Einigkeit. Um den durch die Versäumnisse der Vorgänger entstandenen Planungsrückstand ausbügeln zu können, rieten die Architekten der Bauherrschaft dringend, den Eröffnungstermin nach hinten zu verschieben.

«Dem Ziel, das Hotel am 1. April zu eröffnen, hat die Bauherrschaft alles untergeordnet.»Handelsrichter Urs Bircher

Doch diese hatte dafür kein Gehör. «Dem Ziel, das Hotel am 1. April zu eröffnen, hat die Bauherrschaft alles unter­geordnet», schlussfolgerte Handelsrichter Urs Bircher. Die Architekten arbeiteten auf Hochtouren, schliefen teilweise sogar auf der Baustelle. Gleichzeitig erhielten sie ab Herbst 2010 kein Honorar mehr.

Knapp vor dem Konkurs

Im Februar 2011 hatten die Ausstände eine Höhe von 820'000 Franken erreicht, und das Architekturbüro stand kurz vor dem Konkurs. In ihrer Not willigten die Büroinhaber ein, der Schweizerhof AG einen Rabatt von zehn Prozent auf den ausstehenden Betrag zu gewähren. Dies mit der Bedingung, dass der Restbetrag sofort überwiesen und auch die zukünftigen Honorare pünktlich bezahlt werden müssen.

Bis zur Teileröffnung des Hotels am 16. April hielt sich die Bauherrin an die Abmachung. Danach zahlte sie erneut nicht mehr, obwohl hinter den Kulissen weitergearbeitet wurde.

Keine Pflichtverletzung

Als Hauptgründe für das Nichtbezahlen der Honorare machte die Schweizerhof AG vor Gericht geltend, dass die Architekten durch fehlende Kenntnisse im Hotelbau mangelhafte Arbeit geleistet und die Sorgfaltspflicht verletzt hätten. Daraus sei der Bauherrin ein Schaden in Millionenhöhe erwachsen.

Das sahen die Richter anders. Sie attestierten den Architekten ausreichende Kenntnisse und eine den Umständen entsprechend tadellose Leistung. «Zwar sind wir der Meinung, dass durch den Zeitdruck auch Fehler seitens der Architekten gemacht worden sind», sagte Oberrichterin Danièle Wüthrich.

Doch habe die Bauherrschaft diese Fehler erstens erst viel später bemängelt und die Architekten deshalb gar nie abgemahnt. Zudem sei die Schweizerhof AG den Beweis für den erlittenen Millionenschaden bis zum Schluss schuldig ge­blieben.

Die Schweizerhof AG schreibt auf Anfrage, dass sie einen Weiterzug des Urteils vor Bundesgericht und auch mögliche weitere Verfahren gegen das Architekturbüro prüft. Michael Bader, Anwalt der Architekten, ist indes überzeugt, dass das Verhalten der Bauherrin System hat: «Ein gewisses ‹Power Game› ist bei gerichtlichen Auseinandersetzungen gebräuchlich», so Bader.

«Das habe ich in dieser Rücksichts­losigkeit in 28 Jahren Praxis noch nie erlebt.»Michael Bader, Anwalt der Architekten

Versicherungen etwa würden die Drohung, den Gerichtsweg bis zur letzten Instanz aus­zuschöpfen, gebrauchen, um finanziell weniger potente Kunden gefügig zu machen und von einem Prozess zur Durchsetzung ihrer Ansprüche abzuhalten, sagt Michael Bader. «Aber bei einem KMU das volle Honorar für monatelange Arbeit von über 800'000 Franken zurückzuhalten und diese Mittel erst freizugeben, nachdem ein Rabatt von zehn Prozent gewährt wird, das habe ich in dieser Rücksichts­losigkeit in 28 Jahren Praxis noch nie erlebt.»

Für Baders Theorie spricht, dass 2012 gemäss Betreibungs­registerauszug der Schweizerhof AG Gläubigerforderungen von über zwei Millionen Franken bestanden. Mit allen Gläubigern – darunter der Bauriese Implenia – schloss die Bauherrin Vergleiche ab. Dementsprechend stand den Architekten die Freude über seinen Sieg ins Gesicht geschrieben. ­Büroinhaber Graf: «Nun kann ich den Schweizerhof stolz ansehen – und endlich auch ohne schlechte Gefühle.»

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