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Schuften für den Badespass

Die Kinder des Turnvereins und der Damenriege haben Fahrräder geputzt. Das so erwirtschaftete Geld soll in die Kasse der Trainingswoche fliessen.

Halfen mit, die Zweiräder in Schuss zu bringen: Ruben Texeira und Adrian Küffer aus Busswil.
Halfen mit, die Zweiräder in Schuss zu bringen: Ruben Texeira und Adrian Küffer aus Busswil.
Muñoz García
Jung und Alt: Pascal Dreier und Tochter Robyn Dreier aus Busswil.
Jung und Alt: Pascal Dreier und Tochter Robyn Dreier aus Busswil.
Muñoz García
Die Pflicht kommt vor dem Vergnügen: Mattia Raffanelli und Eser Demistas aus Busswil dürfen ins Erlebnisbad Bern­aqua, aber nur wenn sie beim Putzen mitmachen.
Die Pflicht kommt vor dem Vergnügen: Mattia Raffanelli und Eser Demistas aus Busswil dürfen ins Erlebnisbad Bern­aqua, aber nur wenn sie beim Putzen mitmachen.
Muñoz García
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Herrliches Frühlingswetter, spielende Kinder auf dem Schulhausplatz, jemand putzt sein Velo: Dieser Beschrieb passt am Samstagmorgen in Busswil nicht ganz. Auf dem Pausenplatz wird ausschliesslich geputzt. Velo um Velo steht bereit, und überall rufen Kinder nach Wasser, Putzlappen und zusätzlichen Zahnbürsten.

«Wir haben sicher schon weit über 30 Velos vorgereinigt», schätzt Ruben Teixeira eine halbe Stunde nach Arbeitsbeginn. Er und sein Kollege Adrian Küffer sind für das «Kärchere» zuständig, wie sie die Vorwäsche mit dem Hochdruckreiniger nennen. Mit ihrem Einsatz würden sie die Kleineren entlasten, sagt Adrian.

Pflicht vor Spass

Und die sind ganz schön froh um die Hilfe der beiden Jugendlichen. «Wäh, ist das schmutzig», meint die neunjährige Mia Studer beim Betrachten ihres neusten Einsatzobjektes. Shayna Herrmann, die elfjährige Kollegin aus Dotzigen, eilt dem Mädchen aus Büetigen zu Hilfe.

Gemeinsam schrubben sie mit Zahnbürsten an der Kette, und weil sie so angeregt plaudern, fährt Mia mit der gleichen Bürste am Gestell weiter. Ein schwarzer Striemen zeichnet sich ab. «Sorry, das war nicht so geplant», meint sie. Irgendwie wird das Fahrrad doch noch sauber, und die beiden Mädchen strahlen ob dem Lob der Leiterin.

Nun wird das Stahlross noch von Pascal und Robyn Dreier aus Dotzigen kontrolliert. Während der Vater die Technik prüft, sortiert sein Sohn in Windeln gehüllt die Werkzeuge. «Alles ok», meint der Vater, und der Sohn lächelt selig.

Nicht lachen mag Mattia Ravanelli. Der Achtjährige aus Busswil putzt zusammen mit dem siebenjährigen Eser Demirtas konzentriert ein Velo. Auf die Frage, ob ihm das Spass mache, hat er eine klare Antwort: «Nein.» Dann glitzern seine Augen und er erzählt, was sie mit dem Geld machen dürfen: «Wir gehen in der Trainingswoche ins Erlebnisbad Bern­aqua, aber nur wenn wir beim Putzen mitmachen.» Pflicht kommt also vor dem Vergnügen.

Sogar die Post macht mit

Julia Walser, die Leiterin der Mädchenriege, bestätigt die Angaben von Mattia. «Wir bieten den Kindern viel für relativ wenig Geld», erläutert sie. Daher sei die Teilnahme am Veloputztag nicht nur Ehrensache, sondern auch Pflicht.

So trage jeder etwas zum späteren Vergnügen im Erlebnisbad bei. Ein gemeinsames Ziel zu haben und zu wissen, was mit dem Geld gemacht werde, sei in hohem Masse sinnstiftend, ist Walser überzeugt.

Das halbe Dorf macht laut Walser mit, und viele würden mehr als die verlangten acht Franken für den Frühlingsputz bezahlen. 60 bis 70 Velos putzen die Jungmannschaften der Damenriege und des Turnvereins jährlich. Selbst die Post habe einmal ihre motorisierten Gefährte zum Reinigen gebracht, erzählt Julia ­Walser.

Eine gute Sache sei das, ist man sich unter den Auftraggeber einig. Um die Wartezeit zu verkürzen, können sie gleich noch einen Kaffee bestellen und ein Stück Kuchen kaufen. Alles für einen guten Zweck.

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