Schreiner Rothen trotzt dem Feuer

Lanzenhäusern

Schon einen Tag nach dem Totalbrand hat Schreinermeister Hansueli Rothen den Wiederaufbau seines Geschäfts an die Hand genommen. Mit Erfolg.

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Wie ein schwarzes Gerippe stehen die Reste der Schreinerei Rothen in Lanzenhäusern neben der Strasse im Weiler Höhlen. Spezialisten räumen auf, weil auch asbesthaltiges Eternit entsorgt werden muss. In der Nacht auf den 12. Februar fiel das Werkstattgebäude einem Brand zum Opfer. Unversehrt blieben das Lager und das Elternhaus von Hansueli Rothen, in dem sich sein Büro befindet. Das Feuer hat gnadenlos gewütet. «Wir hatten kein Blatt Papier mehr, keine Büroklammern, keine Computer», sagt Hansueli Rothen und witzelt: «Die unbezahlten Rechnungen sind auch verbrannt, aber die werden sicher wieder kommen.»

Die Computerdaten waren auf einer externen Festplatte gesichert, sonst fiel alles restlos den Flammen zum Opfer. «Die Brandursache wurde noch nicht gefunden. Aber wir wissen, dass es sich nicht um Brandstiftung handelt», sagt Rothen. «Darüber bin ich sehr erleichtert.»

Umzug in Sicht

Der 63-jährige Hansueli Rothen gibt nicht auf, den 13 Angestellten, und vor allem seinem Sohn Christoph zuliebe. Der 32-Jährige wird die Firma übernehmen, wenn sein Vater in Rente geht. «Ginge es nur um mich, hätte ich nach dem Brand aufgehört. Aber ich will meinem Sohn einen schönen Betrieb hinterlassen», sagt Hansueli Rothen. Deshalb überliess er sich nach der Brandkatastrophe auch nicht dem Kummer, sondern sah sich sofort nach provisorischen Arbeitsplätzen um. «Unsere Angestellten können nun in vier Schreinereien in der Region arbeiten. Niemand musste länger als einen halben Tag zu Hause bleiben», sagt er.

Der Schreinermeister freut sich, dass trotz des Unglücks alle Auftragsarbeiten ausgeführt werden können, wenn auch mit Verspätung. «Die Versicherungen übernehmen aber alle Unkosten. Das kommt sie billiger zu stehen als ein Betriebsunterbruch.» Bezahlt wird auch die Miete des Provisoriums im Gebäude an der Steinhausstrasse in Schwarzenburg, in das die Firma bald einzieht. In den nächsten Tagen werden Maschinen und Luftfilteranlagen installiert. Das Kerngeschäft der Schreinerei Rothen sind Fräsarbeiten mit Sperrholzplatten und Holzverpackungen für Maschinenteile. Der Betrieb führt aber auch die üblichen Schreinerarbeiten aus.

Grosse Hilfsbereitschaft

Die grosse Hilfsbereitschaft, die Hansueli Rothen in den letzten Wochen erfuhr, hat ihn ermutigt, sich zusammenzureissen und weiterzumachen. Viele Chefs unbekannter Schreinereien hätten ihm telefoniert und Maschinen, Material und Unterstützung angeboten. «Jeder Anruf, jede E-Mail war ein Trost», sagt Rothen, der hofft, bald wieder ruhig schlafen zu können. Nach dem Umzug wird das Tagesgeschäft wieder in ruhigeren Bahnen verlaufen. «Zum Glück haben wir eine treue Stammkundschaft, mit der wir uns einigen konnten, wie und wann wir liefern.»

Ist die Brandstelle aufgeräumt will Rothen die Planung für einen Neubau angehen.

Berner Zeitung

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