Gurtenfestival

Schöne Geschwister und coole Briten

GurtenfestivalDer Gurtenfreitag bot musikalisch keinen Gurtenmoment, aber dafür viel ­Gutes, Überraschendes und Wettergerechtes.

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Wenn schöne Menschen bei schönem Wetter schöne Lieder singen, kann das schnell zu viel werden. Und wenn sich während des Konzerts noch Blumenmädchen gegenseitig die Haare flechten, das Cashless-System immer noch einwandfrei funktioniert und Männer in Meistershirts glückstrunken tanzen, muss die Band schon sehr vif sein, um nicht in die Kitschfalle zu tappen.

Die Walliser Band Wintershome ist es: Am Freitag eröffnete die Gruppe, die aus Kindern und Neffen des Ex-Skirennfahrers Pirmin Zurbriggen besteht, den dritten Festivaltag auf der Waldbühne. Der folkgetränkte Emotionspop und der lupenrein mehrstimmige Gesang sind halt einfach, wir gebens ja zu, schön.

Zwei Herren, zwei Gitarren

Später am Nachmittag auf der Hauptbühne: zwei Musiker, genannt Opal Ocean. Was haben die beiden Herren in den engen Hosen auf der grossen Bühne zu suchen, denkt man sich, und wird gleich eines Besseren belehrt: Diese rhythmusgetriebene Mischung aus Pop, Rock und Flamenco ist eine Wucht – fa­briziert nur mit vier Händen und zwei akustischen Gitarren. Mehr brauchen Nadav Tabak aus Neuseeland und Alex Champ aus Neukaledonien nicht.

Wir hätten ihnen dafür noch mehr Publikum gewünscht, aber wahrscheinlich hat es sich auf dem weitläufigen Gelände einfach nicht bis nach ganz hinten herumgesprochen, dass hier gerade etwas sehr ­Tolles passiert. Oder vielleicht fand auch irgendwo gerade ein «Geheimkonzert» statt wie das von Hecht am Mittwoch oder jenes von Lo & Leduc vom Donnerstag, das bei der Treppe zwischen Zelt- und Waldbühne für Stau sorgte.

Mit dem Geschwisterduo Angus & Julia Stone aus Australien wären wir wieder in der Schön-und-schön-Kategorie. Sie läuteten am Freitag bei – es ist schon fast langweilig – strahlend schönem Wetter den Abend auf der Hauptbühne ein. Viele zog es hin zu diesem verträumten Folkpop und zu diesen Bilderbuch-Neohippies: Angus mit grauem Schlapphut, gelbem Hemd und zerzaustem Haar, Julia im schwarzen Spitzenkleid. Das alles war, man ahnt es, schön. Richtig, richtig schön.

Zwischen LED und LSD

Und dann, beim Eindunkeln, wurde es noch richtig, richtig gut: Die englische Band Alt-J – eine der wenigen Headliner, die diesen Namen auch verdienen – spielte ihre Vorgängerbands locker an die Wand: Die Musiker aus Leeds warteten mit ihrem vollmundigen Rock-Folk-Orgel-LSD-Gemisch auf und füllten den Hügel zum erstem Mal an diesem Tag.

Zu Recht: Das war eigen, das war fast brachial, das war auf den Punkt, auch optisch. Dutzende LED-Stäbe erhellten die Bühne mal rot, mal grellweiss flirrend. Ja, auch das war schön. Mehr als schön.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 13.07.2018, 22:47 Uhr

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