Schönausteg: Wie viel darf mehr Sicherheit kosten?

Bern

Am Donnerstag entscheidet der Berner Stadtrat über eine neue Aaretreppe beim Schönausteg. Mit diesem Einstieg will der Gemeinderat für mehr Sicherheit in der Aare sorgen. Doch das Anliegen hat einen schweren Stand.

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Ralph Heiniger

Schwimmer, Bootsfahrer, Wellenbrettsurfer, Brückenspringer. An schönen Sommertagen herrscht in der Aare reger Betrieb. Doch gerade beim Schönausteg kommt es immer wieder zu gefährlichen Szenen zwischen Schwimmern und Brückenspringern. Im Sommer 2012 wurden zwei Unfälle gemeldet, bei einem verunfallte ein 13-jähriger Knabe schwer.

Der Gemeinderat geht davon aus, dass die Dunkelziffer der «Beinahe-Unfälle» hoch ist, wie er in seinem Vortrag an den Stadtrat festhält. Deshalb will er die Aare beim Schönausteg sicherer machen. Dank einem neuen Einstieg sollen die Schwimmer erst nach dem Steg in die Aare einsteigen, damit sie von den Brückenspringern vom Schönausteg nicht getroffen werden können. Der neue Einstieg soll 440'000 Franken kosten.

Ein klares Nein der vorberatenden Kommission

Am Donnerstag entscheidet der Berner Stadtrat über den Baukredit für den neuen Aareeinstieg. Bis jetzt deutet alles darauf hin, dass das Projekt nicht realisiert werden kann. Die vorberatende Kommission des Stadtrats empfiehlt, das Geschäft abzulehnen.Denn mit dem neuen Einstieg würde die kritische Stelle bei der Brücke nicht völlig entschärft. Schwimmer von Richtung Eichholz müssten die gefährliche Stelle nach wie vor unter der Brücke passieren, argumentiert die Kommission. Und ausserdem bleibt der Einstieg oberhalb des Schönaustegs in jedem Fall bestehen. Er gilt nämlich als schützenswertes Objekt. So könnten Schwimmer nach wie vor direkt vor der Brücke in die Aare einsteigen.

Nur die FDP wird das Projekt voraussichtlich unterstützen

Laut den Fraktionspräsidentinnen und -präsidenten ist am Donnerstag von der SP-, der GB/JA-, der GLP-, der GFL/EVP- und der SVP-Fraktion wohl jeweils mehrheitlich mit einem Nein zu rechnen. Inhaltlich stimmen diese Fraktionen darin überein, dass dieses Projekt in Preis und Bedarf nicht im Verhältnis zum Nutzen stehen würde. Nur die FDP wird dem Bauvorhaben voraussichtlich zustimmen, wie Fraktionspräsident Bernhard Eicher auf Anfrage sagt. «Die Sicherheit der Aareschwimmer muss verbessert werden, es gab schon zu viele Unfälle. Allerdings will der Gemeinderat eine Luxusvariante, deshalb werden wir eine Reduktion des Kredits verlangen», so Eicher.

Berner SLRG-Präsident: «Die beste Lösung»

Der geplante Einstieg sollte knapp zehn Meter breit werden. Es handelt sich um eine Treppe, oberhalb soll eine Dusche gebaut werden. Diese Variante wurde gemeinsam von Vertretern von Bern Tourismus, der Kantonspolizei, der Sanitätspolizei, der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft (SLRG), des Marzilibads und der Stadtverwaltung erarbeitet.

Der Berner SLRG-Präsident Bernhard Fleuti hat selbst mehrere Varianten geprüft. Er ist überzeugt: Bei der Aaretreppe handelt es sich um die beste Lösung, damit die Sicherheit unterhalb des Schönaustegs verbessert werden kann. «Wer den Einstieg oberhalb des Schönaustegs benutzt, schwimmt genau durch jene Zone, in der die meisten Brückenspringer in die Aare gelangen», so Fleuti. Die Brückenspringer könnten diese Schwimmer nicht sehen, weil sie sich im toten Winkel befänden. Anders sei die Situation bei denjenigen, die schon vorher in die Aare stiegen. Fleuti: «Wer beim Eichholz einsteigt, hat einen besseren Überblick, wenn er unter dem Steg durchschwimmt.»

Berner Zeitung

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