Schloss von Madame de Meuron wird verkauft

Rümligen

Wer will das Erbe der Schlossherrinnen Madame de Meuron und Sibylle von Stockar antreten? Die Eigentümer suchen einen Käufer für das Schloss Rümligen.

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Seit mehr als 300 Jahren befindet sich das Schloss Rümligen im Familienbesitz. Jetzt soll diese Ära zu Ende gehen. Die Immobilienvermittlung Engel & Völkers in Muri sucht per Inserat einen Käufer für das «Schweizer Barockschloss», das hoch über dem Dorf Rümligen am Längenberg thront. Natürlich ist es eine Anzeige voller Superlative.

Das Schloss an «sonnenverwöhnter Lage» beeindrucke «durch seinen offenen, weitläufigen Grundriss», heisst es darin. Es verfüge über ein «behagliches Wohnzimmer mit Kamin», ein «einladendes Esszimmer» und «grosszügige Schlafzimmer». Inbegriffen sei auch eine «fantastische Wasseranlage samt eigener Quelle, Springbrunnen und Gartenpavillons». Die künftigen ­Bewohnerinnen und Bewohner werden in Rümligen in den Genuss der «Vorzüge herrschaftlichen Residierens in absoluter Privatsphäre» kommen.

Und wenn sie einmal Gäste einladen, dann «strömt jedem Besucher ein ganz besonderes Adelsflair entgegen».

Die Familie hat kein Interesse

Was im Inserat nicht steht: Auch der Geist zweier berühmter früherer Bewohnerinnen weht durch die alten Gemächer. Denn von 1927 bis 1980 gehörte das Schloss der Berner Patrizierin Elisabeth de Meuron-von Tscharner, danach jahrelang ihrer Enkelin Sibylle von Stockar.

Seit von Stockars Tod im Januar 2012 wurde es im Haus mit dem auffälligen Bergfried ruhiger. Damals ging die Liegenschaft an die beiden Töchter Louise Zoelly und Christina Wieser über. Viele Rümliger fragten sich seither, wie es mit dem berühmtesten Gebäude im Dorf weitergeht.

Jetzt ist klar, dass die Nachkommen kein Interesse mehr am Schloss haben. Über die Gründe ist nichts bekannt. Die 64-jährige Zoelly wohnt im Kanton Zürich, sie wollte am Telefon keine Auskunft geben. Wieser, 62, lebt in Afrika. Auch via Immobilienvermittlung erhielt diese Zeitung keine Stellungnahme.

Ein Haus mit 12 Zimmern

«Wir wurden über die Verkaufsabsicht informiert», sagt Gemeindepräsident Martin Studer. So viel weiss er: Das zum Schloss gehörende Landwirtschaftgut soll im Besitz der jetzigen Eigentümer bleiben. Wie aus dem Inserat hervorgeht, ist eine Nutzung durch die öffentliche Hand oder eine Institution nicht geplant.

Nur diese Fakten gibt Engel & Voelkers in einer Broschüre preis: Die zum Verkauf stehende Liegenschaft verfügt über 12 Zimmer, die Wohnfläche beträgt 750 Quadratmeter, das Grundstück misst 70 000 Quadratmeter. Ein Kaufpreis wird nicht genannt. Offenbar aber schwebt den Eigentümern ein Preis von mindestens 10 Millionen Franken vor.

Heute ein gutes Verhältnis

Das Schloss Rümligen sorgte in der Vergangenheit immer wieder für Aufsehen, vor allem wegen der zwei berühmten Bewohnerinnen de Meuron und von Stockar (siehe Box). Die Spannungen, die es früher zwischen Schloss und Dorfbewohnern gab, haben sich nun aber gelegt.

«Mit den jetzigen Eigentümern haben wir ein gutes Verhältnis», sagt Gemeindepräsident Studer. Sie hätten sich in den letzten Jahren gut um den Unterhalt des Schlosses gekümmert, seien aber relativ selten in Rümligen anzutreffen.

Nun könnte bald wieder mehr Leben einkehren im Schloss Rümligen. Es soll, heisst es im Dorf, bereits einige Interessenten geben.