Bern

Schlagabtausch im Stadtrat zur Velobrücke

BernDer Berner Stadtrat ­beauftragt den Gemeinderat zu prüfen, ob auf der Velobrücke auch Shuttlefahrzeuge verkehren können. Gemeinde­rätin Ursula Wyss machte aber klar, dass die Brücke nicht für Autos konzipiert werde.

Ungewöhnlicher Ort: Der Stadtrat hielt die letzte Sitzung vor der Sommerpause nicht im Rathaus sondern im Sternensaal in Bümpliz ab.

Ungewöhnlicher Ort: Der Stadtrat hielt die letzte Sitzung vor der Sommerpause nicht im Rathaus sondern im Sternensaal in Bümpliz ab. Bild: Nicole Philipp

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Neben der Reitschule ist die Velobrücke das Lieblingsthema des Berner Stadtrats. Gestern Abend war es wieder mal so weit. Mit ­alten und teilweise futuristischen Argumenten wurde über die Velo­brücke diskutiert.

Die Fraktionen von FDP und BDP/CVP schlugen vor, den Gemeinderat zu verpflichten, das Potenzial einer «Generationenbrücke zur Erschliessung des Vierer­feldes» auszuloten. Der Stadtrat nahm diesen Vorstoss an.

Wyss will Brücke ohne Autos

Im Grunde genommen geht es um die Frage, wer die künftige Brücke nutzen darf. Nur Velofahrer und Fussgänger, wie es dem rot-grünen Lager vorschwebt. Oder soll die Brücke so konzipiert werden, dass auch selbstfahrende Shuttlebusse oder gar Autos ­darauf verkehren dürfen?

«Eine Brücke auch für Autos zu planen, wäre ein ganz anderes Projekt.»Gemeinderätin Ursula Wyss

Baudirektorin Ursula Wyss brachte zwei Botschaften mit in den Stadtrat. An das Mitte-rechts-Lager gerichtet war die Aussage, dass sie eine Öffnung des laufenden Planungsverfahrens für neue Nutzungsarten wie selbstfahrende Busse befürworte.

Sie machte aber auch klar, dass der Gemeinderat es ablehne, die geplante Brücke auch für den Autoverkehr zu öffnen. «Das ­wäre ein ganz ­anderes Projekt», betonte sie. Sie will dem Stadtrat bis Ende 2019 einen Variantenentscheid vorschlagen.

«Velobrücke ist untauglich»

Die Verfasser des Postulats ­halten die bisher geplante Velobrücke für «untauglich». «Eine Brücke nur für einzelne Gruppen von Verkehrsteilnehmern zu bauen, scheint uns kein wesent­licher städtebaulicher Beitrag zu sein», schrieben sie.

FDP-Fraktionssprecher Bernhard Eicher formulierte es so: «Die ursprüngliche Idee sah einen einfachen Velosteg vor. Doch wenn man zwei Quartiere verbindet, muss man etwas Rechtes bauen.» Seiner ­Ansicht nach braucht es eine ­Brücke mit einer Verkehrsfläche, wie sie heute die Kirchenfeldbrücke ­bietet.

Melanie Mettler (Grünliberale) bemängelte, dass es nur veraltete Studien über eine zu er­wartende Nutzung der Velobrücke gebe. «Für mich steht fest, dass die Brücke für eine Mobilität der Zukunft gebaut werden muss», betonte sie. Und Michael Daphinoff (CVP) fügte an: «Eine Brücke nur für Velos zu bauen, zeugt von einer rückwärtsgewandten ­Logik.»

Der Vorwurf der SP

Das waren Argumente, welche Michael Sutter (SP) – seines Zeichens Geschäftsführer bei Pro Velo – auf die Palme brachten: «Der Vorstoss ist der hinter­hältigste Versuch, das Projekt einer Velobrücke zum Scheitern zu bringen», sagte er.

Die Verfasser wollten das Projekt nur grösser und grösser machen, damit man dann am Schluss feststelle, dass es sich nicht finanzieren ­lasse. Auch Grüne-Sprecherin ­Stéphanie Penher warnte vor dem Vorstoss: «Mit diesem vertagt man den Bau der Brücke auf den Sankt-Nimmerleins-Tag.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 28.06.2018, 22:24 Uhr

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