Schlafen auf der Nydeggbrücke

Bern

Die Brauerei Altes Tramdepot geht in die Hotellerie und eröffnet am Dienstag in Bern im alten Zollhäuschen ein Hotel. Was Schweiz Tourismus damit zu tun hat und warum es nicht das kleinste Hotel der Stadt ist.

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Claudia Salzmann@C_L_A

Nachts schleicht der Bär ums Haus, tagsüber blicken Touristen ins Wohnzimmer und morgens weckt einen das Rauschen der Aare und der Verkehr, der über die gepflasterte Nydeggbrücke rollt: Seit heute kann man im alten Zollhäuschen am Ende der Brücke übernachten. Bis Ende 2016 befand sich hier das Swiss Brand Museum, nun wurde es zum Hotel umgebaut. Budgetiert waren 440'000 Franken, wovon auch die Stadt einen Teil übernommen hat.

Auf zwei Stockwerken erhält der Gast eine 70 Quadratmeter grosse Wohnung. Im Erdgeschoss befindet sich das Wohnzimmer mit Blick in den Bärenpark, auf Münster und Aare, links ist die Küche, ausgestattet mit allerlei Berner Getränken, dafür ohne Herd. Weiter hinten befindet sich das Badezimmer.

Im ersten Stock wird geschlafen und mitten im Badezimmer in einer verglasten Kabine geduscht. Blicke vom Schlafzimmer und der Leseecke lassen sich dezent mit einem Vorhang abschirmen. Und jedes Fenster zeigt Bern von einer anderen interessanten Seite.

Matthias Keller vom Alten Tramdepot erklärt das Hotel Zollhäuschen. Video: Claudia Salzmann

Filigran ausgestattet

Die Idee dazu hatte Matthias Keller, der als stellvertretender Geschäftsführer im Alten Tramdepot angestellt ist. Er absolvierte die Hotelfachschule in Lausanne, arbeitete danach im Ausland und ist seit fünf Jahren bei der Brauerei angestellt. «Nun konnte ich meine Idee mit dem Hotel verwirklichen», sagt der 33-Jährige.

Mit Liebe zum Detail hat der Berner es eingerichtet. Die Möbel stammen aus Italien und überall entdeckt man die Aare und Bären: Ein Anker im Badezimmer, ein Bild des alten Bärengrabens in der Küche und die Nydeggbrücke in Sepiabildern an der Wohnzimmerwand verewigt. «Damit die Räume nicht noch kleiner wirken, haben wir mit viel Durchsichtigem und Filigranem gearbeitet», so Keller.

Matthias Keller, stellvertretender Geschäftsführer im Alten Tramdepot.

Stauraum für längere Aufenthalte fehlt

Preislich bewegt sich eine Nacht im Zollhäuschen in den oberen Kategorien: Für zwei Personen kann die Loge ab 399 Franken gebucht werden, zu viert ab 539 Franken inklusive Frühstückskasten. «Von der Ausstattung sind wir in der Vier- bis Fünf-Sterne-Kategorie», sagt Keller. Einen Fünf-Sterne-Service allerdings könne er nicht bieten, da Rezeption, Lobby und Concierge fehlen. Dafür gibt Keller den Gästen seine Handynummer an, damit diese einen direkten Draht zu ihm haben.

Laut Bundesamt für Statistik boomt der Städtetourismus in der Schweiz. Seit dem Jahr 2000 haben die Logiernächte in den grossen Schweizer Städten um über 50 Prozent zugenommen. «Wir sind mit dem Zollhäuschen primär für Kurzaufenthalte ausgerüstet. Bleibt jemand einen Monat, müssten wir uns beim Stauraum etwas überlegen», sagt Keller. Das kleinste Hotel von Bern ist das alte Zollhäuschen allerdings nicht: Dies wäre das Casita in der Länggasse.

Auch nach Projekt buchbar

Perfekt passt da die Anfrage von Schweiz Tourismus, sich als eines von 11 Popup-Hotels anzubieten. Diese einmalige Kampagne der Tourismusorganisation dauert drei Monate und startet am Dienstag. Nebst dem Berner Zollhäuschen gibt es in Basel den Fischergalgen, in Lausanne ein Zimmer im Hotelgarten, in Luzern ein geheimes Bootshaus oder in Vevey einen alten Ballraum zu mieten.

Allesamt haben sie nur ein Zimmer, wurden für diese Schweiz-Tourismus-Aktion zur Übernachtungsmöglichkeit umgebaut und werden von Hotels betrieben. Anders in Bern: Hier verwaltet es die Brauerei Altes Tramdepot. «Das ist für uns Neuland», so Keller.

Während die anderen 10 Popups nach drei Monaten wieder schliessen werden, bleibt Kellers Zollhäuschen bestehen: «Auch nach dem Projekt werden wir es als Hotel weiterbetreiben.»

Zimmer sind buchbar bei www.myswitzerland.com/swissurbansleeping.

Berner Zeitung

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