Zum Hauptinhalt springen

Cuba-Bar-Schläger ist schuldig

Ein 32-Jähriger, der 2012 vor der Cuba Bar einen Mann niedergeschlagen hat, soll die Hälfte der dreijährigen Freiheitsstrafe absitzen müssen.

Der Beschuldigte will gegen den Vorwurf der Körperverletzung Notwehr geltend machen.
Der Beschuldigte will gegen den Vorwurf der Körperverletzung Notwehr geltend machen.
Martin Bürki

Wie schon das Regionalgericht Oberland sprach die zweite Instanz den in der Region Thun wohnhaften Brasilianer wegen schwerer Körperverletzung schuldig. Das Obergericht verhängte dafür ebenfalls eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 36 Monaten, wovon der Mann 18 Monate hinter Gittern verbüssen soll. Der Rest wird an eine Probezeit von drei Jahren gekoppelt.

Die Strafkammer wies darauf hin, dass das Gesetz bei schwerer Körperverletzung Freiheitsstrafen bis zu zehn Jahren zulässt. Weil das Verschulden mittelschwer sei, erachtete das Obergericht ein Strafmass von drei Jahren als durchaus gerechtfertigt.

Der Vorwurf der schweren Körperverletzung geht auf eine Nacht im September 2012 zurück, als es am frühen Morgen vor der Cuba Bar in Bern zu einer zunächst verbalen Auseinandersetzung kam. In der Folge schlug der Angeklagte seinem Widersacher mindestens einmal die Faust ins Gesicht.

Verteidigung plädierte auf Notwehr

Das Opfer erlitt ein schweres Schädelhirntrauma und blieb während sechs Monaten arbeitsunfähig. Der Mann leidet bis heute an den Folgen der Verletzungen. Der Angeklagte machte geltend, er sei provoziert und bedroht worden, weshalb er das erstinstanzliche Urteil weiterzog.

Die Pflichtverteidigerin plädierte vor Obergericht auf Notwehr und verlangte, den Angeklagten vom Vorwurf der schweren Körperverletzung freizusprechen oder - im Falle eines Schuldspruchs - die Freiheitsstrafe auf 20 Monate bedingt abzumildern. Es bleibe unklar, wie die Auseinandersetzung genau abgelaufen sei.

Aus Sicht der Anklage war die Grenze zur Notwehr aber klar überschritten worden. Der Beschuldigte habe aus «völlig nichtigem Anlass» zugeschlagen und die lebensgefährlichen Verletzungen bewusst in Kauf genommen, betonte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer.

Auch das Gericht konnte aufgrund von Zeugenaussagen keine Notwehr erkennen. Zudem habe der Angeklagte immer wieder neue Versionen präsentiert, die wenig glaubwürdig seien.

Unkooperatives Verhalten

Verurteilt wurde der Mann zudem zu einer Geldstrafe von 220 Tagessätzen, dies wegen versuchten Raubes und Widerhandlungen gegen das Waffengesetz. Das Obergericht reduzierte jedoch den Tagessatz von 30 auf 10 Franken, womit die Busse statt 6600 noch 2200 Franken beträgt.

Die Richter billigten dem Beschuldigten eine gewisse Reue zu. Auch zeige der Leumundsbericht, dass der Mann keine einfache Vergangenheit habe. Negativ ins Gewicht fiel jedoch, dass er sich während des Verfahrens wiederholt respektlos und unkooperativ zeigte. Zudem ist er in weitere Strafverfahren verwickelt.

Wenig hilfreich war auch, dass der Angeklagte am Montag erst zur Urteilsverkündigung auftauchte. Ob das zweitinstanzliche Urteil noch vor Bundesgericht gezogen wird, liess die Pflichtverteidigerin offen. Sie müsse zunächst die Urteilsbegründung studieren, erklärte sie der sda.

Der 32-jährige Mann ist bis zum Vorliegen eines rechtskräftigen Urteils auf freiem Fuss, weil keine Fluchtgefahr festgestellt worden war. Er hatte insgesamt 12 Tage in Polizei- und Untersuchungshaft gesessen.

SDA/abe

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch