Bern

Schauspiel-Chefin Gräve im ersten Akt abgesägt

BernEklat bei Konzert Theater Bern: Das Vierspartenhaus hat am Donnerstag Stephanie Gräve fristlos freigestellt. Auslöser war offenbar ein Machtkampf zwischen der Schauspielchefin Gräve und Direktor Stephan Märki.

Für sie war es nur ein kurzes Gastspiel: Stephanie Gräve verlässt Konzert Theater Bern – Direktor Stephan Märki bleibt.

Für sie war es nur ein kurzes Gastspiel: Stephanie Gräve verlässt Konzert Theater Bern – Direktor Stephan Märki bleibt. Bild: Urs Baumann

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Nach nur einer halben Spielzeit muss Stephanie Gräve schon wieder gehen. Gestern Nachmittag teilte Konzert Theater Bern (KTB) mit, der Stiftungsrat habe die Schauspielchefin «auf Antrag von KTB-Direktor Märki mit sofortiger Wirkung freigestellt.» Grund dafür: «Grundlegende inhaltliche und strategische Differenzen», so die Floskel in der ­Medienmitteilung. Jens Breder, Leiter der Kommunikations­abteilung, blieb auf Nachfrage wortkarg.

Streit um Regie

So äusserten sich gestern weder Stephanie Gräve noch Stephan Märki zum Eklat. Laut gut unterrichteten Quellen soll die gefloppte Shakespeare-Inszenierung «Othello», die auch in dieser Zeitung kritisiert wurde, den Ausschlag gegeben haben. Offenbar stand die Personalie der Regisseurin Claudia Meyer am Anfang der Auseinandersetzung zwischen Märki und Gräve.

Direktor Stephan Märki wollte trotz der schlechten Kritiken und der tiefen Besucherzahlen an Regisseurin Meyer festhalten, auch für künftige Produktionen, Gräve nicht. Pikantes Detail: Meyer ist die ehemalige Lebensgefährtin des KTB-Direktors. Von seiner letzten Station, Weimar, holte er sie nach Bern. Sie inszenierte 2013 Dürrenmatts «Frank der Fünfte», 2014 Frisches «Biedermann und die Brandstifter» und in dieser Saison «Othello». Nicht nur in der Öffentlichkeit, auch beim KTB hatten ihre Inszenierungen seit Jahren für Kritik gesorgt, die indes nicht immer offen geäussert worden war.

Angehört, dann freigestellt

Die heikle personelle Konstellation wirft ein Licht auf den Hintergrund des Zwists – wenn der Stiftungsrat gleich eine Führungskraft schon nach einer halben Saison fristlos freistellt, muss aber Schwerwiegenderes als «grundlegende inhaltliche Differenzen» im Raum sein. Doch auch die strategischen Ebene liess gestern nichts verlauten. Weder Stiftungsratspräsident Benedikt Weibel noch Vize Marcel Brülhart wollten den Entscheid kommentieren. Klar ist nur: Märki hat den Antrag auf die Entlassung gestellt, Gräve wurde vom Stiftungsrat angehört, bevor er die Freistellung aussprach.

Vielversprechender Einstand

Dieser Stiftungsrat hatte Stephanie Gräve im September 2014 einstimmig zur Leiterin der Theatersparte gewählt. Die 46-jährige Duisburgerin übernahm die Schauspielleitung von Iris Laufenberg, die ans Schauspielhaus Graz wechselte. Dank der frühzeitigen Ernennung konnte sie schon bei der Planung ihrer ersten Saison 2015/2016 entscheidend mitwirken, gab noch vor der Sommerpause als Dramaturgin von Shakespeares «Was ihr wollt» ihren Einstand.

Dieser fiel vielversprechend aus. Danach folgte eine durchzogene erste Saisonhälfte, neben erfreulichen Inszenierungen («Hiob», «Peter Pan») standen schwache Produktionen wie der angesprochene «Othello» oder «Die Töchter des Danaos». Nach den vielen Wechseln im Sommer – einige Schauspieler und Dramaturgen waren Iris Laufenberg nach Graz gefolgt – war es ihre Aufgabe, ein Team mit vielen neuen Köpfen aufzubauen. Sie intensivierte die Kooperation mit den Kirchen in Bern und Umgebung, die ihre Vorgängerin aufgebaut hatte – wobei nicht immer klar war, zu welchem Zweck.

Vor ihrem Engagement war Gräve stellvertretende künstlerische Leiterin am Theater Basel und davor sieben Jahre lang Chefdramaturgin am Theater Bonn. In Bonn und Basel dozierte sie zudem an der Universitäten.

Nachfolge erst für 2017

Gemäss der Mitteilung von Konzert Theater Bern soll die Nachfolge für Gräve erst auf die Saison 2017/2018 vorgestellt werden. Bis dahin will Intendant Märki die Theatersparte selbst leiten. Er wird auch die Planung der nächsten Saison weiterführen – damit bürdet er sich neben der Stadttheatersanierung und neben der Gesamtleitung des Hauses eine weitere zeitintensive Aufgabe auf. Sophie-Thérèse Krempl, bis anhin künstlerische Leiterin der Kooperations- und Sonderprojekte, leitet interimistisch die Schauspieldramaturgie. (Berner Zeitung)

Erstellt: 21.01.2016, 21:35 Uhr

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