SCB-Fans feierten trotz der Kälte

Bern

Der SCB-Meisterumzug am Samstag wurde vom Regen begleitet. Das nasskalte Wetter verleitete etliche Fans dazu, zu Hause zu bleiben. Für die treusten Anhänger war aber auch dieses Fest «ein Muss».

Die besten Bilder vom Umzug und der Meisterfeier.
(Video: Martin Bürki)

«Wir dürfen fast nicht verraten, wo wir herkommen», sagt Marianne Schneiter und lacht. Glückselig steht sie am Samstagabend auf dem Bundesplatz, mit guter Sicht auf die Bühne, wo sich die Meisterspieler des SC Bern von der Menge feiern lassen. Marianne Schneiter und ihr Bruder Urs sind seit 38 Jahren treue Fans der Berner, Saisonkarteninhaber, aber eben: eigentlich Auswärtige.

Schneiters sind im freiburgischen Flamatt aufgewachsen. Das liegt zwar sehr nahe an der Kantonsgrenze, trotzdem habe in der Schule die klare Mehrheit Freiburg-Gottéron unterstützt, erzählt Urs. Schneiters aber entschieden sich für den Rivalen aus dem Nachbarkanton – und dürfen heute auf über zehn Meistertitel zurückblicken, die sie als Fans miterlebt haben.

Die Erlösung

In jüngerer Vergangenheit waren die Berner Supporter bekanntlich verwöhnt, fünf Meisterschaften durften sie in den letzten zehn Jahren bejubeln. Die Feierlichkeiten wirken wie eine Routine. Ob sich da eine gewisse Sättigung einstellt? Wen man auch fragt, alle SCB-Anhänger verneinen. Jeder Titel sei speziell und erzähle seine jeweils eigene Geschichte.

«In diesem Jahr ist es enorm schön, weil wir gleich mehrmals nahe am Ausscheiden waren. Es war ein Geknorze, aber die Spieler haben nie aufgegeben», sagt Marianne Schneiter. Entsprechend ausgelassen wurde direkt nach dem letzten Saisonspiel gefeiert, erst um 4 Uhr morgens sei sie zu Hause gewesen. Es ist klar, dass sich ein Grossteil der emotionalen Anspannung schon vor einer Woche löste. Die Stimmung am Meisterumzug wirkt dagegen vergleichsweise brav. Wobei das auch mit dem Wetter zu tun hat.

Es war schon den ganzen Tag kalt, windig, keine optimalen Bedingungen für eine Feier im Freien. Der Aufmarsch der SCB-Fans am offiziellen Startpunkt Bärengraben: bescheiden. Just als der Tross mit Spieler und Staff am Bärengraben eintrifft und der Umzug beginnen soll, setzt Regen ein. Auf dem Weg die Altstadt hinauf suchen viele Schutz unter den Lauben, andere haben Regenschirme und Pelerinen mitgebracht.

Auch Marianne und Urs Schneiter sind ausgerüstet. «Der Meisterumzug ist ein Muss», betonen beide. Marianne trägt einen selbst gestrickten SCB-Pullover mit der Nummer 10 und ihrem Vornamen auf dem Rücken. Und beide Geschwister haben sich eine SCB-Gesichtsbemalung verpasst. «In der Playoff-Zeit lassen wir uns immer etwas Besonderes einfallen, für jedes Spiel», verrät Urs.

Bis zum Zytglogge ist der Tross schon deutlich angewachsen. Doch die garstigen Bedingungen wirken ein Stück weit als Euphoriebremse. Die Stimmung ist nicht immer ganz ausgelassen, Gesänge kommen zunächst nur schleppend in Gang. Nur die Spieler scheint das Wetter kaum zu kümmern.

Ohne Regenschutz stehen sie auf der Ladefläche ihres Partylastwagens, trinken Dosenbier und geben fleissig Autogramme. Die Mannschaft scheint gar so motiviert, dass sie die Fans zum Tanzen und Hüpfen ermutigt. Der Meistertrainer Kari Jalonen nimmt es derweil lieber gemütlich. Auf einem alten Feuerwehrauto hütet der Finne den Pokal, winkt cool in die Menge und grinst zufrieden.

Die Glücksbringermütze

Je näher der Tross dem Bundesplatz kommt, desto höher steigt das Stimmungsbarometer. Kurz vor 18 Uhr betreten der Staff und die Mannschaft die Bühne. Trainer Jalonen erzählt die Geschichte von seiner Glücksbringermütze, ein Geschenk des EHC Wiki-Münsingen.

Captain Simon Moser bringt den Pokal mit. Der neue Rekordtitelsammler Beat Gerber (sechsfacher Meister) scherzt, die Festivitäten in der Meisternacht seien härter gewesen als das ganze Playoff. Für den grössten Lacher sorgt aber Tristan Scherwey (zu sehen im obigen Video).

Der Publikumsliebling ergreift das Mikrofon und sagt: «Morgen steht dann wieder in den Zeitungen, die Spieler seien betrunken gewesen.» Und dann schiebt die Berner Nummer 10 nach: «Diesmal ist Alain Berger schuld. Er hat vier Flaschen Jägermeister mitgebracht.» Scherwey, der Freiburger in Berner Diensten, geniesst beim Anhang Heldenstatus. Er hat sein Glück im Kanton des grossen Rivalen gefunden – genau wie die Fans Marianne und Urs Schneiter.

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Berner Zeitung

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