«‹Sauberkeitsrappen› ist unnötig»

Bern

Der Gastrounternehmer Kurt Dallmaier führt ab 2015 wieder eine McDonald’s-Filiale in der Stadt Bern. Und er macht gegen die geplante Litteringgebühr mobil.

Gastrokönig Kurt Dallmaier im Restaurant Beaulieu fordert von der Stadt ein Litteringkonzept statt einer «Strafgebühr».

Gastrokönig Kurt Dallmaier im Restaurant Beaulieu fordert von der Stadt ein Litteringkonzept statt einer «Strafgebühr».

(Bild: Urs Baumann)

Markus Ehinger@ehiBE

Vor vielen Jahren liess er die VIP-Tribüne in der Postfinance-Arena bauen, er war vor 22 Jahren der McDonald’s-Pionier mit vierzehn Filialen von Solothurn über Bern bis Interlaken und ist Investor in der Gastroszene: Kurt Dallmaier wird gerne auch als Berner Gastrokönig bezeichnet. In den letzten Jahren war er eher im Hintergrund, jetzt gibt er mit der Übernahme einer neuen McDonald’s-Filiale in der Stadt Bern sein Comeback (siehe Kasten «Comeback»).

Zurück als aktiver Gastronom, ärgert er sich über den von der Stadt geplanten «Sauberkeitsrappen», mit dem die Abfallverursacher indirekt zur Kasse gebeten werden sollen (siehe Kasten unten rechts). «Dieser ‹Sauberkeitsrappen›, der sicher höher sein wird als ein Rappen, ist unnötig und zielt vor allem auf die grossen Unternehmen wie Migros, McDonald’s oder Burger King, die sich schon heute stark gegen Littering einsetzen», sagt Dallmaier. Den Hauptabfall würden aber kleine Betriebe produzieren, die nicht dem Gastgewerbegesetz unterstünden.

Sitzgelegenheiten in der Stadt

In einem Brief, der dieser Zeitung vorliegt, fordert er von der Stadt konstruktive, innovative und nachhaltige Vorschläge, statt dass sie dem Gewerbe mit einer «Strafgebühr» nur «Geld abknöpft». Sein Vorschlag: An den bekannten Hotspots brauche es mehr und grössere Abfallkübel. «An diesen Orten, etwa auf dem Waisenhaus- oder dem Bundesplatz, könnte die Stadt mindestens temporär in den Sommermonaten auch Sitzgelegenheit anbieten.»

Dallmaier ist sich bewusst, dass es für die Bewirtschaftung von Abfalleimern und Sitzgelegenheiten Personal braucht. «Ich denke an fünf Leute, die speziell für diese Aufgaben angestellt werden.» Vorbild könnte das Team Sauber von Bernmobil sein. Seit 2005 sorgen dort Angestellte dafür, dass die Fahrzeuge auch tagsüber gereinigt werden. Dieses Projekt wird in Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum Integration der Stadt Bern durchgeführt.

Gemeinsam finanzieren

«Die Geschäfte und Restaurants könnten dieses Konzept mitfinanzieren. Das ist eine Offerte, die man zusammen mit der Stadt diskutieren müsste», sagt Dallmaier. Er sei überzeugt, dass auch grosse Unternehmen wie eine Migros oder McDonald’s oder auch Bern City dieses Konzept unterstützen würden. Dallmaier rechnet damit, dass so mehrere Zehntausend Franken zusammenkommen könnten.

Der positive Effekt: «Der Kunde, auf den der ‹Sauberkeitsrappen› abgewälzt würde, wird nicht mit einer neuen Abgabe belastet, und es braucht keinen bürokratischen Verwaltungsaufwand.» Er betont, dass etwa McDonald’s in Zürich, Basel, Luzern, aber auch in Köniz oder Zollikofen hervorragend mit den Behörden zusammenarbeite.

Schulen in die Pflicht nehmen

Nebst einer Anti-Littering-Kampagne kann er sich auch ganze von der Wirtschaft mitfinanzierte «Aufräumzüge» vorstellen, die nach dem Mittag durch die Stadt ziehen und die Strassen vom Abfall befreien. In dieses Konzept gehöre auch die Zusammenarbeit mit Schulen, wo die Problematik des Litterings behandelt werden müsse.

«Heute fehlt der erzieherische Faktor beim ‹Sauberkeitsrappen› vollständig.» Er wolle, dass die Stadt sauber ist. «Aber ich werde den ‹Sauberkeitsrappen› vehement bekämpfen», sagt Dallmaier. «Die Abgabe käme mich wahrscheinlich sogar billiger. Aber sie ist nicht durchdacht. Es muss eine bessere Lösung her.»

Berner Zeitung

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