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Sanierung der Kirche kostet 800'000 Franken

Die Kirche Wahlern sieht auch Wochen nach dem Kanzelbrand noch immer russig und düster aus. In 14 Tagen sollten die Renovationsofferten vorliegen – der Schaden beläuft sich voraussichtlich auf rund 800'000 Franken.

Kirchgemeinderatspräsident Gerhard Remund zeigt, wie aufwändig die Reinigung der bunten Kirchenfenster wird.
Kirchgemeinderatspräsident Gerhard Remund zeigt, wie aufwändig die Reinigung der bunten Kirchenfenster wird.
Stefan Anderegg

«Infolge Brandanschlags ist die Kirche Wahlern mehrere Monate nicht benützbar», ist an der Eingangstür angeschlagen. Kaum ist sie offen, riecht es wie in einer Räucherkammer. Vor fast sechs Wochen, in der Nacht vom 22. auf den 23. Januar, zündeten Unbekannte die Kanzel der beliebten Hochzeitskirche an. Nur weil die Täter die Türe hinter sich schlossen, geriet die Kirche Wahlern nicht in Vollbrand. Die Polizei tappt im Dunkeln, es gebe keine stichhaltigen Hinweise auf die Brandstifter.

Auch wenn der Brand glimpflich verlaufen ist – der Schaden ist gewaltig: «Wir rechnen mit Sanierungskosten von rund 800'000 Franken», sagt Gerhard Remund, Präsident des Kirchgemeinderats Wahlern. Die Kosten gehen voraussichtlich mehrheitlich zu Lasten der Gebäudeversicherung und der Mobiliar. Für die Restkosten ist der Kirchgemeinderat mit Kanton und Denkmalpflege in Verhandlung.

Reinigung von Hand

Seit dem Brand hat Remund rund 20 Prozent seines Pensums für die Kirche gearbeitet. Die Versicherungsexperten mussten herumgeführt werden. Fachleute für Kirchen- und Orgelbau schätzten den Schaden und erstellten Sanierungsofferten. Bald sind alle Offerten da, dann kann das grosse Putzen und Flicken beginnen. Das wird nicht einfach sein: «Die Bleiglasfenster müssen von Spezialisten gereinigt werden», sagt Remund. Die rund 10'000 Scheibenteilchen, aus denen die Kirchenfenster bestehen, sind bemalt und können nicht einfach abgewischt werden. Die Fachleute müssen auch dafür sorgen, dass der Russ nicht hinter die Bleifassungen läuft: «Sonst läuft es bei ein bisschen Feuchtigkeit grau die Fenster herunter.»

Auch die Wände können nicht einfach so gereinigt werden. Versuche haben ergeben, dass der Russ am besten trocken mit einer Messingbürste gereinigt wird. Die Holzböden werden ebenso wie die Bänke abgeschliffen und kriegen eine neue Lackierung. «Je nach Preis lassen wir die Böden auch gleich neu machen», sagt Remund. Da sich der Russ auch in die Ritzen zwischen den Dielen festgesetzt hat, blieben selbst nach dem Schleifen schwarze Rillen.

Teure Orgelsanierung

Von der Orgel auf der Empore steht momentan noch der Prospekt, die denkmalgeschützte Hülle. Der Orgelbauer hat das Instrument bereits demontiert und in die Werkstatt gebracht. Vor sechs Jahren erst wurde es für 85'000 Franken überholt. Nach dem Brand wird es noch teurer: Remund schätzt, dass die Kosten für die Orgel auf 135'000 Franken zu stehen kommen. Die Arbeiten am Prospekt werden von einem Maler erledigt, der das Gehäuse aus der Reformationszeit reinigt und neu bemalt. Wie die neue Kanzel aussehen wird, entscheidet der Kirchgemeinderat im Frühjahr. Die Denkmalpflege habe freigestellt, das verbrannte 300-jährige Stück genau nachzubauen oder eine moderne Kanzel einzubauen. Kosten: rund 40'000 Franken.

Kirchgemeinderatspräsident Remund rechnet damit, dass die Renovation bis in den Spätherbst andauern werden.

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