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Guerilla-Yoga in Berner Parks

Am Sonntag startet die Guerilla-Yoga-Saison: Bis zu 200 Yogis folgen mittlerweile den Sommer über den kurzfristigen Facebook-Aufrufen, in einem Stadtpark auf der Matte zu üben.

Immer tief durchatmen. Berner Guerilla-Yogis beim Ausdrehen der Wirbelsäule.
Immer tief durchatmen. Berner Guerilla-Yogis beim Ausdrehen der Wirbelsäule.
zvg

Der Krieger, stolz oder demütig, ist eine wichtige Position im Yoga und der Weg zur sanften Guerillera nicht weit. Die Wortschöpfung Guerilla-Yoga sei «eine gelungene Verbindung», findet die Yogalehrerin Janet Orzechowski.

Sie ist Gründungsmitglied des Berner Guerilla-Yoga und war vor sieben Jahren dabei, als sich an einem Sommersonntag erstmals eine Handvoll Leute zusammenfanden, um in einem öffentlichen Berner Park «zu praktizieren», wie man unter Yogis sagt.

Seither ist Guerilla-Yoga – ganz Yin und Yang – gleichzeitig beständig und flüchtig. Als Event hat die sonntägliche Freiluft-Yogastunde, die Orzechowski mit Christina Eggenschwiler und Elisa Malinverni organisiert, eine steile Wachstumskurve hingelegt.

Die Berner Yoga-Lehrerinnen Elisa Malinverni, Janet Orzechowski und Christina Eggenschwiler (von links), die in Bern das Guerilla-Yoga leiten. Bild: zvg
Die Berner Yoga-Lehrerinnen Elisa Malinverni, Janet Orzechowski und Christina Eggenschwiler (von links), die in Bern das Guerilla-Yoga leiten. Bild: zvg

Die Vorfreude auf die neue Saison sei in der Yogaszene «richtig spürbar». Mittlerweile besuchen bis zu 200 Yogis und Yoginis die Spontisessions, und Janet Orzechowski hat sich schon beim Gedanken ertappt, dass man die Lehrerin vorne mit einem Mikrofon ausrüsten müsste.

24 Stunden Vorlauf

Aber so würde wohl die unbeschwerte Flüchtigkeit verfliegen. Guerilla-Yoga funktioniert, als würde es nicht existieren. Erst am Vortag posten die Organsiatorinnen auf Facebook den Park, in dem die Stunde stattfindet. Der Grund für die Kurzfristigkeit: Wird die Yogastunde weniger als 24 Stunden zuvor angekündigt, gilt sie nicht als Veranstaltung und ist bewilligungsfrei.

Abgesagt wird nur, wenn es regnet. Sonst sieht man am Sonntagvormittag – etwa auf der Kleinen Schanze, im Kocherpark oder auf der Kasernenwiese – farbig angezogene Menschen, die ihren Hintern im «abschauenden Hund» dem Himmel entgegenstrecken oder im «Baum» balancieren und ein Mantra murmeln.

Jeden Sonntag unterrichtet eine Lehrerin oder ein Lehrer aus einem anderen Berner Yogastudio und in einem anderen Stil. Im Guerilla-Style überwänden eher mehr Männer die Schwellenangst zur Yogamatte.

Vor allem, findet Janet Orzechowski, drücke sich im Guerilla-Yoga «ein Bedürfnis nach spontaner Community» aus. Die Leute kämen von überallher mit ihren Matten auf die Wiese, und plötzlich ziehen nach der Lektion einige weiter zum Brunch oder plaudern an der Sonne ein paar Stunden weiter.

Fast wie Kirchenbesuch

Diese Atmosphäre begeistert auch Barbara Wegmüller, die wie ihr Mann Roland kein Guerilla-Yoga verpasst. Wegmüllers leben im Spiegel und engagieren sich als Zen-Peacemakers, die Meditation und soziales Engagement verbinden. Guerilla-Yoga ist nicht kommerziell, wer will, kann Geld spenden, das die Zen-Peacemaker eins zu eins in ausgewählte Sozialprojekte investieren.

Im Sommer 2016 kamen 15 000 Franken zusammen. «Es ist toll», sagt Wegmüller, «dass die jungen Menschen, die auf der Matte etwas für ihr persönliches Wohlbefinden machen, auch noch einen sozialen Mehrwert schaffen.»

Entfernt erinnert Guerilla-Yoga an den sonntäglichen Kirchenbesuch von früher.

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