Ärzte beteiligen sich an Zahlung für Forschungszentrum

Bern

Das Inselspital baut an der Murtenstrasse ein neues Forschungszentrum. Baukosten: 26 Millionen Franken. Möglich wurde der Bau, weil Professoren und Chefärzte 6 Millionen beisteuern.

Grundsteinlegung: Prof. Felix Frey vor der Baustelle für das Zentrum für klinische Forschung am Inselspital.<p class='credit'>(Bild: Urs Baumann)</p>

Grundsteinlegung: Prof. Felix Frey vor der Baustelle für das Zentrum für klinische Forschung am Inselspital.

(Bild: Urs Baumann)

Es muss schlecht stehen um die Forschungsinfrastruktur eines Universitätsspitals, wenn sich Professoren und Chefärzte zusammentun und mit eigenen finanziellen Mitteln den Bau eines Forschungszentrums initiieren. Genau dies ist jetzt am Berner Inselspital geschehen. Dank der Initiative von 40 Professoren und Chefärzten, die zusammen 6 Millionen Franken aus ihren «Privatschatullen» zur Verfügung stellen, kann jetzt der Bau des Forschungszentrums des Inselspitals und der Universität Bern beginnen. Die restlichen 20 Millionen der Baukosten von 26 Millionen Franken werden mittels Beiträgen und Bankhypothek finanziert. Gestern fand an der Murtenstrasse 50 in Bern die Grundsteinlegung statt.«2003 habe ich festgestellt, dass wir am Inselspital zu wenig Forschungsräume haben», erinnert sich Felix Frey, Vizerektor Forschung und Leiter des Zentrums Forschung der Universität Bern sowie Direktor der Universitätsklinik für Nephrologie am Inselspital. Doch weil die Frauenklinik eben erst fertiggestellt und das Intensivbehandlungs-, Notfall- und Operationszentrum (INO) noch im Bau war, blieb der Hilferuf von Professor Frey ungehört. Und dies, obwohl im ursprünglichen Projekt der Frauenklinik eine ganze Etage für die Forschung reserviert worden war. Doch auf diese Etage wurde dann aus Kostengründen verzichtet. Weil auch im INO keine Forschungsräume gebaut wurden, «resultierte bald ein riesiges Defizit an Forschungsressourcen», erklärt Felix Frey. Wohl sei der ganze Spitalbetrieb ausgeweitet worden – mehr Ärzte, Pflegepersonal und Patienten –, nicht aber ein proportionaler Ausbau der Forschungsinfrastruktur.Als damaliger Präsident des Chefärztekollegiums des Inselspitals rief Felix Frey seine Kolleginnen und Kollegen zusammen und sagte: «Jetzt müssen wir etwas machen. Und alle haben sich spontan bereit erklärt, bei der Schaffung von Forschungsraum mitzuhelfen.» Diese Aktion blieb von Direktion und Verwaltungsrat des Inselspitals nicht unbemerkt. «Jetzt kam die Sache ins Rollen», stellt Frey zufrieden fest. Das neue Forschungszentrum der Insel wird dort gebaut, wo bis im Frühjahr baufällige Häuser standen.Geld aus zwei FondsGeklärt war damit die Standortfrage, nicht aber die Finanzierung des 26-Millionen-Projekts. Deshalb erklärten sich die Professoren und Chefärzte des Inselspitals bereit, den Bau des Forschungszentrums mit 6 Millionen Franken zu unterstützen. Mit weiteren freiwilligen Beiträgen beteiligt sich die Ärzteschaft ebenso an den Einrichtungskosten. Die 6 Millionen Franken kommen quasi aus der Privatschatulle der Mediziner, nämlich aus dem Fonds der Chefärztinnen und Chefärzte für die Forschungsinfrastruktur im Inselspital. Für die Äufnung der Fonds sorgen die Chefärztinnen und -ärzte selbst: Von 100 Franken Privatarzt-Honorar aus stationären Erträgen gehen 20 Franken ans Inselspital, 10 Franken in den Chefärzte-Fonds für die Forschungsinfrastruktur und 70 Franken in den Pool der betreffenden Klinik. Aus diesem Pool werden der Wissenschaftsfonds der Klinik, Beteiligungen der Oberärzte und das effektive Privatarzt-Honorar des betreffenden Chefarztes alimentiert. Die Forschung wird durch die Chefärzte doppelt unterstützt: via «Fonds der Chefärztinnen und Chefärzte» und via Wissenschaftsfonds der Klinik.Mit dem Neubau des Forschungszentrums an der Murtenstrasse kann das Inselspital seine Forschungstätigkeit ab 2011 ausbauen. Wohl bezahlt der Kanton Bern jährlich etwa 90 Millionen Franken für die Abgeltung von Lehre und Forschung. Doch das Inselspital könnte weit mehr Forschungsmittel generieren, wenn mehr Forschungsraum zur Verfügung stünde. Der Schweizerische Nationalfonds stellt für Forschungsprojekte erneut mehr Geld zur Verfügung. Ebenso die KTI Förderagentur für Innovation des Bundesamtes für Berufsbildung und Technologie (BBT). Hinzu kommen noch EU-Beiträge für Forschungsprojekte.Fest steht, wie das neue Forschungszentrum genutzt werden wird. Eine Hälfte wird von der Medizintechnologie beansprucht: künstliche Organe (Niere, Herz, Innenohr), Gelenkersatz, Herzpumpe, Dialyse sowie Biomechanik. Die andere Hälfte der Forschungsräume wird von Biologie (Zellforschung) und Biochemie genutzt. «Wir nutzen das Gebäude optimal aus», erklärt Professor Felix Frey und ergänzt: «Der Standort Murtenstrasse ist nur ein Anfang. Wir hoffen, dass diese Entwicklung weitergeht.»

Berner Zeitung

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