Ruedi Löffels «sturme Gring»

Kein Alkohol, kein Tabak. Es gibt Leute, die Ruedi Löffel als Spassbremse bezeichnen. Dabei kämpft er nur gegen Missbrauch von Alkohol und erzählt im Interview, dass er auch gerne mal einen Cognac oder ein Panaché trinkt.

Auf einen Kaffee mit Ruedi Löffel im Restaurant As an der Schlossmattstrasse 149 in Bern.

Auf einen Kaffee mit Ruedi Löffel im Restaurant As an der Schlossmattstrasse 149 in Bern.

(Bild: Beat Mathys)

Markus Ehinger@ehiBE

Ruedi Löffel, Sie arbeiten beim Blauen Kreuz. Alkohol ist also des Teufels. Würden Sie das so unterschreiben? Das stimmt so nicht absolut. Als ich vor gut 23 Jahren beim Blauen Kreuz begonnen habe, musste ich eine Abstinenzverpflichtung unterschreiben. Seit etlichen Jahren ist auch eine Solidarmitgliedschaft möglich: Man verpflichtet sich zu verantwortungsbewusstem Alkoholkonsum und unterstützt die Arbeit des Blauen Kreuzes ideell. Es geht nicht darum,grundsätzlich gegen Alkohol zu sein. Wir engagieren uns gegen den Alkoholmissbrauch mit all den zerstörerischen Begleiterscheinungen und für den Jugendschutz.

Sie trinken also auch ab und zu Alkohol? Ja, aber selten. Ich trinke zum Beispiel mit meiner Frau gerne mal einen Cognac zum Kaffee. Oder auch ein Panaché darfs mal sein. Das schadet niemandem und es hilft auch niemandem, wenn ich es nicht tue.

Als Politiker ist man an vielen Apéros eingeladen. Trinken Sie dort nie ein Glas Wein? Nein, dort trinke ich eigentlich nie. Damit kann ich zeigen, dass es auch ohne Alkohol geht. Was gar nicht geht, sind Anlässe, an denen es nur Alkohol gibt. Da werde ich dann ungemütlich.

Waren Sie schon mal betrunken? Nein, jedenfalls nicht dass ich mich erinnern könnte. Ich hatte aber auch schon einen «sturmen Gring», etwa zu meiner Zeit im Lehrerseminar oder an einer Hochzeit nach einer sehr süffigen Bowle.

Am Wochenende wird es an der Fasnacht dafür umso mehr Betrunkene geben. Dieser Anlass muss also ein Graus für Sie sein? Ich war schon mehrmals an der Fasnacht, auch mit dem Blauen Kreuz. Wir arbeiteten eng mit dem Verein Bärner Fasnacht zusammen. Die Veranstalter litten zum Teil unter den Auswirkungen, etwa Sachbeschädigungen oder Belästigungen. Bei dieser grossen Masse an Leuten gibt es leider viele, welche die Anonymität suchen, um über die Stränge zu schlagen und für die nicht die Fasnacht an sich im Vordergrund steht. Richtige Fasnächtler trinken gar nicht so viel, weil sie sonst nicht drei Tage überstehen könnten.

Sind an dieser Fasnacht Aktionen geplant? In den vergangenen Jahren haben wir auch schon Infoanlässe und Testkäufe durchgeführt, aber diesmal ist nichts geplant. Ich kann sagen, dass das Fasnachts-OK heute gut sensibilisiert ist. Ein Problem ist aber, dass einige Getränkestände nicht von Gastrounternehmen, sondern von Leuten betrieben werden, die mangelhaft informiert sind. Was zum Beispiel viele nicht wissen: Betrunkenen darf kein Alkohol verkauft werden.

Noch zum Thema Rauchen. Sie gelten als «Vater» des Rauchverbots im Kanton Bern. Dieses gilt in geschlossenen öffentlichen Räumen seit bald sieben Jahren. Sind Sie zufrieden? Ja, alles wurde besser. Man hat sich daran gewöhnt, heute ist das selbstverständlich. Und fast alle schätzen die bessere Luft. Und ich wurde darin bestätigt, dass der Passivrauchschutz richtig und wichtig ist.

In der BZ war letzte Woche zu lesen, dass in Gefängnissen weiterhin geraucht wird. Das ist eine komplexe und schwierige Situation. Man müsste sicher schauen, ob und wo zumindest für die Angestellten Verbesserungen möglich wären. Zum Passivrauchschutz allgemein: Es gibt heute fast niemanden mehr, der sagt, dass das ein Fehlentscheid gewesen sei.

Bernerbär

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