Rückschlag für neue Eventhalle

Stadt Bern

Es ist ein ungewöhnlicher Vorgang. Die Berner Messebetreiberin Bernexpo legt die Detailplanung der neuen Eventhalle vorläufig aufs Eis.

<b>Der Ersatz für die alte Festhalle:</b> So wird die neue Eventhalle aussehen. Sofern das Projekt nach dem Marschhalt durchgezogen wird.

Der Ersatz für die alte Festhalle: So wird die neue Eventhalle aussehen. Sofern das Projekt nach dem Marschhalt durchgezogen wird.

(Bild: PD)

Stefan Schnyder@schnyderlopez

Das Projekt ist ambitioniert. Die Berner Messebetreiberin Bernexpo will auf ihrem Areal eine neue Eventhalle bauen. Diese soll BEmotion Base heissen und im Jahr 2022 die alte Festhalle er­setzen. Die budgetierten Kosten belaufen sich auf 80 Millionen Franken. Die Stadt und der Kanton Bern sollen je 15 Millionen Franken beisteuern. Auch die Burgergemeinde hatte einen Betrag in der gleichen Grössen­ordnung in Aussicht gestellt.

Der plötzliche Marschhalt

Doch nun wird das Projekt arg gebremst. Bernexpo will nochmals ganz grundsätzlich über die Bücher gehen, wie Unternehmenssprecher Adrian Erni Informationen dieser Zeitung bestätigt: «Die Bernexpo Groupe hat in enger Absprache mit der Stadt, der Burgergemeinde und dem Kanton Bern entschieden, die Detailplanung der BEmotion Base vor­übergehend zwecks Überprüfung konzeptioneller Fragen zu unterbrechen.» Dann versucht er, die Tragweite des Entscheids zu re­lativieren: «In einem Projekt dieser Grössenordnung ist ein iteratives Vorgehen nichts Aussergewöhnliches.»

Viele Grundsatzfragen

Doch der Marschalt wird Folgen haben. Das steht fest. Wie gravierend diese sein werden, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen. Bei der Überprüfung werden alle Eckpunkte des Projekts angeschaut. Dabei wird es um das Thema gehen, ob die Grösse der Halle immer noch den aktuellen Bedürfnissen der Veranstalter entspricht. Es wird sich auch die Frage stellen, ob genügend Investoren das Projekt mittragen und wie die Risiken und Chancen verteilt werden.

Ein zentraler Auslöser des Marschhalts ist die aktuelle Krise im Messe- und Eventgeschäft. Exemplarisch steht dafür Messe Schweiz, die in Basel und Zürich beheimatet ist. Sie rechnet für das Jahr 2018 mit einem Verlust von über 100 Millionen Franken. Mit der Swatch Group stieg überraschend die wichtigste Aus­stellerin der Uhren- und Schmuckmesse Baselworld aus, die von Messe Schweiz organisiert wird.

Angesichts dieser Entwicklung verwundert es nicht, dass auch in Bern gewisse Geldgeber kalte Füsse gekriegt haben. Dem Vernehmen nach hat vor allem die Burgergemeinde Bern Druck gemacht, den Marschhalt einzulegen. Doch ein Rückzug sei nicht geplant, heisst es. «Die Burger­gemeinde Bern hält an ihrem Entscheid fest, den der Kleine Burgerrat im Jahr 2015 gefällt hat. Sie wird sich bei der Eventhalle finanziell engagieren, sofern die gestellten Bedingungen erfüllt sind», sagt Stefanie Gerber, Sprecherin der Burgergemeinde. Was diese Bedingungen besagen, verrät sie nicht.

Verzögerungen drohen

Angesichts der neuen Ausgangslage besteht das Risiko, dass nun auch die potenziellen Geldgeber Stadt und Kanton Bern die Behandlung der Kreditbegehren sistieren werden. Denn definitive Entscheide sind bisher weder bei Stadt noch Kanton gefallen.

Der Gemeinderat hat – noch in alter Zusammensetzung – dem Projekt seine Unterstützung zugesichert. Im Mai 2015 veröffentlichte er dazu eine Medienmitteilung. Darin teilte er mit, dass er «im Grundsatz und unter Auflagen» entschieden habe, das Projekt mit einem Beitrag von «maximal 15 Millionen Franken zu unterstützen». Der Gemeinderat begründete seinen Entscheid wie folgt: «Der Messeplatz Bern ist mit seiner Wertschöpfung von grosser volks­wirtschaftlicher Bedeutung und trägt wesentlich zur Attraktivität der Stadt Bern im Tourismus- und Eventbereich bei.» Er machte zudem darauf aufmerksam, dass das Volk in dieser Sache das letzte Wort haben werde.

Allerdings: Die neu zusammengesetzte Stadtregierung hat bis heute dem Stadtrat keinen entsprechenden Kreditantrag unterbreitet. Wieso dies nicht erfolgt ist, bleibt derzeit das Geheimnis der Stadtregierung. Eine mögliche Interpretation liegt auf der Hand: Die Verschleppung des Geschäfts könnte ein Zeichen dafür sein, dass in der aktuellen Stadtregierung der Enthusiamus für einen Beitrag an die Halle nicht ausgesprochen gross ist.

Eine neue Vorlage dürfte auch im Parlament auf Widerwillen stossen: Die Vertreter der mächtigen links-grünen Fraktionen sind hin- und hergerissen. Einerseits beurteilen sie kritisch, dass die Stadt eine AG wie Bernexpo unterstützt, andererseits sehen sie auch, dass vor allem der Tourismus in der Stadt von einer Eventhalle profitieren könnte.

Das bietet die Halle

Das Projekt sieht den Bau einer säulenlosen Halle mit einer Höhe von 14 Metern vor. Sie soll eine Fläche von 7600 Quadratmetern aufweisen und maximal 9000 Besuchern Platz bieten. Den Verantwortlichen von Bernexpo schwebt vor, dass in der Halle grosse Kongresse, Sportveranstaltungen, Fernsehshows sowie Konzerte und Musicals veranstaltet werden können. Den Projektwettbewerb hat Bernexpo bereits abgeschlossen. Die Frage ist nun, ob auch dieser hinfällig geworden ist.

Hinweis: In einer älteren Version hiess es, dass das Geschäft bereits beim Stadtrat liegt. Der Gemeinderat hat dem Parlament allerdings noch keine entsprechende Vorlage vorgelegt.

Berner Zeitung

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