Rückschlag für die Krisenkasse

Die angeschlagene Pensionskasse Bolligen-Ittigen-Ostermundigen verliert Ende Jahr voraussichtlich 189 ihrer insgesamt 877 Versicherten. Das ist ein Rückschlag für die ohnehin bereits schwierigen Sanierungsbemühungen.

«Ich bin überzeugt, dass wir eine faire Lösung haben.» Marco Rupp, Stiftungsratspräsident

«Ich bin überzeugt, dass wir eine faire Lösung haben.» Marco Rupp, Stiftungsratspräsident

(Bild: Susanne Keller)

Bei der Pensionskasse Bolligen-Ittigen-Ostermundigen (PVS BIO) sind 877 Leute von 20 verschiedenen Arbeitgebern versichert. Nun muss die Kasse saniert werden. Und die 20 Arbeitgeber stehen vor der Entscheidung: Sollen sie aus der PVS BIO austreten? Oder sollen sie bleiben und damit unter Umständen mehr Geld an die Sanierung zahlen müssen?

Für Fachleute wie Colette Nova, Ostermundiger SP-Parlamentarierin und Vizedirektorin des Bundesamtes für Sozialversicherungen, ist klar: «Je mehr Arbeitgeber austreten, desto teurer werden für die Verbleibenden die Verwaltungskosten. Desto weniger Sinn macht es, dass die PVS BIO eigenständig bleibt.»

400'000 Franken sparen

Nun könnte genau dieses Szenario eintreffen. Der Kasse gehen Ende Jahr voraussichtlich 189 Versicherte verloren. Denn 7 der 20 angeschlossenen Arbeitgeber haben bereits bei der PVS BIO gekündigt oder stehen kurz davor (siehe Infobox).

Zum Beispiel die Gemeinde Jegenstorf: Wenn sie sich einer anderen Kasse anschliesst, zahlt sie nach ihren Berechnungen 1,9 Millionen Franken. Beteiligt sie sich dagegen bei der Sanierung der PVS BIO, zahlt sie 2,3 Millionen Franken. Also 400'000 Franken mehr.

Aus Kostengründen hat sich der Gemeinderat deshalb für den Anschluss an eine andere, deutlich grössere Kasse ausgesprochen. Das Kündigungsschreiben für die PVS BIO sei bereits aufgesetzt, sagt der Jegenstorfer Gemeinderatspräsident Daniel Wyrsch (SP).

Die Gemeindeversammlung nächste Woche muss noch entscheiden, ob das Schreiben wirklich abgeschickt wird. Es ist aber stark davon auszugehen, denn 400000 Franken Ersparnis sind ein gutes Argument.

«Unüblich»

Die PVS BIO soll mit verschiedenen Massnahmen saniert werden. Der Grundstock ist die sogenannte Einmaleinlage der Arbeitgeber: Je mehr aktive Versicherte ein Arbeitgeber hat, desto mehr muss er zahlen.

So hat es der Stiftungsrat der PVS BIO entschieden. «Das ist unüblich», sagt Colette Nova, «damit werden viele Arbeitgeber wie Jegenstorf geradezu vertrieben.» Normalerweise werde die Zahl der Rentner als Basis genommen.

In diesem Fall müsste die Gemeinde Jegenstorf weniger zahlen, weil sie deutlich weniger Rentner (9) als aktive Versicherte (39) hat. Dafür hätte es die Stiftergemeinden Bolligen, Ittigen und Ostermundigen stärker getroffen: Sie haben überdurchschnittlich viele Rentner.

Bolligen, Ittigen und Ostermundigen haben im Stiftungsrat der PVS BIO fünf von sechs Sitzen inne. Wollten sie sich einen Vorteil verschaffen? Stiftungsratspräsident Marco Rupp, hauptamtlich Gemeindepräsident von Ittigen, verneint.

«Wir haben eine faire Lösung», ist er überzeugt. Und erklärt: Die Rentner können nicht für die Sanierung belangt werden. Sie haben die versprochenen Leistungen so oder so zugut. Deshalb sei es richtig, die Zahl der aktiven Versicherten als Grundlage zu nehmen.

Entscheid fällt 2016

Dass nun 7 der 20 Arbeitgeber beabsichtigten auszutreten, bedeute nicht automatisch das Ende der PVS BIO, erklärt Marco Rupp. «Die Grösse ist nicht das Wichtigste.» Eine Studie der Credit Suisse zeige, dass viele Pensionskassen kleiner als die PVS BIO seien.

Wichtiger sei der Jahresabschluss 2015. In der ersten Hälfte des Jahres 2016 kommt die Sanierung dann in den Stiftergemeinden Bolligen, Ittigen und Ostermundigen vors Volk. Je nachdem, wie es entscheidet, bleibt die PVS BIO eigenständig oder schliesst sich einer anderen Pensionskasse an. Offerten mehrerer grosser Kassen liegen bereits vor.

Berner Zeitung

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