Rote Tücher an Berner Schulen sorgen für Ärger

Lehrer machen mit roten Tüchern an Schulhäusern auf die bevorstehende Sparrunde aufmerksam. Der Schulleiterverband verurteilt die Aktion, die vom Lehrerverband organisiert worden ist.

Die Schule Köniz-Buchsee ist eine der Schulen, deren Lehrer mit roten Tüchern gegen die Sparmassnahmen protestieren.<p class='credit'>(Bild: Nicole Philipp)</p>

Die Schule Köniz-Buchsee ist eine der Schulen, deren Lehrer mit roten Tüchern gegen die Sparmassnahmen protestieren.

(Bild: Nicole Philipp)

Seit Montag hängen an rund 150 Schulhäusern im Kanton Bern rote Tücher. Mit dieser Aktion wollen die Schulen auf die Sparmassnahmen bei der Bildung aufmerksam machen, über die der Grosse Rat nächste Woche befindet.

«Die roten Tücher zeigen den Protest gegen das drohende Sparpaket und den Abbau in der Bildung. Die rote Linie ist erreicht», schrieb der organisierende Verband Bildung Bern diese Woche in einer Mitteilung.

Nicht überall kommt die Aktion gut an. Selbst aus den eigenen Reihen wird Kritik laut. So verurteilt der Verband Schulleiterinnen und Schulleiter Bern in einem Newsletter den Protest. Im Schreiben von letzter Woche steht, dass Schulleitungen dafür sorgen müssten, «dass Lehrpersonen ihren Arbeitsplatz nicht für Propagandazwecke nutzen».

Entsprechend könne der Verband die Aktion von Bildung Bern nicht tolerieren. Diese würde nur den «ewigen Kritikern» von Lehrerschaft und Schulen in die Hand spielen, heisst es weiter.

Auch das Schulhaus Balainen in Nidau beteiligt sich am Protest. Bild: zvg

Es geht nicht um die Sache

Den Newsletter hat der Schulleiterverband gestern selber öffentlich gemacht. Dies erstaunt umso mehr, als dass auch der Verband der Meinung ist, die bevorstehende Sparrunde könnte der Bildung schaden. Somit wäre er in der ­Sache auf einer Linie mit Bildung Bern. Eine öffentliche Auseinandersetzung zwischen den beiden Verbänden könnte eher kontraproduktiv sein.

Das schliesst auch Susanne Muralt nicht aus. Beim Gespräch mit der Co-Präsidentin des Schulleiterverbandes wird denn auch klar, dass es weniger um die Tuchaktion selber als vielmehr um Verbandsquerelen zu gehen scheint.

Jahrelang war ihr Verband die erste Adresse für Schulleitungen im Kanton Bern. Seit einiger Zeit ist aber auch Bildung Bern aktiver um solche Mitglieder bemüht. Dies blieb nicht ohne Konsequenzen: Vereinzelt haben Schulleiter zum Lehrerverband gewechselt.

«Wir sind aber ganz klar der Meinung, dass Bildung Bern die Anliegen der Lehrer vertritt und nicht jene der Schulleiter», sagt Muralt. Das sehe man am aktuellen Beispiel sehr gut. Bildung Bern habe nur die Lehrer angeschrieben und ihnen empfohlen, eine Teilnahme am Protest zu ­besprechen.

«Die Schulleitungen wurden mit keinem Wort erwähnt, obschon sie letztlich eine solche Aktion gutheissen müssen», so Muralt. Deshalb benötige es auch künftig den eigenen Verband. Und darauf habe man aufmerksam machen wollen.

Keine Kinder betroffen

Für Anna-Katharina Zenger ist das nur schwer nachvollziehbar. Das Schreiben von Bildung Bern habe sich an die Mitglieder gerichtet, verbunden mit der Bitte, die Aktion im Kollegium zu diskutieren. «Dass dabei auch die Schulleitungen gemeint waren, schien uns klar», sagt die Leiterin Gewerkschaft. Dass sich nun der Schulleiterverband aufgrund der Art und Weise der Kommunikation öffentlich gegen den Protest ausspreche, sei bedauerlich.

«Schliesslich sollte es beiden Verbänden um die Qualität der Bildung gehen, die bedroht ist.» Zum Vorwurf, dass Lehrer ihren Arbeitsplatz für Propagandazwecke nutzten, sagt Zenger: «Wie sollen Lehrpersonen denn sonst auf ihre Anliegen aufmerksam machen? Streiken dürften sie ja auch nicht.» Zudem würden ­weder Kinder instrumentalisiert noch der Unterricht gestört.

Und was hält Erziehungsdirektor Bernhard Pulver (Grüne) von der Sache? Im «Bund» von gestern sagt er, dass politische Proteste an Schulen eine Gratwanderung seien. «Ich empfehle es generell nicht, die Schulhäuser für so etwas zu verwenden», wird er zitiert. Im Interesse der Meinungsfreiheit sei eine verfrühte Intervention aber abzulehnen.

Berner Zeitung

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