Bern

Rondel-Pleitier wird zur Kasse gebeten

BernVor einem Jahr ging der Berner Club Rondel in Konkurs. Die Clubbetreiber haben über Jahre die Sozialversicherungsbeiträge ihrer Angestellten nicht bezahlt. Das wird einem von ihnen nun zum Verhängnis.

Der Club wurde einst unter dem Namen Liquid geführt, dann wurde er zum Rondel und schliesslich zum Karma Club.

Der Club wurde einst unter dem Namen Liquid geführt, dann wurde er zum Rondel und schliesslich zum Karma Club. Bild: Christian Pfander

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Genau ein Jahr ist es her, seit die Le Club Gastro GmbH beim Konkursamt ihre Bilanz deponieren musste. Die Betreiberfirma des Clubs Rondel an der Genfergasse 10 konnte zu diesem Zeitpunkt schon seit Monaten ihre Rechnungen nicht mehr begleichen. Im Oktober 2017 wurde das Konkursverfahren mangels Aktiven bereits wieder eingestellt. Zahlreiche Gläubiger blieben auf ihren Forderungen sitzen.

Der spezielle Passus

Offene Rechnungen hat auch die Ausgleichskasse Gastro Social aus Aarau. 78 402.70 Franken ­Sozialversicherungsbeiträge aus den Jahren 2015 bis 2017 haben die Clubbetreiber nicht bezahlt. Im Gegensatz zu anderen Gläubigern muss sich die Gastro Social aber nicht mit einem Verlustschein begnügen.

Ein spezieller Passus im Bundesgesetz über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (Art. 52 AHVG) erlaubt es Ausgleichskassen im Falle des Konkurses einer AG oder GmbH, auch deren Verwaltungsräte oder Gesellschafter für den erlittenen Schaden haftbar zu machen. ­Allerdings nur, wenn diese Vorschriften «absichtlich oder grobfahrlässig» missachtet haben.

Die Gastro Social war der Ansicht, dass dies beim Club Rondel der Fall war. Also forderten sie von einem der beiden ehemaligen Gesellschafter Schadenersatz in Höhe des ausstehenden Betrages. Dass sie nur gegen einen statt beide Gesellschafter vorgingen, liegt in ihrem eigenen Ermessen – gesetzlich wäre beides möglich gewesen.

«Beschwerde unbegründet»

Der betroffene Gesellschafter war sich des speziellen Passus im AHVG anscheinend nicht bewusst. Er erhob gegen die 78 402.70 Franken teure Forderung der Ausgleichskasse Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Bern. Seine Rechtfertigung: Er habe das Unternehmen stets nach dem Grundsatz von Treu und Glauben geführt, sich bestmöglich um das Wohl der Angestellten gekümmert und sich niemals persönlich am Unternehmen bereichert.

Das Gesetz erlaubt es Ausgleichskassen im Falle eines Konkurses, auch Verwaltungsräte oder Gesellschafter für den Schaden haftbar zu machen.

Das Verwaltungsgericht hat sich mit dieser Beschwerde nun bereits befasst – und zwar zuungunsten des Gesellschafters. Dieser hätte nur so viel Lohn auszahlen dürfen, dass auch die daraus entstehenden Beitragsforderungen gedeckt sind, heisst es im Urteil. Gegenteiliges Verhalten sei ein «qualifiziertes Verschulden». Sprich, die Ausgleichskasse macht den Gesellschafter zu Recht für den entstandenen Schaden haftbar. «Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist abzuweisen», schreibt das Verwaltungsgericht in seinem Urteil.

Neustart im Escort-Business

Gegen diesen Entscheid kann der Gesellschafter bis Ende Monat noch Einsprache erheben. Sonst ist er gezwungen, den Betrag an die Ausgleichskasse zurückzuzahlen.

Immerhin: Wie er dies tun wird, scheint bereits klar. Im Juni 2017 – also genau im Monat des Rondel-Konkurses – registrierte er für sich eine neue Website. Dabei handelt es sich um den Internetauftritt einer Escortvermittlung. Heute, ein Jahr später, preist sie sich bereits als «Zürichs führende Agentur für High Class Escorts» an. Es ist zu hoffen, dass es bei diesem unternehmerischen Unterfangen auch reicht, um die Sozialversicherungs­beiträge der Angestellten zu begleichen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 20.06.2018, 21:28 Uhr

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