Ronaldo & Co. blieben am Flughafen im Verborgenen

Enttäuschte Gesichter am Dienstagabend am Flughafen Bern-Belp: Zu sehen bekamen die rund 600 Berner Juventus-Fans von Ronaldo & Co. nämlich kaum etwas.

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Michael Bucher@MichuBucher

Kurz vor 17 Uhr steigt die Spannung in Belp. Jeden Moment wird der Germania-Flieger aus Turin am Flughafen Bern-Belp erwartet. Mit an Bord: das Star-Ensemble von Juventus Turin – dem Champions-League-Gegner der Young Boys. Geschätzte 600 Juve-Fans sind nach Belp gepilgert, um einen Blick auf das Team zu erhaschen. Vorwiegend sind es junge Italo-Berner, aber ebenso viele Mütter und Väter, die ihre Sprösslinge begleiten.

Obwohl das Kader des italienischen Serienmeisters 24 Mannen umfasst, ist schnell klar, wer hier interessiert: Cristiano Ronaldo – ball- und selbstverliebter Jahrhundertsportler mit einer gigantischen Fangemeinde. Ja, «CR7» ist ein Superstar. Das wird auch auf dem Berner Provinzflughafen eindrücklich greifbar. Sein Name ist hier omnipräsent.

Fragt man zappelige Schulkinder, die förmlich am Gitter am Rande des Rollfeldes kleben, wen sie denn am besten finden, erntet man nur verständnislose Blicke. Ja wen denn wohl? Der zehnjährige Nico Kammer aus Blumenstein und der ebenso alte Joel Wyss aus Wattenwil nennen immerhin noch Paulo Dybala als Zweitidol.

Der neunjährige Tim Bachmann aus Münchenwiler ist mit seinem Vater am Flughafen. «Ronaldo einmal in echt zu sehen, das ist eine einmalige Sache», sagt er mit glänzenden Augen.

Um punkt 17 Uhr ertönt plötzlich Fluglärm. Die Maschine landet. Dutzendfach schiessen Smartphones in die Höhe, um den Moment auf Video festzuhalten. Die Annahme, dass die Juve-Kicker sogleich auf dem Rollfeld vom Flugzeug in den Mannschaftsbus umsteigen, wird zum Fakt.

Aufgedrehte Fans sprinten nun von Zaun zu Zaun, um einen möglichen Blick auf ihre Idole werfen zu können. Doch das Umsteigen geht ruckzuck vonstatten – ohne dass es jemand wirklich gesehen hätte.

Die Fans sprinten dem Bus hinterher, als müssten sie einen 100-Meter-Lauf gewinnen. Video: Michael Bucher

Die Fans spekulieren derweil darauf, dass wenigstens der Teambus noch an ihnen vorbeifährt. Doch der nimmt eine Abkürzung und biegt weiter vorne auf die Zufahrtsstrasse ein. Als die ersten dies bemerken, sprinten sie dem Bus hinterher, als müssten sie einen 100-Meter-Lauf gewinnen.

Vergeblich. Um 17.15 Uhr ist der Spuk auch schon vorbei. Schnurstracks gehts für die Spieler ins Stade de Suisse, um den Kunstrasen zu besichtigen. Nächtigen werden die Juve-Stars anschliessend im Hotel Bellevue in Bern.

Zurück bleiben in Belp massenhaft enttäuschte Juve-Fans. Hier und da ist Gefluche zu vernehmen. Ein Vater sagt zu Frau und Kind: «Komm, wir fahren zum Wankdorf, vielleicht sehen wir dort noch etwas.» Die Jagd geht weiter.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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