Rochade in den Spitzenhotels Schweizerhof und Kursaal

Bern

Michael Thomann übergibt Ende Monat die Führung des Berner Fünfsternehotels Schweizerhof an Iris Flückiger. Frauenpower auch beim Kursaal, wo Elisabeth Dalucas Nachfolgerin von Patrik Scherrer wird.

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Markus Ehinger@ehiBE

Am 24. Juni 2011 erwachte das Hotel Schweizerhof Bern aus einem sechsjährigen Dornröschenschlaf. Das Hotel war zuvor geschlossen und wurde für 45 Millionen Franken renoviert und saniert. An jenem Juniabend schritten 700 geladene Schöne und Reiche an der Wiedereröffnungsfeier des Luxushotels über den roten Teppich. Am glamourösen Event an vorderster Front waren das Topmodel Julia Saner, das legendäre Bondgirl Ursula Andress – und der Generaldirektor Michael Thomann. Die Medien berichteten gross über den Event. Das Schweizer Fernsehen sprach von einer Legende, die zurückkehrt. Die «SonntagsZeitung applaudierte «fürs Facelifting einer alten Schönheit», der «Blick» machte ein Wortspiel («In Bern halten die Schweizer wieder Hof») und die Berner Zeitung brachte es mit dem Titel «Mit Glamour wiedereröffnet» auf den Punkt.

Heute bezeichnet Hoteldirektor Michael Thomann die Eröffnungsgala als eines der Highlights der vergangenen dreieinhalb Jahre. Ende Monat übergibt er die Führung an Iris Flückiger (siehe Kasten rechts). Bereits heute Abend findet die symbolische Schlüsselübergabe statt. «Als ich auf der Bühne als Direktor den Schweizerhof als eröffnet erklären durfte, war das einer der bewegendsten Momente meines Lebens», erinnert sich Thomann.

Hotelier des Jahres 2012

Sowohl eine Enttäuschung als auch ein Highlight erlebte Thomann am Pre-Opening-Anlass für die Öffentlichkeit Mitte April. «Wir arbeiteten Tage und Wochen unter Hochdruck für die Eröffnung», erinnert er sich. «Am Morgen um 8 Uhr öffneten wir die Türe. Und was passierte? Nichts.» Im Verlauf des Tages strömten dann aber doch Hunderte Berner ins neu erstrahlte Hotel und liessen sich durch die Räumlichkeiten führen. Am selben Abend fand mit dem traditionellen Ball der Studentenverbindung Zofingia bereits der erste grosse Anlass statt.

Für Thomann folgten weitere Höhepunkte und Auszeichnungen. 2012 kürte ihn das Wirtschaftsmagazin «Bilanz» zum Hotelier des Jahres. Die Eigentümer des Hotels organisierten zur Feier ein Diner, an dem er seiner Frau danken konnte, «denn sie akzeptiert meine Leidenschaft für die Hotellerie. Ich hatte in den letzten dreieinhalb Jahren praktisch keine Freizeit und kein Privatleben.»

Die Mühlen mahlen langsam

Thomann erlebte aber nicht nur eitel Sonnenschein. Vor allem die Renovationsphase sei nicht immer einfach gewesen. «Zwar bekamen wir von Stadtpräsident Alexander Tschäppät Unterstützung, in der Umsetzung gabs dann aber von der Stadt immer wieder Widerstand», sagt Thomann, der vor seinem Engagement in Bern das Waldhotel Davos führte. «Davos ist eine Destination, die hundertprozentig touristisch orientiert ist. Dort gehen Bauprojekte extrem schnell und unbürokratisch durch die Instanzen», sagt der abtretende Hoteldirektor. Hier in Bern mahlen die Mühlen langsamer. «Für ein dynamisches Unternehmen ist das eine besondere Herausforderung.» Er habe manchmal geglaubt, dass gewisse Leute und Institutionen es lieber gesehen hätten, wenn der Schweizerhof nie wieder eröffnet worden wäre, weil sie alles so belassen wollten, wie es vor hundert Jahren war.

Auch mit dem Denkmalschutz hat Thomann den einen oder anderen Strauss ausgefochten. Der Schweizerhof wollte zum Beispiel für die Sky Terrace einen Lift bauen, sodass auch gehbehinderte Menschen die Dachterrasse mit Blick über die ganze Stadt bis zu den Alpen besuchen können. «Das war nicht möglich», bedauert Thomann. «Ich finde es gegenüber Menschen mit einer Gehbehinderung sehr diskriminierend, dass sie diese Terrasse nicht erreichen können, nur weil der Denkmalschutz dagegen ist, dass das Lifthäuschen 1,5 Meter zu hoch geworden wäre.» Trotzdem betont er, dass der Denkmalschutz wichtig sei: «Die Stadt Bern als Weltkulturerbe wäre ohne ihn nicht das, was sie heute ist.»

Der Gast ist König

Was zeichnet ein Fünfsternhotel aus? «Wenn man die Hotellerie mit dem Fussball vergleicht, ist ein Fünfsternhotel die Champions League», sagt Thomann. Wenn man in dieser Liga mitspielen wolle, müsse man in allen Bereichen sehr gut sein. «Wir können uns über den Service abheben. Fakt ist: Der Gast bezahlt in einem Fünfsternhaus mehr. Dafür soll er nicht nur ein schönes Zimmer, sondern auch einen persönlichen Service erhalten.» Ein Beispiel: Ein Gast ist zum zweiten Mal im Schweizerhof. «Idealerweise weiss das Barpersonal, dass es bei seinem Gin Tonic immer Hendricks-Gin mit drei ganzen Pfefferkörnern sein soll. Mit solchen kleinen Wow-Effekten versuchen wir, die Gäste abzuholen.

Thomann bleibt Bern erhalten

Ab dem 1. April übernimmt Thomann die Leitung der Sorell Hotels Switzerland. In Bern gibt es mit den Hotels Ador und Arabelle zwei Sorell Hotels. Als Bern-Fan möchte er deshalb gerne im Vorstand von Bern Tourismus bleiben, wo er die Hotellerie vertritt. Er werde dank der beiden Hotels auch in Zukunft stark mit Bern verbunden bleiben. Ausserdem führen die Unternehmungen des Zürcher Frauenvereins (ZFV) in Bern rund 30 Betriebe. Thomann wird beim ZFV Geschäftsleitungsmitglied. Der Wunsch des Vorstands des Verbands Hotellerie Bern-Mittelland und des ZFV sei, dass Thomann Bern Tourismus als Vorstandsmitglied erhalten bleibt. «Wenn mich die Mitgliederversammlung wieder in den Vorstand wählt, würde ich gerne weitermachen.»

Fünfsternmarkt verdoppelt

Das Bellevue als zweites Fünfsternhotel in Bern und der Schweizerhof haben zusammen in den letzten Jahren den Fünfsternmarkt in Bern verdoppelt. «Genau das war das Ziel. Wir wollten nicht die Bellevuegäste zu uns holen, sondern Bern als Fünfsternluxusdestination vorwärtsbringen», sagt Thomann. Es brauche aber noch viel Arbeit. Im Ausland kenne man Luzern, Zürich, Genf, Interlaken oder Gstaad. Bern hingegen sei noch zu wenig bekannt. «Wir haben in den letzten zwei Jahren Bern stark im Ausland promotet. Das half uns, Bern vermehrt auf die Landkarte zu bringen.» Die Stadt biete viel: ein guter Hub für Reisen in andere Schweizer Städte, das Zentrum Paul Klee oder eine wunderschöne Altstadt, die Unesco-Weltkulturerbe ist.

Chance gepackt

Der Entscheid, das Hotel Schweizerhof zu verlassen, sei ihm nicht leichtgefallen, gibt Thomann zu. «Ich wäre noch nicht bereit, ein anderes Hotel zu führen. Dafür liebe ich den Schweizerhof zu fest. Die andere Option – die Leitung einer Hotelgruppe zu übernehmen – habe ich angenommen.» Eine solche Möglichkeit biete sich nicht so schnell wieder.

Seiner Nachfolgerin Iris Flückiger wünscht Thomann viel Kraft. «Ich wünsche ihr ausserdem viel Erfolg – den wird sie bestimmt haben – und das nötige Quäntchen Glück, das ich auch hatte. Ich wünsche ihr zudem, dass es wirtschaftlich so gut weiterläuft wie bisher.»

Berner Zeitung

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