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Robben, hüpfen, hangeln

Eine Kung-Fu-Trainingsgruppe aus Bern stellte sich dem Spartacus Run. Der Parcours verlangte ihnen einiges ab: 3,8 Kilometer rennen, zehn Hindernisse überwinden – und dabei dem Schlamm trotzen.

Action am Spartacus Run: Roland Gisler hangelt sich die Hell’s Bridge entlang.
Action am Spartacus Run: Roland Gisler hangelt sich die Hell’s Bridge entlang.
Susanne Keller

Aus Boxen dröhnt ein Hit, der sich nicht von anderen Hits abhebt. Acht Männer und Frauen sitzen an einem Holztisch und spielen Tschau Sepp. Angela ­Müller spielt gerade eine Sieben und Joél Vögeli neben ihr muss zwei Karten aufnehmen. Unter ihnen ist auch Roland Gisler, ­Filialleiter der Berner Kung-Fu-Schule Martin Sewer.

«Wir sind als Team hier, weil wir uns gemeinsam der Herausforderung stellen wollen», sagt der 38-Jährige. Die Herausforderung ist der Spartacus Run in Urtenen-Schönbühl. Ein Hindernislauf besonderer Art. «Es ist schon ein bisschen verrückt, mitzumachen», sagt der Lehrer und schmunzelt. Andere würden jetzt das Wetter geniessen, seien am See oder würden eine Glace esse.

Die perfekte Ausrede

Eine Viertelstunde bis zum Start. Auf Joél Vögelis Stirn bilden sich Schweissperlen. «Ich bin etwas nervös», gibt er zu. Angela Müller grinst und entgegnet: «Ich habe mich nicht wirklich damit beschäftigt, was alles passieren könnte.» Diese Woche habe sie sich den Fuss verstaucht. «Das wäre eigentlich die perfekte Ausrede gewesen, nicht mitzumachen», meint die 26-Jährige aus Bern. Doch sie könne das Team nicht im Stich lassen.

Die Trainingsgruppe stellt drei Teams auf. Jedes muss eine Runde von 3,8 Kilometern laufen und dabei zehn Hindernisse überwinden. Wenn die Läufer ein Hindernis nicht überwinden können, müssen die Frauen zehn und die Männer zwanzig Liegestütze machen.

«Die Tatsache, hier zu sein, verdanke ich dem Kung-Fu. Dadurch habe ich mir die mentale Stärke angeeignet.»

Roland GislerTeilnehmer Spartacus Run

«Ein Spinnerlauf ist eine grössere Challenge, als bloss zu joggen», sagt Angela Müller. Roland Gisler fügt hinzu, dass man bei einem gewöhnlichen Lauf nur mit sich allein kämpfe. Beim Hindernislauf hingegen stehe das gemeinsame Durchhalten im Fokus. «Diese mentale Stärke habe ich mir im Kung-Fu Training angeeignet.»

Aus dem Mikrofon ertönt der Aufruf zum Warm-up. «Die Tatsache, hier zu sein, verdanke ich dem Kung-Fu. Alles in meinem Leben ist damit verwoben», sagt Roland Gisler, bevor er das Team in einem Kreis versammelt. Bald gilt es ernst.

Im Schlamm

Das letzte Mal die Schultern ­kreisen und drei, zwei, eins: Los! Joél Vögeli robbt durch Schlamm. Das weisse T-Shirt verfärbt sich braun. Es folgt Sackhüpfen, und dann kämpft er sich durch einen mit PET-Flaschen gefüllten ­Container.

Als Nächstes kriecht er auf allen vieren, und einige ­Meter später hangelt er sich ein Gerüst entlang, das Hell’s-Bridge-Hindernis. Joél Vögeli ist am Schluss angelangt und steht von einem grossen Klettergerüst. Er entscheidet sich für Liege­stütze. Er hat Höhenangst. Im Ziel sagt der 24-Jährige mit einem roten Kopf: «Ich bin stolz, es geschafft zu haben. Es war ­härter als angenommen.»

Den Spartacus Run gibt es seit zwei Jahren und findet dieses Jahr an vier Standorten statt. Die Wettkämpfe in Lugano, St. Gallen, Bern und Sursee haben eines gemeinsam: die verrückten Hindernisse. Neben der Dreierteamstaffel können Läufer allein an den Start gehen. Kinder sowie ­Erwachsene sind willkommen.

Erschöpft und erleichtert

Die Minuten vergehen. Menschen mit erschöpften Ge­sichtern sprinten ins Ziel. Schnell greifen sie zur Wasser­flasche und erfrischen sich. Auch Roland Gisler und Angela Müller haben Schlamm, PET-Flaschen und Bretterwände gemeistert. «Mir geht es super», meint An­gela Müller.

Das Sackhüpfen und die Schlammschlacht hätten ihr besonders Spass gemacht. Doch jetzt freue sie sich auf die Dusche und das anschliessende Abendessen mit dem Team. Mit schmutzigen Händen sammelt sie die Jasskarten ein. Aus den Boxen dröhnt ein weiterer Hit, und die Gruppe macht sich auf zur Dusche.

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