Restaurant Kapitel sorgt für ein offenes Klima

Bern

In wenigen Wochen feiert das Restaurant Kapitel im Dreieck Bollwerk, Reitschule und Drogenanlaufstelle sein einjähriges Bestehen – eine Rekordzeit im Vergleich zu den meisten Vorgängern. Auf der Suche nach dem Erfolgsrezept.

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In guter Nachbarschaft: Die Betreiber des Kapitels kommunizieren klar.

(Bild: Susanne Keller)

Rundum bekommt das bald einjährige Restaurant Kapitel Komplimente. An der Lage im Dreieck von Bollwerk, Reitschule und Drogenanlaufstelle haben die bisherigen Gastrobetriebe kaum ein Jahr überlebt.

Das Erfolgsgeheimnis des Lokals sieht Wirt Tom Weingart im Mix des Angebots: Mittags kommen vorwiegend Geschäftsleute zum Essen, das Restaurant offeriert drei Tagesmenüs. Donnerstag-, freitag- und samstagabends verschiebt Weingart Tische, Stühle und ein Podest, um DJs und Musikern Platz zu machen. Bis 3 Uhr morgens.

Sowohl Tom Weingart selbst als auch die umliegenden Geschäfte sehen den Schlüssel zum Erfolg in der Gesprächsbereitschaft der Kapitel-Verantwortlichen mit den verschiedenen Beteiligten im Umfeld. Die bei den Vorgängern oft genannten Spannungen mit der Drogenanlaufstelle ist für den Wirt kein Thema, er winkt ab. Ein guter Draht zur Reitschule ergibt sich schon personell. Mitgründer Diego Dahinden hat auch schon als Kulturveranstalter im Dachstock der Reitschule mitgewirkt.

Für eine reine Essbeiz sei hier der falsche Platz, sagten die Gründer schon vor einem Jahr. Darum sollen im Kapitel Ess- und Partykultur sowie Tag und Nacht aufeinandertreffen, lautete und lautet ihre Überzeugung. Sie setzen auf eine qualitativ hochwertige, saisonale und lokale Küche sowie abends und am Wochenende auf einen kulturellen Bar-/Loungebetrieb. Auch eine Überzeitbewilligung haben sie erhalten. Schon bei der Eröffnung vor einem Jahr zeigte sich Mitgründer Diego Dahinden zuversichtlich: «Wir gehen davon aus, dass an diesem Ort viel möglich ist.» Das Konzept hat sich bisher bewährt.

Lebendige Nachbarschaft

Von kreativer Zusammenarbeit weiss Nachbar Miro Gadient vom City-Cycles-Veloservice zu berichten. Das neue Lokal habe viele positive Folgen mit sich gebracht. Die Ecke hier am Ende des Bollwerks sei lebhafter geworden. Ihr gemeinsamer Deal: Kommt ein Kunde, um ein Velo flicken zu lassen, belohnt ihn Gadient mit einem Gutschein für ein Getränk beim Kapitel.

Konkurrenz belebt, sagt sich David Rütsche, Co-Chef des Restaurants O’Bolles, nur wenige Häuser vom Kapitel entfernt. Über Mittag bieten beide Betriebe Menüs an, die Klientel des Kapitels richte sich aber eher an Geschäftsleute. Das Angebot nach 23 Uhr sieht Rütsche als willkommene Ergänzung.

An der Drogenanlaufstelle ist man ebenfalls des Lobes voll. Ines Bürgi, Leiterin der Regionalstelle Bern, attestiert den Wirten des Kapitels eine klare Kommunikation. Zu Spannungen sei es in diesem Jahr nie gekommen. «Ich hoffe, es bleibt so.»

Berner Zeitung

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