Reorganisation mit dem Holzhammer

Schlechte Stimmung auf dem Thorberg: Viele Mitarbeiter sind mit der Art und Weise, wie Direktor Thomas Egger den Betrieb reorganisiert, nicht einverstanden. Kündigungen und Freistellungen sind die Folge.

Trügerische Ruhe: Die Reorganisation in der Strafanstalt Thorberg stösst viele Mitarbeiter vor den Kopf.

Trügerische Ruhe: Die Reorganisation in der Strafanstalt Thorberg stösst viele Mitarbeiter vor den Kopf.

(Bild: Stefan Anderegg)

Der Berner Strafvollzug ist derzeit eine Baustelle: Das Amt für Freiheitsentzug und Betreuungwird neu organisiert.

Und auch in der Strafanstalt Thorberg bleibt derzeit kein Stein auf dem andern. Hintergrund für die umfassende Reorganisation sind die gravierenden Mängel, die 2014 eine externe Untersuchung im Zuge der Affäre um den ehemaligen Thorberg-Direktor Georges Caccivio zutage gefördert hatte.

Begleitet wird die Reorganisation gleich von zwei Seiten: zum einen von der externen HSS Unternehmens- und Informatikberatung aus Sursee, zum andern von einem Steuerungsausschuss, in dem unter anderen auch Marcel Ruf, Direktor der Justizvollzugsanstalt Lenzburg, Einsitz hat.

Darüber, was auf dem Thorberg konkret anders werden soll, schweigt sich Direktor Thomas Egger aus. Nur so viel: «Wir setzen die Reorganisation ab 1. Juli um – auf diesen Zeitpunkt werden wir detailliert informieren.»

«Einschneidende Änderung»

Hinter den Kulissen brodelt es. Entzündet hat sich der Konflikt am neuen Schichtmodell, das Thorberg-Direktor Egger per Anfang Juli einführen will. Dieses sieht eine bessere Durch­mischung der verschiedenen Schichten vor.

Bislang waren die Mitarbeiter in der Regel den immer gleichen Schichten zugeteilt. So leisteten beispielsweise jeweils dieselben Mitarbeiter Nachtdienst. «Neu sollen aber ­alle in allen Diensten eingesetzt werden», sagt Daniel Wyrsch, ­Geschäftsführer des Bernischen Staatspersonalverbands (BSPV) und SP-Grossrat (Jegenstorf).

Zudem sollten die 12-Stunden-Schichten an den Wochenenden abgeschafft werden. «Dies hat zur Folge, dass diverse Sicherheitsdienstmitarbeiter nicht wie bislang jedes fünfte, sondern neu ­jedes zweite Wochenende Dienst leisten müssen.»

Zwar sei die Absicht, so eine bessere Durchmischung im Sicherheitsdienst zu erreichen, nachvollziehbar. «Ich bedaure aber ausserordentlich, dass die Thorberg-Leitung das neue Schichtmodell bereits per 1. Juli einführt.» Denn diese Umstellung sei für die Mitarbeitenden einschneidend, weil nun viele ihre privaten Verpflichtungen umkrempeln müssten.

«Gerade Familienväter mit berufstätigen Ehefrauen sind auf die Planbarkeit ihrer Einsätze angewiesen», so Wyrsch. «Ich verstehe nicht, weshalb das neue Modell nicht so eingeführt werden kann, dass sich die Mitarbeiter auf diese einschneidende Veränderung vorbereiten können.»

Petition an Käser

Deshalb wandten sich die Mitarbeiter Mitte April in einer Petition an Polizeidirektor Hans-Jürg Käser (FDP). Darin erklärten sie, sich der Neuerung nicht grundsätzlich zu verschliessen. Da sie bislang jedoch kaum in die Planung einbezogen worden seien, forderten sie Mitsprache bei der Ausgestaltung des Schichtmodells. Dieses sei zudem erst per 1. Januar 2017 einzuführen.

Laut Wyrsch antwortete Käser schriftlich. «Der Polizeidirektor zeigte zwar Verständnis für das Anliegen, überliess den Entscheid jedoch der Thorberg-Leitung.» Dem guten Arbeitsklima sei die schnelle Einführung des neuen Schichtmodells allerdings nicht zuträglich.

«Angesichts der Probleme, die seit der Affäre Caccivio auf dem Thorberg herrschen, ist unverständlich, weshalb die Verantwortlichen die ­Reorganisation nicht mit mehr Fingerspitzengefühl umsetzen», sagt der Geschäftsführer des Personalverbands.

«Wer kann, der geht»

Tatsächlich haben bereits mehrere zum Teil langjährige Mitarbeiter gekündigt. Andere würden darüber nachdenken, sagt einer, der noch auf dem Thorberg arbeitet und daher anonym bleiben will. «Wer eine Chance auf dem Arbeitsmarkt sieht, der kündigt.» Vor allem für ältere Kollegen sei dies jedoch schwierig. Wer offen Kritik an der Reorganisation übe und sich wehre, der müsse gehen, sagt ein anderer Mitarbeiter.

Der stellvertretende Chef des Sicherheitsdienstes ist bereits seit gut zehn Monaten freigestellt. Und ein weiterer Sicherheitsdienstmitarbeiter hat inzwischen die Kündigung er­halten, was BSPV-Geschäftsführer Wyrsch bestätigt. «Wir klären derzeit ab, ob diese Kündigung rechtens ist.»

Thorberg-Direktor Thomas Egger, seit November 2014 im Amt, will sich nicht im Detail zur Unruhe unter seinen Mitarbeitern äussern. Er verweist lediglich darauf, dass es in solchen Prozessen immer einen gewissen Anteil von Mitarbeitenden gibt, die Mühe mit der Umstellung hätten. «Die grosse Mehrheit aber nimmt die Reorganisation als Herausforderung an.»

Ironischerweise gehört der Thorberg-Direktor zu jenen, die mit Veränderungen Mühe bekunden: Gemeinsam mit anderen Anstaltsdirektoren wehrte er sich gegen die Reorganisation im Amt für Freiheitsentzug und Betreuung. Denn diese, so die Befürchtung, führe zu einem Kompetenzverlust. Den verlangten Marschhalt erreichten die Direktoren nicht – auch hier hat Polizeidirektor Käser das letzte Wort.

«Keine Sonderregelung»

«Die Reorganisation soll nicht in Teilen, sondern per 1. Juli als Ganzes eingeführt werden», erklärt Käser, weshalb er den Thorberg-Mitarbeitern bei der Einführung des neuen Schichtmodells nicht wie von diesen gefordert Aufschub bis Anfang 2017 gewährt hat.

Wie Egger, so verweist auch der Polizeidirektor darauf, dass Veränderungen nie zur Zufriedenheit aller geschehen könnten. Zudem werde in allen anderen Anstalten des Kantons nach dem neuen Schichtmodell gearbeitet. «Es gibt keinen Grund, weshalb auf dem Thorberg eine andere Regelung gelten soll.»

Berner Zeitung

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