Renitente Flugpassagierin verurteilt

Bern-Belp

Eine Frau wollte am Flughafen im Belpmoos mit einem Hund in der Sporttasche eigenmächtig zum Flugzeug gelangen.

Eine Frau wollte mit ihrem Hund in ein Flugzeug steigen, ohne diesen vorgängig angemeldet zu haben (Symbolbild/iStock)

Eine Frau wollte mit ihrem Hund in ein Flugzeug steigen, ohne diesen vorgängig angemeldet zu haben (Symbolbild/iStock)

Hans Ulrich Schaad

An einem Januarnachmittag vor einem Jahr ging es am Flughafen Bern-Belp kurz drunter und drüber. Eine Frau wollte mit einem Skywork-Flug nach Berlin reisen, ihren Hund – einen Jack Russell Terrier – in einer Sporttasche verstaut. Als ihr vom Flughafenpersonal beschieden wurde, dass sie das Flugzeug so nicht besteigen dürfe, verlor sie die Nerven. Sie öffnete eine Tür zum Flugfeld und versuchte zur Maschine zu gelangen. Nur mit einiger Mühe konnte ein Polizist die heute 44-Jährige ins Flughafengebäude zurückbefördern.

Die Staatsanwaltschaft verurteilte die Frau wegen Hinderung einer Amtshandlung sowie Widerhandlungen gegen das Luftfahrt- und das Tierschutzgesetz zu einer bedingten Geldstrafe von 450 Franken und einer Busse von 500 Franken. Das Regionalgericht sprach die Passagierin später vom Vorwurf der Hinderung einer Amtshandlung frei. Es sei ein Grenzfall und die Schwelle gerade noch nicht überschritten, urteilte die Richterin. Die anderen Schuldsprüche wurden bestätigt. Die Frau erhielt eine Busse von 400 Franken. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Passagierin zogen das Urteil ans bernische Obergericht weiter.

Der Videobeweis

Das Obergericht hat das Videomaterial vom Flughafen «eingehend gesichtet» und listet die Geschehnisse auf dem Rollfeld fast in Sekundensequenzen auf. Darauf sei zu beobachten, wie die Frau offensichtliche und mehrfache Aufforderungen des Polizisten nicht befolgte. Dreimal habe sie sich durch Stehenbleiben, Wegdrehen oder Umdrehen widersetzt. Ihr Verhalten gehe klar über den blossen Ungehorsam hinaus. Die Grenze sei damit überschritten. Das Ober­gericht verurteilte sie deshalb wegen der Hinderung einer Amtshandlung, wie von der Staatsanwaltschaft gefordert.

Mit einem Freispruch zugunsten der Frau fiel das obergerichtliche Urteil beim Luftfahrtgesetz aus. Sie habe die Kontrolle bereits ordnungsgemäss durchlaufen und habe sich im Sicherheitsbereich befunden. Sie sei nicht heimlich aufs Rollfeld gelangt und habe keine Gewalt angewendet. «Es handelt sich um eine regelwidrige Handlung, die jedoch geringfügig ist», fasst das Obergericht zusammen. Damit sei der Tatbestand nicht erfüllt.

Hund in Tasche geschlossen

Mehr oder weniger einig waren sich alle Instanzen bei der Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz. So ist auf dem Video zu sehen, wie die Frau den Kopf des Hundes herunterdrücken muss, um die Tasche zu schliessen. Diese sei somit kein zulässiger Transportbehälter, um einen Hund zu befördern.

Die Frau erhält vom Obergericht eine Busse von 200 Franken und eine bedingte Geldstrafe von 300 Franken aufgebrummt. Dazu muss sie Verfahrenskosten von knapp 3000 Franken be­zahlen.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt