Rekord – Berner schwimmt die Eismeile

Bern

Als erster Schweizer in der Schweiz hat Adrian Wittwer rund 1,6 Kilometer in eiskaltem Wasser zurückgelegt. Ein Augenschein im Lorrainebad.

Adrian Wittwer legt die 1,6 Kilometer in 41:46 Minuten zurück.
(Video: Martin Bürki)
Martin Bürki@tinubuerki27

Vier Grad Celsius zeigt das Thermometer beim Lorrainebad an diesem Samstagnachmittag an. Noch etwas tiefer als die Luft- ist die Wassertemperatur: 3,2 Grad. «Ideale Bedingungen», schmunzelt Adrian Alejandro Wittwer. Für ihn mag das stimmen: Der 32-jährige Bolliger ist leidenschaftlicher Eisschwimmer. «Wenn ich Zeit habe, schwimme ich täglich 20 Minuten im eiskalten Wasser.»

Alltäglich ist der Anlass dieses Mal aber keineswegs, denn Wittwer wagt sich an die Ice-Mile-Challenge: Im Lorrainebad will er 1,6 Kilometer zurücklegen, und zwar nur mit Badehose, Schwimmbrille und einer Schwimmboje, so lauten die Regeln. In der Schweiz hat das vor ihm nur ein Mann geschafft: Der Südafrikaner Ram Barkai im Januar 2009 im Zürichsee.

Bevor Wittwer ins kalte Wasser eintaucht, werden Blutdruck, Puls und Körpertemperatur gemessen, dann erteilt die anwesende Sportärztin die Starterlaubnis. Gemäss des Internationalen Eisschwimmverbandes IISA liegen die Bestzeiten bei unter 21 Minuten, Wittwer möchte es in 35 schaffen. Dieses Ziel rückt mit jeder Länge, die er zurücklegt, weiter weg: Seine Kräfte schwinden sichtlich.

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«Welches Datum haben wir heute?», ruft ihm die Ärztin in der zweitletzten Runde zu. «Den 2. Februar», antwortet Wittwer korrekt. Der Aufenthalt im eiskalten Wasser beeinträchtigt auch das Bewusstsein, und falls der Schwimmer die Antwort nicht gewusst hätte, wäre dies wohl einem Wettkampfabbruch gleichgekommen. Doch Wittwer beisst sich durch. Seine Zeit: 41 Minuten und 46 Sekunden.

Nachdem Adrian Wittwer aus dem Wasser gestiegen ist, wird er sofort mit Decken eingepackt, dann gehts unter die warme Dusche. «Ich dachte, ich wäre schneller», sagt der Bolliger danach, noch immer schlotternd. «Aber Hauptsache, ich habs geschafft!» Immerhin war er über eine Minute schneller als der Südafrikaner Barkai – der benötigte damals 43 Minuten.

Viel länger hätte Wittwer aber nicht im Wasser bleiben können: Seine Körpertemperatur war nach dem Schwimmen auf bedrohliche 32 Grad gesunken. Zwei oder drei, vielleicht auch fünf Minuten seien auch für Anfänger machbar, findet Wittwer. Für alles, was darüber liegt, braucht es regelmässiges Training. So gern er das Eisschwimmen in der Schweiz populärer machen würde, einfach nachmachen wird ihm das wohl keiner.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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