Reitschule kritisiert die Grosse Halle

Bern

Linke und Grüne Politiker in der Stadt Bern schweigen die Probleme in der Reitschule tot. Das findet Fritz Brönnimann vom Trägerverein der Grossen Halle. Im Gegenzug kritisiert die Reitschule die Grosse Halle.

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Ralph Heiniger

Die Grosse Halle wird ihr Konzept weiterhin umsetzen und ihr Programm wie geplant durchführen. Dies ist die wichtigste Erkenntnis aus der Sitzung des Vorstands des Trägervereins der Grossen Halle am Dienstagabend. Man will sich von den negativen Ereignissen am Samstag nicht einschüchtern lassen und weiterhin ein breites kulturelles Angebot – vom Flohmarkt über Konzerte, Theater, Film bis zur Blinden Insel – bieten. «Es gibt ein Bedürfnis für diese Angebote», sagt Fritz Brönnimann vom Trägerverein der Grossen Halle.

Am Wochenende haben wieder einmal die Chaoten das Zepter in der Reitschule übernommen. Die Party «We Love Techno» in der Grossen Halle wurde von rund 50 Vermummten überfallen. Sie öffneten den Notausgang, stürmten eine Bar und stahlen die Kasse. Den Notausgang hielten die Vermummten bis zum Schluss besetzt und machten die Party so zum Gratis-Anlass.

Grosse Halle will weitere kommerzielle Partys

Zum kulturellen Angebot der Grossen Halle sollen auch in Zukunft kommerzielle Partys gehören. Dass die Grosse Halle am Samstag ausverkauft war, habe bewiesen, dass auch dafür ein Bedürfnis besteht, so Brönnimann. «Trotz unserem Frust und unserer Enttäuschung über die Übergriffe gehören Anlässe wie ‹We Love Techno› auch weiterhin zu unserem Programm. Jedenfalls, wenn wir Veranstalter finden, die bereit sind, in diesem Umfeld etwas zu organisieren.»

Brönnimann spricht das Risiko einer Konfrontation mit den gewalttätigen, kapitalismusfeindlichen Kreisen innerhalb der Reitschule an. Bereits 2012 wurde eine Party in der Grossen Halle angegriffen. Es heisst, dass einige Reitschüler hinter dem Angriff steckten, um den kommerziellen Veranstalter Ammonit zu vertreiben. Die Vermutung liegt nahe, dass dieses Mal dieselben kommerzfeindlichen Kreise aus der Reitschule für den Überfall verantwortlich sind.

Die Grosse Halle sei nicht bereit, diese Schwierigkeiten innerhalb der Reitschule einfach unter den Teppich zu kehren. «Wir sind ja die einzigen, die diese Problematik benennen und vor Ort ausbaden», so Brönnimann.

Unterstützung von links-grün wäre erwünscht

Der Trägerverein der Grossen Halle spricht dabei auch ganz direkt die Stadt Bern an. «Die Grosse Halle erwartet von der Stadt, dass sie Rahmenbedingungen schafft, welche die Einhaltung des Leistungsvertrages ermöglichen», so Brönnimann. Im Leistungsvertrag ist detailliert aufgelistet, welche Programmpunkte die Grosse Halle bieten muss, wie viel Publikum sie ansprechen muss, an wie vielen Tage sie geöffnet sein muss.

Die Grosse Halle habe mit Umständen zu kämpfen, welche dies sehr schwer machen würden. «Wir stellen einfach fest, dass linke und grüne Parteien zu diesem Thema schweigen.» Er verstehe zwar, dass sich die Politiker nicht ihre Finger verbrennen wollen, aber: «Eigentlich müssten sich auch linke und grüne Parteien zu einer Haltung durchringen.»

Von der Politik müsste einfach mehr kommen, um die kreativen, aktiven, integrativen Kräfte in der Reitschule zu stärken, findet Brönnimann. «Wir stehen nämlich ziemlich alleine da.» Er hofft allerdings, dass künftig auch Vertreter der Interessengemeinschaft Kulturraum Reitschule (IKuR) gegen die destruktiven Kräfte in der Reitschule ankämpfen. «Es gibt genug Parteienvertreter, Grossrätinnen und Stadträtinnen in der IKuR.»

Reitschule kritisiert Halle

Von der Mediengruppe der Reitschule gabs nämlich am Mittwoch eine Rüge an die Adresse der Grossen Halle: «Aus unserer Sicht wurde der Anlass zu wenig sensibel auf die Gegebenheiten im Raum Reitschule abgestimmt», heisst es in einer Stellungnahme. Man könne die Motive der Vermummten an der Party nachvollziehen, halte ihren gewaltsamen Übergriff jedoch nicht für legitim, so die Mediengruppe.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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