Reitschule boykottiert das Nachtleben-Konzept

Bern

Die Betreiber der Reitschule verweigern die Teilnahme am Nachtleben-Konzept. Damit stossen sie Politiker und die Pro-Nachtleben-Lobby vor den Kopf.

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Tobias Habegger@TobiasHabegger

Am Freitag läuft die Frist zur Vernehmlassung zum Konzept Berner Nachtleben aus. Am nächsten Mittwoch präsentieren verschiedene Berner-Nachtleben-Organisationen gemeinsam ihre Vorschläge für ein attraktiveres Nachtleben. Nicht dabei sein wird die Interessengemeinschaft Kulturraum Reitschule (Ikur). «Das Nachtleben-Konzept wurde und wird innerhalb der Reitschule kontrovers diskutiert», schreibt die Mediengruppe auf Anfrage in einer E-Mail. «Die Tatsache, dass das grösste Anliegen des Gemeinderats die Verstärkung von Reinigung und Repression zu sein scheint, ist für die Reitschule ein enttäuschendes Zeichen und entspricht in keinster Weise den Bedürfnissen der Reitschule.»

«Ikur will keine Regeln»

GFL-Stadtrat Manuel Widmer, der das Nachtleben-Konzept mittels Motion initiiert hat, sagt auf Anfrage dieser Zeitung: Das Verhalten der Reitschüler erstaune ihn nicht. «Wie soll eine basisdemokratisch organisierte Vollversammlung eine Vernehmlassung formulieren, wenn ein einzelnes Veto reicht, um das Ganze zu kippen?» Er könne den Entscheid der Ikur schon nachvollziehen. «Doch ich bedaure das enorm.» Das Schweigen der Reitschule bedeute für ihn grundsätzlicher Widerstand gegen das Konzept, sagt Widmer. Würde die Ikur bei der Vernehmlassung mitmachen, gäbe sie quasi ihr Einverständnis zum institutionalisierten Vorgehen. «Doch offenbar möchte die Ikur keine verbindlichen Regeln fürs Nachtleben.»

Thomas Berger, Präsident des Vereins Pro Nachtleben Bern, sagt: «Gerade wenn man ein Konzept schlecht findet, ist es umso wichtiger, seinen Widerstand konstruktiv einzubringen.» Thomas Berger vergleicht eine Vernehmlassung mit Wahlen. Beides sei eine «Beteiligung am politischen Prozess». Wer sich nicht daran beteilige, müsse die Beschlüsse «ohne zu murren» akzeptieren.

«Reitschule wäre wichtig»

«Eine kritische Stimme wäre wertvoller, als eine schweigende Stimme», sagt GLP-Stadtrat Glaude Grosjean, der sich im Parlament für ein attraktives Nachtleben engagiert. Gerade die Stimme der Reitschule wäre doppelt wichtig gewesen, weil diese eine wichtige Rolle spiele für die jüngeren Nachtschwärmer mit wenig Geld. «Auf dem Vorplatz können sie ohne Eintritt und Konsumzwang verweilen.»

Eine ähnliche Melodie stimmt Christian Pauli an: «Die Reitschule ist ein neuralgischer Punkt im Berner Nachtleben, es wäre sehr wichtig gewesen, dass die Ikur ihre Anliegen in die Vernehmlassung einbringt», sagt der Präsident von Bekult, dem Dachverband von Kulturveranstaltern im Raum Bern. Doch er verstehe und akzeptiere die basisdemokratischen Strukturen in der Reitschule. Pauli betont: «Es finden trotzdem Gespräche mit der Ikur statt.» Die Dachstockbetreiber etwa seien Mitglied der am Konzept beteiligten Organisationen Bekult und Buck. «Unsere gemeinsame Stellungnahme wird nicht weit davon entfernt sein von dem, was die Reitschule will.»

Berner Zeitung

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