Werden Kinder frühgefördert, zahlt sich das aus

Bern

Eine Studie belegt den Nutzen des Stadtberner Frühförderungsprojekts Primano: Werden Kinder aus benachteiligten Familien früh unterstützt, haben sie bessere Bildungschancen.

Mütter diskutieren am Primano-Treffen darüber, wie in einer Familie Regeln aufgestellt werden können.<p class='credit'>(Bild: Andreas Blatter)</p>

Mütter diskutieren am Primano-Treffen darüber, wie in einer Familie Regeln aufgestellt werden können.

(Bild: Andreas Blatter)

Die Mütter lachen. Diese Szene kennen wohl alle aus ihrem Alltag: Die kleine Tochter will TV schauen, die Mutter findet, es sei nun genug. Der Vater sagt: «Ach, lass sie doch. Ich will jetzt meine Ruhe haben.» Der Krach ist programmiert. Doch wie stellt man in einer Familie Regeln auf? Mit diesem Thema beschäftigten sich am Montag etwa zwanzig Frauen bei einem Treffen des Frühförderungsprojekts Primano.

Ab 2017 Primano definitiv

Primano wurde 2007 als Pilotprojekt gestartet mit dem Ziel, Kindern aus wirtschaftlich und sozial benachteiligten Familien bessere Bildungschancen zu bieten. Ab 2017 möchte der Gemeinderat das Programm definitiv einführen. Er rechnet mit jähr­lichen Nettokosten von rund 770'000 Franken. Der Stadtrat wird im Herbst entscheiden, ob die Frühförderung zu einem fixen Angebot werden soll.

Primano wirkt

Bildungsdirektorin Franziska Teuscher (GB) ist zuversichtlich, dass Primano zum Regelangebot wird: Das Parlament habe das Projekt in den vergangenen Jahren stets mitgetragen. Und nun sei auch wissenschaftlich belegt, dass die Frühförderung wirke.

Die Universität Bern und der schulärztliche Dienst haben die Daten von fünf Jahren ausgewertet und zwei Hauptnutzen von Primano festgestellt. Die teilnehmenden Kinder können besser Deutsch, wenn sie in den Kin­dergarten kommen, und sie haben weniger Übergewicht. «Die Rückmeldungen aus den Kindergärten stützen diese Ergebnisse», sagt Teuscher.

Eine Chance, kein Tadel

Eine der grössten Herausforderungen bei Primano ist, dass die kontaktierten Familien die Hilfe der Fachleute nicht als Tadel, sondern als Chance auffassen. «Wir versuchen diesen Familien zu zeigen, dass sie schon ganz viel gut machen, aber bei der Erziehung und der Förderung der Kinder Unterstützung annehmen können», sagt Mona Baumann, Leiterin des Programms.

Diese Unterstützung beinhaltet zum Beispiel Hausbesuche. Geschulte Mütter schauen bei den Familien vorbei, bringen Spielsachen mit und zeigen den Eltern, wie sie ihr Kleinkind besser fördern können. Doch wie kommt die Stadt in Kontakt mit Familien, die diese Hilfe benötigen? «Nach fast zehn Jahren hat sich das Angebot ­herumgesprochen», sagt Mona Baumann. Auch werde es regelmässig in Quartieren vorgestellt.

Am Primano-Treffen diskutieren die Mütter darüber, wie in der Familie Regeln zur Nutzung von TV und Handy aufgestellt werden können. «Sie müssen natürlich auch für die Eltern gelten», sagt eine Frau. «Die Eltern müssen Vorbilder sein.»

Die Kinder spielen derweil zusammen. Auch ­darum geht es bei Primano. Mütter und Väter lernen sich kennen, tauschen sich aus und wissen, wo sie in der Stadt welche Angebote für Familien finden.

Berner Zeitung

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