Raser kommt mit einer bedingten Strafe davon

Er liebte es, mit seinem Mercedes herumzurasen und sich dabei zu filmen. Jetzt hat ein Raser dafür eine zweijährige ­bedingte Haftstrafe kassiert. Auch ein Bekannter von ihm wurde im Prozess schuldig gesprochen.

Den beiden Angeklagten wurde vorgeworfen, sich auf der Autobahn ein Rennen geliefert zu haben – bei bis zu 230 km/h. Andernorts fuhr einer der Männer gar 253 km/h schnell.

Den beiden Angeklagten wurde vorgeworfen, sich auf der Autobahn ein Rennen geliefert zu haben – bei bis zu 230 km/h. Andernorts fuhr einer der Männer gar 253 km/h schnell.

(Bild: Fotolia)

Können Handyfilme von Geschwindigkeitsanzeigen als Beweismittel akzeptiert werden? Sind die Kommentare vom Filmer einer Person zuzuordnen? Ist das Standbild des Nummernschilds deutlich genug?

Mit diesen Fragen befasste sich seit Montag das Regionalgericht Bern-Mittelland. Auf der Anklagebank sassen zwei Männer, beide ursprünglich vom Balkan, beide Mercedes-Fahrer.

Ihnen warf die Anklage unter anderem vor, sich auf der Autobahn bei Pieterlen bei Geschwindigkeiten von bis zu 230 Stundenkilometern ein Rennen geliefert zu haben. Staatsanwalt Daniel Feigenwinter hatte am ersten Prozesstag eine unbedingte Freiheitsstrafe von 42 Monaten gefordert, die Verteidiger plädierten für Freisprüche.

Noch mehr Delikte

«Für uns steht fest, dass Sie hinter den Steuern der im Film zu ­sehenden Autos sassen», stellte nun Gerichtspräsident Martin Müller fest, als er das Urteil verkündete. Die Aussagen des Autoverkäufers, die Stimmanalyse, die Handysequenzen und die Standbilder ergäben ein genügend sicheres Gesamtbild. Für ein ei­gentliches Rennen fehlten die eindeutigen Beweise aber.

Allerdings rechnete das Gericht anders als der Staatsanwalt. Es brachte von der gefilmten Geschwindigkeit 15 Prozent in Abzug, wie sie üblich sind, wenn die Polizei nicht mit einem geeichten Gerät messen kann.

So kam es auf 195,5 Stundenkilometer, womit die nun relevante Überschreitung von rund 75 Stundenkilometern nicht mehr unter den Raserartikel fiel. Die beiden Männer wurden deshalb lediglich wegen einer groben Verkehrsregelverletzung mit einer möglichen Gefahr für weitere Personen oder Tiere schuldig gesprochen.

Für den Hauptangeklagten war damit noch nicht Schluss. Er war auch in Hinterkappelen viel zu schnell unterwegs und wurde dafür nun sogar im Rahmen des Raserartikels schuldig gesprochen. Auf der Innerortsstrecke zeigte die gefilmte Tachoanzeige ganze 124 Stundenkilometer an.

«Das Verhalten war rücksichtslos, egoistisch und nicht entschuldbar.»Richter Martin Müller

Auch auf der Autobahn bei Lyss liess er jegliche Vernunft hinter sich und raste mit 253 Stundenkilometern über den Teer und erfüllte so den Tatbestand des Raserartikels ebenfalls. Der Gerichtspräsident nannte dieses Verhalten «rücksichtslos, egoistisch und nicht entschuldbar». Von Reue sei rein gar nichts zu spüren.

Dass der damals 23-Jährige seine Fahrten mit dem Mobiltelefon gefilmt hatte, verschärfte das Strafmass. Bei solch überhöhten Geschwindigkeiten habe er mit einer starken Gefährdung anderer Personen rechnen müssen, so das Gericht.

Nur bedingte Strafen

Das Gesamtpaket brachte dem Beschuldigten eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren bedingt bei einer Probezeit von vier Jahren ein. Die Geldstrafe von 5550 Franken wurde ebenfalls an eine Probezeit geknüpft. Dazu muss er 1350 Franken Busse bezahlen sowie die Kosten für Verfahren und Anwalt übernehmen – sobald er wieder zu Vermögen kommt.

Der zweite Beschuldigte fasste eine Geldstrafe von 13 200 Franken. Sie wurde ebenfalls bedingt ausgesprochen und an eine Probezeit von zwei Jahren geknüpft. Auch für ihn fallen Verfahrens- und Anwaltskosten an. Ob das Obergericht sich mit dem Fall beschäftigen muss, ist zurzeit noch offen.

Berner Zeitung

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