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Radquer-OK kämpft mit Geldsorgen

Weil Sponsoren rar sind und kein Eintrittsgeld verlangt werden darf, basiert das Berner Radquer-Rennen auf viel Gratisarbeit. Um ein erneutes Defizit zu verhindern, verkaufen die Organisatoren dieses Jahr Solibändeli.

Spektakuläre Kulisse: Wie letztes Jahr findet rund ums Weyerli-Becken erneut ein Radquer-Weltcuprennen statt. Foto: Manuel Zingg
Spektakuläre Kulisse: Wie letztes Jahr findet rund ums Weyerli-Becken erneut ein Radquer-Weltcuprennen statt. Foto: Manuel Zingg

Es hat schon fast Tradition: Nach Abschluss der Badesaison verwandelt sich das Berner Freibad Weyermannshaus in eine Radsport-Arena. Das grosse Becken ist bereits von Absperrgittern umstellt, damit in zehn Tagen zum dritten Mal in Folge ein Radquer-Wochenende stattfinden kann. Wie im Vorjahr werden die sonntäglichen Rennen für den Weltcup gewertet und werden sie die besten Querfahrerinnen und -fahrer der Welt nach Bern locken. Und am Samstag messen sich wieder ­­Hobbyfahrer über 20 oder 50 ­­Kilometer auf einer Strecke, die hauptsächlich durch den Bremgartenwald führt.

Die bisherigen Austragungen waren ein Erfolg. Auch dank prächtigen Wetters und eines vielfältigen Rahmenprogramms kamen 2018 am Sonntag rund 7000 Zuschauer ins Weyerli. Laut Christian Rocha, Präsident des Organisationskomitees (OK), ­­waren die Rückmeldungen sehr positiv, und zwar sowohl vom Publikum als auch von den Athletinnen und Athleten sowie vom internationalen Radsportverband UCI. Einziger Makel: Finanziell ging der Event nicht auf.

Viel Gratisarbeit

In die Organisation des Weltcup-Events stieg das Berner OK letztes Jahr mit einem Budget von 390000 Franken – und strich dieses auf 330000 Franken zusammen, als absehbar wurde, dass einnahmenseitig ein Loch klaffte. Dennoch resultierte ein Defizit von 15000 Franken. Laut Rocha leisteten die OK-Mitglieder und die Helferinnen und Helfer viel mehr Gratisstunden als geplant, und von den rund 60 Stellenprozent, die er und seine Frau für den Anlass arbeiteten, sei nicht einmal die Hälfte in Rechnung gestellt worden. «Das kann man einmal so machen», sagte Rocha am Montag, als er die Medien über das Quer-Wochenende vom 19. und 20. Oktober informierte. «Gleichzeitig war damals klar, dass wir einen oder zwei weitere grössere Sponsoren brauchen, damit wir in Ruhe und ohne die totale Selbstausbeutung arbeiten können.»

Es blieb allerdings beim frommen Wunsch. Bei den einen Firmen passe Sport nicht in die Werbestrategie, bei den anderen kam Rocha zu spät – als die UCI im Januar entschied, dass in Bern wieder ein Weltcup stattfindet, hatten die meisten Firmen ihre Sponsoringbudgets fürs laufende Jahr bereits aufgesetzt. «Offenbar plant die UCI, ab 2020 mit den Veranstaltern Mehrjahresverträge abzuschliessen», sagt Rocha. «Das würde unserer Planung enorm helfen.»

Eintrittsgeld nicht erlaubt

Weil der zusätzliche Sponsor ausblieb, musste das OK erneut das Budget kürzen. Trotzdem ist dieses 40000 Franken höher als 2018, kleiner Verlust inklusive – es sei denn, das Geschäft mit den Solibändeli laufe gut. Diese Bändeli zum Richtpreis von 10 Franken werden neu an den Eingängen aufs Gelände angeboten. Der Slogan: «Weltcup in Bern – dank dir!» Auf die Idee kam das OK, weil sich viele Besucher erkundigten, weshalb kein Eintritt erhoben werde. Der Grund ist einfach. Weil der Anlass auf öffentlichem ­­Boden stattfindet und gebührenbefreit ist, ist dies nicht gestattet. Doch ebenso einfach ist die Rechnung des OK: Hätte letztes Jahr nur schon jeder Fünfte ein Zehnernötli bezahlt, wäre immerhin das redimensionierte Budget aufgegangen.

Man werde Leute ohne Bändeli am Handgelenk nicht mehrmals angehen, sagt Rocha. «Aber am Eingang wird man mit­­bekommen, dass wir auf viele verkaufte Bändeli hoffen. Das Verhalten der Leute wird uns dann Hinweise liefern, wie viele bereit sind, etwas zu bezahlen.»

Und danach geht wieder die Sponsorensuche los – noch dieses Jahr, einfach darauf spekulierend, dass Bern auch 2020 den Weltcup-Zuschlag erhält. Spitzen-, Breiten- und Nachwuchssport, Möglichkeiten im VIP-Bereich, zwei Stunden Livepräsenz auf SRF: «Wir haben so viel zu bieten», sagt Rocha.

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