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Rackern für die Mission Olympia

Die Olympischen Spiele rücken näher – das bedeutet Überstunden für Susanne Böhlen und das Team von Swiss Olympic. Denn sie sind verantwortlich dafür, die Reise und den Aufenthalt der Athleten möglichst gut zu organisieren.

«Nach den Olym­pischen Spielen fühle ich mich fünf Jahre älter», sagt Logistikchefin ­Susanne Böhlen.
«Nach den Olym­pischen Spielen fühle ich mich fünf Jahre älter», sagt Logistikchefin ­Susanne Böhlen.
Raphael Moser

Am 9. Februar werden für Susanne Böhlen bereits die sechsten Olympischen Spiele beginnen. Damit hat sie gleich viele Teilnahmen auf dem Konto wie der erfolgreichste Schweizer Wintersportler, Skispringer Simon Ammann.

Böhlen wird aber im südkoreanischen Pyeongchang nicht auf der Sprungschanze oder im Eiskanal auf Medaillenjagd gehen. Die Bernerin arbeitet für Swiss Olympic und ist dort Leiterin der Logistik. Sie ist eine von rund einem Dutzend Mitarbeitenden, die sich um Olympia kümmern.

Dementsprechend viel zu tun hatten sie und das Team in den letzten Wochen und Monaten – auch wenn es in den Räumen des Haus des Sports in Ittigen nach der Ruhe vor dem Sturm aussieht. «Klar bin ich beim sechsten Mal etwas entspannter als bei meinen ersten Olympischen Spielen, weil ich ungefähr weiss, was auf mich zukommt», sagt Susanne Böhlen.

Trotzdem sei jede olympische Mission eine ganz andere. Verschiedene Kulturen und Menschen, mit denen sie zusammenarbeitet, machen das Ereignis jedes Mal aufs Neue einzigartig. «Und man lernt Länder kennen, die sonst nie auf der Reiseliste auftauchen würden.»

Die Küchensuche

«Ein Teil meiner Arbeit besteht darin, geeignete Unterkünfte für die Athleten und die Betreuer zu finden und ihre Reisen zu organisieren», erklärt die 45-Jährige. Das sei bei den Winterspielen komplizierter, als es etwa für die Sommerspiele in Rio war, weil nicht alle am selben Ort logieren.

In Südkorea wird es zwei olympische Dörfer geben, keines der beiden ist an den Wettkampfstätten der Ski- und Snowboardfahrer. Sie werden an Orten untergebracht, von wo aus die Anfahrt zu den Pisten möglichst kurz ist. «Für diese Athleten musste beispielsweise ein Koch gefunden werden, der alle verpflegen kann.»

Ausserdem habe man sich auch auf die Suche nach einer ­Küche machen müssen. «Das war gar nicht so einfach, denn die Südkoreaner haben nicht das gleiche Verständnis von einer ­Küchenausstattung wie wir», sagt Böhlen lachend. Ein Backofen – vielerorts Fehlanzeige.

Die Rückreise

Ein anderes wichtiges Puzzleteil in der ganzen Olympiaorganisation ist die Reise für die fast 400 Personen umfassende Schweizer Delegation, die nach Pyeongchang fliegen wird. «Da haben wir zum Teil sehr grosse Mannschaften, wie die der Eishockeyspieler, viele haben aber auch ganz individuelle Planungen, je nach Sportart», sagt die Logistikchefin.

Wenn Susanne Böhlen am 27. Januar in Südkorea ankommt, hat sie keine Zeit, sich auszuruhen. «Die ersten Tage werden ich und das Team unter anderem mit der Inbetriebnahme und Dekoration der Unterkünfte beschäftigt sein, und dann kommen schon Athleten und Betreuer an.»

Sobald die ersten Wettkämpfe beginnen, muss sich Böhlen dann bereits mit der Planung für die Rückreise befassen. «Auch hier bleiben einige Dinge bis zum letzten Moment nicht planbar», sagt sie.

Einen Flug für die Eishockeyteams zu buchen, hänge beispielsweise davon ab, wie lange die Mannschaften im Turnier verbleiben würden. «Da kann ich nicht bereits im Vorfeld 50 Tickets auf jeder möglichen Verbindung reservieren lassen.»

In den vier Wochen Südkorea wird Susanne Böhlen lange Präsenzzeiten haben und kaum Wettkämpfe live mitbekommen. «Da stellt man sich aber darauf ein, das steht für mich einfach nicht im Vordergrund.» Trotzdem bekommt sie die verschiedenen Emotionen der Athleten im olympischen Dorf häufig mit. «Das berührt mich jedes Mal», sagt die Bernerin.

Der Container

Bevor es aber so weit ist, gibt es für die Logistikleiterin noch viel zu überwachen und zu kontrollieren. Schon im November füllten sie den Container, der nach Südkorea verschifft wurde. Fünf Wochen dauerte die Überfahrt, nun ist sein Inhalt am Ziel angekommen.

«Das wäre ohne Hilfe unseres Partners, des Logistikspezialisten DB Schenker, eine noch viel grössere Herausforderung geworden», ist sich Susanne Böhlen sicher. Denn die Bestimmungen für die Fracht werden immer komplexer.

«Gerade, weil wir auch medizinisches Material verschifft haben.» Ausserdem wurden 60 Slalomstangen, 200 Kilogramm Müesli, über 1000 Liter Rivella oder 15 000 Kaffeekapseln in den Container geladen und verschifft.

Per Flugfracht kommt einzig das Material, das die Sportler und Serviceleute noch bis kurz vor den Spielen benötigen. «Wie etwa die Bobs oder die Schleifmaschine für die Langlaufskis.»

Der Vergleich

Auch wenn die Materialschlacht bei Olympischen Winterspielen grösser ist als im Sommer, kann Susanne Böhlen nicht sagen, welche Spiele ihr lieber sind. Sie mag nicht vergleichen: «Im Winter stellt die Schweiz eine der grössten Delegationen, im Sommer dagegen gehören wir eher zum Mittelfeld», sagt sie.

Andererseits gebe es im Sommer oft ein zentrales olympisches Dorf, wo fast alle Athleten und Betreuer zusammen seien. Das trage viel zur speziellen Atmosphäre des Events bei. Im Winter, bei wesentlich weniger Athleten und meist zwei Dörfern, komme das etwas weniger zur Geltung.

Sobald Susanne Böhlen aus Südkorea zurückkehrt, bleibt ihr nur bedingt Zeit, die Eindrücke und Erfahrungen gross zu verarbeiten – geschweige denn zum Ausruhen. Die Planung für die nächsten Sommerspiele in Tokio hat nämlich bereits begonnen. «Ein bisschen runterfahren wird aber schon drinliegen», sagt sie und lacht.

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