Vor dem Wahltag heisst es Rackern am Berg

Eigentlich ist er in der Pharmabranche zu Hause. Für die «Jobwechsel»-Serie dieser Zeitung schlüpfte der FDP-Regierungsratskandidat Philippe Müller in die Rolle eines Zivilschützers am Lauberhorn.

Der FDP-Regierungsratskandidat Philippe Müller hilft mit bei der Pistenpräparation für die Lauberhornrennen.
Video: Michael Bucher

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Die Schwünge sitzen, die geschulterte Netzrolle bringt er ohne sichtbare Mühe an den Pistenrand. Dort hilft Philippe Müller mit, die Netze auszurollen und sie an­schliessend in den Schnee zu bohren. Die Bewegungen wirken routiniert.

Kaum sind die Auffangnetze an einer Stelle montiert, geht es weiter unten an der Rennstrecke mit der gleichen Arbeit weiter. Einzig seine blaue Skijacke verrät, dass Müller nicht richtig dazugehört. Denn die anderen Pistenarbeiter tragen allesamt die braun-orange Kleidung des Zivilschutzes.

Schauplatz ist die Abfahrtsrennpiste am Lauberhorn. Genauer: der Abschnitt unterhalb des Silberhornsprungs vor der Zieleinfahrt. Eigentlich hätte an diesem Tag ein Einsatz im Bereich des berühmten Hundschopfs auf der Agenda gestanden, doch starke Windböen verunmöglichen dies.

Dass Müller für einen halben Tag in die Rolle eines Zivilschützers schlüpft, hat seinen Grund in der «Jobwechsel»-Serie dieser Zeitung. Alle zehn Regierungsratskandidatinnen und -kandidaten müssen sich einen Beruf aus einer der sieben kantonalen Direktionen aussuchen und sich von einer bisher unbekannten Seite zeigen (siehe Infobox).

Müller entschied sich für den Einsatz am Lauberhorn, weil er eine lange Militärlaufbahn hinter sich hat und ihm die sowohl die Armee als auch der Zivilschutz nahe sind. «Zudem bin ich gerne in den Bergen.»

Müller, heute Grossrat und Geschäftsleitungsmitglied beim Berner Pharmariesen CSL Behring, will für die FDP in die Regierung. Er soll für die Partei den Sitz des abtretenden Polizei- und Militärdirektors Hans-Jürg Käser sichern.

Zwischen den Arbeitseinsätzen auf den verschiedenen Streckenabschnitten liegen immer mal wieder ein paar Schwünge auf der Rennstrecke drin. Was dem leidenschaftlichen Skifahrer Müller sichtlich Spass macht. Er erinnert sich daran, dass er vor etwa 20 Jahren mit einem Kollegen kurz nach dem Rennen die Lauberhornstrecke schon einmal runtergefahren ist.

«Ein tolles Erlebnis. Man realisiert erst dann so richtig, wie steil es wirklich ist.» Eine weitere Erinnerung meldet sich bei seinem Einsatz mit den Zivilschützern: «Ich habe im Militär einen Gebirgskurs absolviert.

Da waren wir ebenfalls mit Skiern unterwegs. Auch die positive Stimmung in der Truppe war ähnlich kameradschaftlich und positiv wie heute hier im Zivilschutz.» Mittlerweile ist Müller Major ausser Dienst, er hat alle seine Diensttage geleistet.

Adrian Schürch beobachtet seinen Praktikanten, der womöglich bald sein politischer Chef sein wird, interessiert. «Er macht das sehr gut, ist unkompliziert und packt mit an. Wir würden ihn gerne noch etwas hier­behalten.»

Der Kommandant der Zivilschutzorganisation Jungfrau koordiniert am Lauberhorn den Einsatz aller aufgebotenen Zivilschützer. In der Woche vor dem Rennen sind rund 130 Personen im Einsatz. Für die ganze Zeitspanne von Ende November bis Ende Januar wurden für die Arbeiten am Lauberhorn insgesamt gar 350 Angehörige des Zivilschutzes aufgeboten.

Kurz vor dem Mittag ist der Einsatz für Regierungsratskandidat Müller zu Ende. Zur Belohnung gibts das Helfergeschenk in Form eines Rucksacks sowie ein Mittagessen mit der Truppe im Zielhaus. «Es war anstrengend», sagt Müller.

Gegen 5 Uhr morgens ist er aufgestanden, um 7 Uhr begann der Arbeitseinsatz mit der Besammlung am Bahnhof Wilderswil. «Ich habe Respekt davor, was der Zivilschutz hier leistet. Die Arbeit ist teilweise körperlich schwierig, die Tage sind lang, die Nächte kurz.»

Den Kredit für diesen Zivilschutzeinsatz, den er als Grossrat schon mehrmals genehmigt hat, verbindet er nach diesem Halbtag am Berg nicht länger nur mit Geld, sondern auch mit Schweiss.

Der Autor dieses Textes ist Leiter des Ressorts Kanton Bern und nicht verwandt mit dem gleichnamigen Regierungsratskandidaten. Ein Video von Philippe Müllers Einsatz als Zivilschützer am Lauberhorn finden Sie auf unserer Website. (Berner Zeitung)

Erstellt: 10.01.2018, 22:16 Uhr

Jobwechsel Teil 1

Raus an die Front, in eine andere Rolle schlüpfen. Mit dem Zivilschutz die Lauberhornstrecke in Schuss bringen, mit der Spitex auf Pflegetour gehen, auf der Baustelle eine Schwarzarbeitskontrolle durchführen: Das ist die Grundidee hinter der Serie «Jobwechsel» dieser Zeitung.

Die zehn Regierungsratskandidatinnen und -kandidaten durften sich je einen Beruf aus einer der sieben kantonalen Direktionen aussuchen und für einige Stunden ausüben. Sie mussten sich bei der Auswahl jedoch entweder auf ihre heutige Direktion beschränken oder auf jene, die ihre Vorgänger heute führen.

Ganz frei wählen durften einzig die beiden Vertreter der Nichtregierungsparteien GLP und EVP. Den Anfang macht FDP-Kandidat Philippe Müller. phm

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