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Quartierbeiz schliesst nach 59 Jahren

Das Restaurant Schönau schliesst Ende Januar. Das Gebäude wird umgebaut, an der Stelle der Quartierbeiz sollen Wohnungen entstehen. Eine Enttäuschung für Schönau-Pächter Beat Hostettler.

Gastronom Beat Hostettler war 5 Jahre Pächter im Restaurant Schönau. Ende Januar schliesst das Lokal an der Sandrainstrasse.
Gastronom Beat Hostettler war 5 Jahre Pächter im Restaurant Schönau. Ende Januar schliesst das Lokal an der Sandrainstrasse.
Iris Andermatt

Es war das Jahr, in dem Deutschland in Bern die Fussball-Weltmeisterschaft gewann, in dem der Indochina-Krieg beendet wurde und in dem «Burger King» in Miami seinen allerersten Kunden bediente. Im diesem Jahr, 1954, wurde an der Sandrainstrasse das Restaurant Schönau eröffnet.

Die langjährige Geschichte ist im ehrwürdigen Lokal noch heute zu spüren. Die Holzbänke und die Tische sind original, wie Schönau-Gastronom Beat Hostettler versichert. An den Wänden hängen alte Bilder oder Fotografien von alten Lokomotiven. Alte Schreibmaschinen, Kassen und auch eine alte Ausgabe des «Berner Tagblatts» schmücken das Interieur. «Das ist noch eine richtige Quartierbeiz», sagt der Pächter Beat Hostettler und blickt etwas wehmütig in sein Restaurant. Ende Januar 2013 wird das Restaurant nach 59 Jahren geschlossen. Anstelle der Quartierbeiz, in der heute sieben Mitarbeiter beschäftigt sind, sollen Wohnungen entstehen.

Wohnungen statt Beiz

Bei der Eröffnung 1954 kostete ein Becher aus der Steinhölzlibraui noch 30 Rappen. Pächter war damals der heute 90-jährige Walter Marti. Er lebt heute noch mit seiner Frau direkt über dem Restaurant. Der ehemalige Wirt war lange Besitzer der Liegenschaft. Im Sommer hat er das Gebäude verkauft. Seine Frau und er werden sich ins Altersheim zurückziehen, sagte er gegenüber der BZ. Der neue Besitzer, ein Anwalt aus Jegenstorf, will die Liegenschaft sanieren und anstatt dem Lokal neue Wohnungen bauen. Auch die Kegelbahn soll der Sanierung zum Opfer fallen.

«Emotionale Angelegenheit»

«Aus wirtschaftlicher Sicht kann ich es verstehen», sagt Beat Hostettler. «Aber ich begreife es doch nicht.» Zwar liege das Gebäude an hervorragender Wohnlage, durch die Umnutzung liesse sich bestimmt viel Geld machen. Aber: «Es wird eine Quartierbeiz geschlossen, die rentiert.» Einige seiner Gäste seien über 90 Jahre alt und kommen seit der Eröffnung fast jeden Tag ins Restaurant. «Es ist für viele eine sehr emotionale Angelegenheit.»

Das gilt auch für Hostettler selbst. Der Pächter der zudem das Restaurant Eichholz führt, ist Gastronom mit Leib und Seele. Er war seit Februar 2008 in der Schönau, seine ganze Familie unterstützte den Betrieb. Er ist stolz auf den Goldenen Fisch, mit dem die Küche ausgezeichnet wurde. Er spricht mit funkelnden Augen über seine Gäste, seine Mitarbeiter, seine Schönau. «Ich suche jetzt ein ähnliches Lokal, aber ich weiss nicht, ob ich noch etwas wie das Restaurant Schönau finde.»

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