Quartier kritisiert Gleisprojekt der SBB in Bümpliz-Süd

Die Anwohner in Bümpliz-Süd erwarten für die geplante Abstellanlage Gegenleistungen.

Christoph Hämmann

Züge, die nicht unmittelbar gebraucht werden, warten auf Abstellgleisen auf ihren nächsten Einsatz – rund um den Bahnhof Bern etwa auf dem Eilgutareal neben der Schützenmatte oder in der Aebimatte Richtung Güterbahnhof. Nun bedingen die Ausbauten des Bahnknotens Bern sowie des Regional- und Fernverkehrs aber eine zusätzliche Abstellanlage, wie die SBB am Montag am Forum der Quartierkommission Bümpliz-Bethlehem (QBB) erstmals öffentlich darlegten. Sie taten dies im Stadtkreis, in dem die neue Anlage gebaut werden soll: «In Bümpliz-Süd, dem einzigen Standort, der alle Anforderungen erfüllt», wie eine SBB-Vertreterin erklärte. Dazu gehöre, dass die Anlage nahe beim Bahnhof Bern liege, genügend Platz für bis zu 400 Meter lange Züge biete und dass der Bau zonenkonform sei.

«Wir bewegen uns hier nicht in der gleichen Liga wie bei der geplanten BLS-Werkstätte», sagte QBB-Präsident Bernardo Albisetti gleich zu Beginn mit einem Augenzwinkern. Natürlich hat das im Westen Berns heftig bekämpfte BLS-Projekt ganz andere Dimensionen, zumal damit Kulturland vernichtet werden soll, während die SBB in Bümpliz-Süd auf grösstenteils eigenem Boden beidseits des Bahnhofs insgesamt zwei Abstellgleise für den Fernverkehr und vier kürzere für den Regionalverkehr bauen wollen. Und dennoch: Dass es wie so oft heisst, ein Infrastrukturprojekt könne einzig und allein im Westen der Stadt realisiert werden, wurde von mehreren Besucherinnen und Besuchern des Forums kritisiert. Als Ausgleich forderten sie beispielsweise Ersatzmassnahmen wie die Begrünung der notwendigen Lärmschutzwände, eine Fussverkehrunterführung am westlichen Ende des Bahnhofs oder den offenbar schon mehrfach und seit Jahren verlangten Bau einer Velounterführung.

Das SBB-Projekt wird demnächst öffentlich aufgelegt und durchläuft danach ein Plan­­genehmigungsverfahren gemäss Eisenbahngesetz. Die SBB rechnen mit Kosten von rund 38 Millionen Franken und einer ungefähr eineinhalbjährigen Bauzeit. Frühestmöglicher Baubeginn sei im Februar 2021. Die Bauarbeiten würden nur sehr vereinzelt nachts durchgeführt, doch natürlich sei mit Lärm und gelegentlichen Fahrplaneinschränkungen zu rechnen. Der spätere Betrieb der Abstellanlage werde für den Bahnhof Bümpliz-Süd, wo heute täglich circa 350 Züge verkehrten, rund 100 zusätzliche Zugfahrten pro Tag mit sich bringen.

«Ich finde, das ist Stadtentwicklung aufs Abstellgleis.»Besucher des Forums der Quartierkommission Bümpliz-Bethlehem

«Die Stadt anerkennt die Bedürfnisse der SBB», sagte eine Vertreterin des Stadtplanungsamts am QBB-Forum. Wachstum und der Ausbau des Angebots würden im Gleichschritt den Ausbau der Infrastruktur erforderlich machen, fuhr sie fort. Und um den Fokus von der zusätzlichen Belastung des Quartiers um den Bahnhof Bümpliz-Süd wegzulenken, erinnerte sie daran, dass das Gebiet im Stadtentwicklungskonzept als Chantier eingestuft sei – als Gebiet mit Entwicklungspotenzial. Ein Chantier – und alles, was passiere, sei eine Abstellanlage, monierte ein Forumsbesucher. Für ihn sei dies «Stadtentwicklung aufs Abstellgleis».

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