Putzaktion am Schlachtdenkmal

Neuenegg

Seit 150 Jahren ist das Schlachtdenkmal in Neuenegg Wind und Regen ausgesetzt. Die ­Inschriften verblassten, die Fassade verfärbte sich dunkel. Dagegen hat die Kantonale Bernische Offiziersgesellschaft etwas unternommen.

Der Offizier und das Denkmal: Christian Gäumann vor dem Denkmal in Neuenegg.

Der Offizier und das Denkmal: Christian Gäumann vor dem Denkmal in Neuenegg.

(Bild: Stefan Anderegg)

Denkmal — denk mal nach? Ein Wort, das unterschiedlich verstanden werden kann: ein Imperativ oder eine Gedächtnisstütze aus Stein, die an ein vergangenes Ereignis erinnert. Vor einem solchen steht Christian Gäumann auf der kleinen Anhöhe in Neuenegg. Hinter dem Baugerüst kann man das Schlachtdenkmal erkennen. «Den Kampf gewonnen, das Vaterland verloren» ist in einer Inschrift zu lesen. Vor wenigen Wochen konnten diese Zeilen kaum entziffert werden.

«Wir haben von Privatpersonen Briefe erhalten, dass der Gedenkstein in schlechtem Zustand sei», erzählt Christian Gäumann, Vorstandsmitglied der Kantonalen Bernischen Offiziersgesellschaft (KBOG). 1866 hat der «Historische und Offiziersverein des Kantons Bern», wie es auf dem Denkmal geschrieben steht, das Monument gebaut. «Er ist sozusagen ein Vorgängerverein der KBOG», so Gäumann. Darum haben sie die Denkmalerhaltung als ihre Pflicht erachtet.

Kurzum hat der Verein die Projektleitung für die rund 40 000 Franken teure Sanierung übernommen. Geldgeber waren unter anderen die Burgergemeinde Bern, die Denkmalpflege des Kantons Bern, Bernische Winkelried- und Laupenstiftung sowie der Verein Historisches Neueneggschiessen. Vor einigen Jahren hat die KBOG auch bei der Sanierung des Denkmals im Grauholz mitgewirkt.

Umsonst gefochten

Gäumann geht um den Sockel herum und zitiert die Worte, welche auf der Rückseite des Denkmals in Stein gemeisselt sind: «Hier siegten Berns tapfere Krieger über Frankreichs stolze Scharen.» Das Ehrenmal erinnert an die hart umkämpfte, aber umsonst gefochtene Schlacht von 1798. Am fünften März sind rund 2300 Mann den französischen Truppen entgegengetreten. Die Berner gewannen am späten Nachmittag. Ihre Kameraden im Grauholz versagten jedoch und die Franzosen waren unterdessen schon in Bern eingezogen.

Seit dieser Schlacht sind viele Jahrzehnte verstrichen. «Es war praktisch die letzte Chance, um das Monument zu retten», sagt Gäumann. Regenwasser war in das Gestein eingedrungen. Im Winter gefror das Wasser und sprengte den Stein teilweise. Schlimmstenfalls wäre das Denkmal durch die grösser werdenden Risse in den nächsten 20 Jahren eingestürzt. Um dieses Szenario zu verhindern, machten sich ab September die Restauratoren der Nussli AG an die Arbeit.

Sie entfernten die Flechten und den Dreck auf der Oberfläche. Es hatte sich einiges angesammelt. «Der Solothurner Kalkstein hat sich schuppenartig abgelöst, weshalb die Schriftzüge unlesbar wurden», erklärt Stefan Nussli, Gründer und Geschäftsleiter der Firma. Zwei Mitarbeiter haben täglich an der Konservierung des Obelisken gearbeitet. Man werde dem Denkmal sein Alter noch ansehen. «Und das darf auch so sein», sagt Gäumann.

Frisch gesäubert

In zwei Wochen soll die Sanierung fertig sein. Beim Neueneggschiessen im März werden die Schützen auf ein restauriertes Denkmal treffen. Schwarzer Stein und tiefe Risse sind Vergangenheit. Mit gesäuberter Oberfläche ragt es aus der Landschaft. Ein Zeichen, das an 1798 erinnert und zum Denken anregt. Ein Denkmal eben.

Berner Zeitung

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