Bern

Publibike zieht die Notbremse

BernDas Desaster für das neue Veloleihsystem ist perfekt. Nachdem wieder gegen 200 Velos gestohlen worden sind, hat Publibike die ganze Flotte stillgelegt, um die Schlösser nachzurüsten.

Im Depot statt auf der Strasse: Bis die Schlösser verbessert sind, fahren keine Publibikes mehr.

Im Depot statt auf der Strasse: Bis die Schlösser verbessert sind, fahren keine Publibikes mehr. Bild: Enrique Muñoz García

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Wer ein Abonnement von Publibike hat, muss in Bern in den nächsten Tagen umsatteln. Die Veloverleiherin hat sich am Samstag doch noch dazu entschieden, den gesamten Betrieb vorläufig einzustellen. Dies nachdem in der Nacht erneut gegen 200 Velos geklaut worden sind.

Bereits am Wochenende zuvor war es zu einer Serie von Entwendungen gekommen. Es hatte sich herumgesprochen, wie einfach sich die Schlösser von Publibikes mit einem Trick öffnen lassen. Die Postauto-Tochter führte den Betrieb trotzdem zuerst weiter, und liess die gestohlenen Velos immer wieder einsammeln.

Sisyphusarbeit abgebrochen

Doch die Lage spitzte sich zu. Am Samstagmorgen waren viele der 70 Stationen leer. Insgesamt standen noch knapp 150 von 700 Velos zur Verfügung. «Es ist offenbar zu einem Sport geworden, ­Veloschlösser zu knacken und damit auf sozialen Medien anzugeben», sagte Publibike-Sprecherin Katharina Merkle.

Das Unternehmen zog daraufhin die Notbremse: Die wieder­gefundenen Velos werden vorläufig nicht mehr an die Stationen zurückgebracht, sondern in ein zentrales Lager. Die Velos sollen erst wieder auf Berns Strassen kommen, wenn die Schlösser nachgerüstet und gegen Diebstahl besser geschützt sind. Es sei extra ein neues Teil für die Mechanik entwickelt worden, erklärte die Publibike-Sprecherin. Dieses werde nun mit Hochdruck produziert und eingebaut.

Abo einen Monat gratis

Ab Mitte Woche sollen die ersten nachgerüsteten Velos verfügbar sein. Spätestens in zwei Wochen solle das Angebot für die Kunden wieder zufriedenstellend gross sein, sagte Merkle. Publibike bedauere die Unannehmlichkeiten. Als Entschuldigung erhalten die Berner Abonnenten einen Abo­monat geschenkt.

Publibike hofft weiterhin auf Hinweise, wo sich die Leihvelos befinden. Ein grosser Teil der gefundenen Velos ist gemäss den Angaben nicht beschädigt. Wie gross der Schaden ist und was das ganze Desaster kostet, wird sich aber erst in den nächsten Tagen genauer abschätzen lassen. Hingegen hat das Unternehmen bereits mehrere Personen angezeigt, die mit einem Publibike unterwegs waren, dafür aber nicht bezahlt haben.

Bleibt die Frage, ob der Publi­bike-Klau ein Berner Phänomen ist? Nur zum Teil: In Zürich etwa sei das Problem nicht so gross, heisst es beim Unternehmen. Dennoch habe Publibike auch hier begonnen, Velos aus dem Verkehr zu ziehen, um die Schlösser zu verbessern. Es sei nicht ausgeschlossen, dass auch in Zürich der Betrieb ganz eingestellt werden müsse. (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.08.2018, 11:36 Uhr

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