Publibike-Konkurrenz steht bereit

Bern

Auch am Mittwoch war Publibike daran, missbräuchlich verwendete Velos einzusammeln. Die nächste Herausforderung für den Berner Veloverleih wird der Markteintritt von Smide sein.

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Nach dem Knall zu Beginn der Woche – bei 350 von 700 Leih­velos war das Schloss geknackt worden – ging bei Publibike am Mittwoch das Aufräumen weiter. Am Dienstag waren in einem ersten Aufwisch 70 ­Velos eingesammelt, kontrolliert und wieder in ­Betrieb genommen worden. Zuvor waren sie nach ihrer illegalen Verwendung irgendwo herum­gestanden und nicht mehr in der App erschienen, die über den ­Velobestand an den einzelnen Stationen informiert.

Beim Einsammeln handle es sich um «Work in progress», liess Publibike am Mittwoch verlauten. Es werde nicht laufend aufdatiert. Auch die Frage nach der Situation in Zürich beantwortete die ­Betreiberin des Berner Velo­verleihs nur defensiv: Es gebe «einzelne Fälle». Der ­«Tages- ­Anzeiger» dagegen berichtete, dass auch in Zürich ­«Publibikes während Wochen wild parkiert» worden seien.

Die Beobachtung aus Zürich sowie ähnliche Meldungen in den letzten Wochen in Bern führten offensichtlich nicht dazu, dass bei Publibike frühzeitig der Alarm losgegangen wäre. Ein weiteres Indiz dafür, dass Publibike früher hätte stutzig werden können, sind Datenerhebungen dieser Zeitung: Sie zeigen, dass bereits ein Wochenende früher, Anfang ­August, die Anzahl zur Verfügung stehender Publibikes markant tiefer war als an den Tagen zuvor.

«Diese Beobachtung ­haben wir nicht gemacht», erwidert ­Publibike-Sprecher Urs Bloch. Bei einem System im Aufbau gebe es immer Velos, die nicht im ­System erschienen. «Das können Velos sein, deren Akku leer ist, die nicht abgeschlossen wurden oder die einen Defekt ­haben.» Laut Publibike hat es erst «im Laufe der letzten Woche» erste Anzeichen auf Diebstähle gegeben – ­bevor sich am Wochenende das Wissen darüber, wie leicht die Schlösser zu knacken sind, offenbar rasend schnell verbreitete.

Start mit 300 E-Bikes

Bald dürfte Publi­bike Konkurrenz erwachsen: Der Zürcher E-Bike-Sharing-Pionier Smide stehtbereit, um in Bern mit seinem standortungebundenen E-Bike-Verleih loszulegen. Ende Juli kritisierte Smide-Co-Gründer Raoul Stöckle in der «NZZ am Sonntag», dass die Stadt seine Firma hinhalte, um Publibike einen Konkurrenzvorsprung zu gewähren.

Gestern wollte Stöckle kein zusätzliches Öl ins Feuer giessen. Die Direktion von Ursula Wyss (SP) habe ihm versprochen, dass der Gemeinderat bald über das Konzept von Smide entscheide. Geplant ist ein Start mit 300 E-Bikes. «Wenn Bern erst einmal gesehen hat, dass wir eine gute Ergänzung für den Stadtverkehr sind, möchten wir die Flotte vergrössern.» Dazu wolle Smide etwa mit Köniz und anderen Agglo­merations­gemeinden Kontakt aufnehmen, sobald das System in Bern gestartet sei. Um das Angebot in Bern hochzufahren, brauche man zwei bis drei Monate.

Stöckle kritisiert, dass Publi­bike ein «stark subventionierter» Anbieter sei. Die Postauto-Tochter hatte entschieden, auf den Einbau von SIM-Karten und einem GPS-System zu verzichten. «Wir reden nicht von Hunderten Franken für ein Velo», so Stöckle. «Fahrräder ohne diese Technologien einzusetzen, war ein Entscheid von Publi­bike, mit dem das Unternehmen wohl zu viel Risiko eingegangen ist.»

Klare Auflagen

Stefan Schwarz, Generalsekretär in Ursula Wyss’ Direktion für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün, erinnert daran, dass der Gemeinderat im September 2017 geregelt habe, unter welchen Bedingungen Free-Floating-Anbieter wie Smide zugelassen würden. Diese müssten «klare Auf­lagen hinsichtlich Flottengrösse, Sicherheit und Wartung der Fahrräder oder Verteilung und Einsammlung der Velos erfüllen».

Publibike habe die öffentliche Ausschreibung gewonnen, in der ein Veloverleihsystem als «Teil der Mobilitätsgrundversorgung der Stadt Bern» gesucht worden sei. Anders als ergänzende Anbieter wie Smide müsse Publibike eine fünfjährige Betriebspflicht erfüllen, so Schwarz. Man sei mit Smide auf einem guten Weg, dem Gemeinderat ein ergänzendes System mit echtem Zusatznutzen vorlegen zu können.

hae/mbb

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