Publibike hat seinen Kredit noch nicht verspielt

In der Stadt musste die gesamte Flotte des neuen Veloverleihsystems wegen leicht knackbarer Schlösser eingezogen werden. Trotz des Debakels soll sich das Netz in die Agglomeration ausdehnen.

Besetzt für die inexistenten Leihvelos: Die aufgehobenen Parkfelder.

Besetzt für die inexistenten Leihvelos: Die aufgehobenen Parkfelder.

(Bild: Christoph Albrecht)

Christoph Albrecht

Zuerst war es eine peinliche Panne, nun ist daraus ein Fiasko geworden. Die Rede ist vom gefloppten Publibike-Veloverleihsystem. Ende Juni hatte dieses in der Stadt Bern den Betrieb aufgenommen. Nur ein paar Wochen später offenbarten sich verheerende Mängel: Die Schlösser der Leihvelos, so stellte man fest, ­liessen sich mit einem einfachen Kniff knacken.

Das Debakel nahm seinen Lauf. Immer mehr Velos wurden geklaut. Publibike suchte nach vermissten Fahr­rädern, sammelte sie ein und versprach, die Schlösser nachzu­rüsten. Doch das Stehlen ging weiter. Zeitweise galt die Hälfte aller 700 Velos als verschollen.

Vor knapp zwei Wochen zog Publibike schliesslich die Notbremse – und zog die gesamte Flotte ein. Doch es kam noch dicker: Auch in Zürich und Freiburg, wo Publibike ebenfalls ein Leihnetz betreibt, musste das System wegen der leicht knackbaren Schlösser komplett still­gelegt werden. Nun ist klar: Die Velos kommen erst wieder auf die Strasse, wenn die Schlösser nachgerüstet und gegen Diebstahl geschützt sind (siehe Box).

Nach dem Flop drängt sich nicht nur die Frage auf, wie es überhaupt so weit kommen konnte, sondern auch, wie es nun weitergeht. Denn bereits ab diesem Herbst sollte das Verleihsystem von der Stadt Bern schrittweise in die Agglomeration ausgedehnt werden. Bleibt es trotz der ­jüngsten Vorkommnisse dabei?

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Die Nachfrage bei mehreren Gemeinden zeigt: Wahrscheinlich schon, wenn auch unter Vorbehalt. «Wenn es der Stadt Bern gelingt, sich mit Publibike zu einigen, und die Probleme gelöst werden können, dann steht einer Vertragsunterzeichnung von unserer Seite nichts im Weg», sagt etwa Marco Rupp, Gemeindepräsident (BVI) von Ittigen.

Ob die Ge­meinde tatsächlich wie ange­kündigt ab 2019 mitmache, hänge letztlich davon ab, ob die Stadt Bern an Publibike festhalte. «Eine Ittiger Lösung macht für ein Veloverleihsystem keinen Sinn.» Laut den Verantwortlichen in der Stadt Bern steht aber ausser Frage, die Zusammenarbeit mit Publibike zu beenden.

Abwarten, was Bern macht

Noch abwarten will Muri-Güm­ligen. Die Gemeinde hat von der Stadt Bern einen Entwurf für einen Kooperationsvertrag erhalten. Dieser soll dem Gemeinderat unterbreitet werden, allerdings erst, «sobald die offenen Fragen geklärt und das Veloverleihsystem von Publibike wieder sicher in Betrieb genommen ­wurde», heisst es. Ähnlich tönt es in Ostermundigen, wo sich das Ganze «geringfügig verzögert».

«Wir erwarten, dass Publibike die Probleme in den Griff bekommt.»Christian BurrenGemeinderat Köniz

Und selbst Köniz, wo die Verträge bereits unterzeichnet sind und die ersten der total sechzehn Stationen schon diesen Oktober entstehen sollen, hält an Publi­bike fest. «Den Ausbauplänen steht nichts im Weg», sagt SVP-Gemeinderat Christian Burren. «Wir erwarten aber, dass Publi­bike die Probleme in den Griff bekommt.»

Smide will auch nach Köniz

Auf einen anderen Anbieter auszuweichen, steht offenbar nicht zur Diskussion – zumindest vorerst nicht. «Wir haben eine Anfrage von Smide erhalten», so Burren. Es sei aber noch nicht definiert, wie man damit umgehen werde.

Smide ist ein weiterer Veloverleiher, der in der Stadt Bern bald seinen Betrieb startet. Bei diesem Anbieter gibt es keine festen Stationen wie bei Publibike. Die Velos können an einem be­liebigen Ort innerhalb eines de­finierten Perimeters abgestellt werden.

Berner Zeitung

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