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Prozess gegen «Pilz-Pastor»

Der ehemalige Betreiber des Hotels Eywald kommt in Bern vor Gericht. Als Gründer der «Kirche der heiligen Pilze» soll er mit Drogenpilzen gehandelt haben.

Mitglieder und Sympathisanten der Kirche des selbsternannten Pastors sollen gegen einen finanziellen Beitrag das «heilige Sakrament» erhalten haben: Pilze, die einen Rausch bewirken.
Mitglieder und Sympathisanten der Kirche des selbsternannten Pastors sollen gegen einen finanziellen Beitrag das «heilige Sakrament» erhalten haben: Pilze, die einen Rausch bewirken.
Keystone

Elf Jahre nach seiner Verhaftung kommt der ehemalige Pächter des Hotels Eywald in Rüschegg in Bern vor Gericht. Er soll einen Versandhandel mit Drogenpilzen betrieben haben. Der 47-Jährige muss sich gemäss der «Schweiz am Wochenende» wegen gewerbsmässiger Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland verantworten. Der Prozess soll im November stattfinden.

Berauschende Pilze

Der Mann übernahm im November 2005 das Hotel Eywald und stiess bei der Bevölkerung bald auf Skepsis. Seinen Betrieb nannte er Hexenhotel, denn er wollte «die Stellung der Hexe rehabilitieren», wie er einem Journalisten dieser Zeitung erklärte. Im Restaurant bot er «Pilzgerichte in verschiedensten Formen» an, ausserdem erhielten Hotelgäste Massagen und Therapien gegen «zivilisationsbedingtes Unwohlsein». Weiter organisierte er Partys mit Hunderten Gästen.

Der Angeklagte ist aber auch Gründer der «Sacred Mushroom Church of Switzerland» («Kirche der heiligen Pilze») und nannte sich «Pastor». Mitglieder und Sympathisanten der Kirche sollen gegen einen finanziellen Beitrag das «heilige Sakrament» erhalten haben: Pilze, die einen Rausch bewirken.

Im Juni 2006 wurde er wegen des Verdachts auf den Handel mit halluzinogenen Pilzen verhaftet. Bei einer Hausdurchsuchung hatte die Berner Kantonspolizei eine «grössere Menge verschiedener psilocybinhaltiger Pilze in unterschiedlichen Verarbeitungszuständen» sowie ein Labor mit gefährlichen Stoffen und Chemikalien entdeckt.

430 Tage in U-Haft

Während der Untersuchungshaft trat der mutmassliche Pilzdealer mehrmals in einen Hungerstreik und beschwerte sich über «beugehaftähnliche Zustände». Seine Anhänger setzten sich öffentlich für ihn ein. Aber erst nach 430 Tagen U-Haft wurde er im Sommer 2007 entlassen. Sein Anwalt Bernard Rambert beklagte sich damals, dass die Untersuchung «unglaublich schleppend» verlaufen sei. Sein Mandant habe den Handel mit Zauberpilzen nie bestritten und sei ein überzeugter Anhänger seines Glaubens. «Aus seiner Sicht gibt es nichts zu ver­stecken.»

Seit der Entlassung aus der ­U-Haft sind zehn Jahre vergangen. Gemäss der «Schweiz am Wochenende» kommt der Fall nun vor das Einzelgericht. Dieses kommt zum Zug, wenn Strafen von bis zu zwei Jahren beantragt sind. Die Staatsanwältin sei mit einem Antrag auf ein Dreiergericht abgeblitzt. Der Angeklagte lebe mittlerweile auf Gran Canaria und wolle an der Verhandlung in Bern teilnehmen. Er hoffe auf einen «epochalen Prozess», der einen Beitrag zur Drogenlegalisierung leiste.

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