Progr: Nach dem Abschluss ist vor dem Neustart

Bern

Die Sanierung des ehemaligen Schulgebäudes für acht Millionen Franken ist abgeschlossen. Aber an der Zukunft des Künstlerhauses Progr wird weiter gebaut.

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«Ansage erfüllt!» – das verkündete am Freitag die Stiftung Progr. Sie hatte vor sechs Jahren nicht nur versprochen, das ehemalige Schulgebäude am Waisenhausplatz zu übernehmen und als Künstlerhaus zu führen, sondern das denkmalgeschützte Haus auch zu sanieren.

Acht Millionen Franken wurden dafür budgetiert, und kein öffentliches Geld sollte in den Umbau fliessen. «Ansage erfüllt», sagte also der abtretende Stiftungsratspräsident Matthias Kuhn in der Aula des Progr. Und Auftrag erfüllt: Kuhn übergibt sein Amt an den ehemaligen HKB-Direktor Thomas D. Meier.

Weil man sich für das Sanierungsprojekt viel Zeit gelassen habe, sei jeder Franken am richtigen Ort eingesetzt worden, erklärte Kuhn. «Mit den acht Millionen konnten wir sogar mehr machen als ursprünglich gedacht.» So sparte die Stiftung allein bei der Sanierung des Dachs gut eine Million, weil dessen Zustand nicht so schlecht war wie befürchtet. Investiert wurde stattdessen in neue Übungsräume, Estrichabteile oder in den neuen Zugang zu Progr und Cafébar Turnhalle von der Hodlerstrasse her.

Stimmvolk wollte Kunst statt Gesundheitszentrum

Dass die Stadt Bern heute ein selbstverwaltetes und erfolgreiches Künstlerhaus hat, ist nicht selbstverständlich. Ein Gesundheitszentrum hätte eigentlich aus dem 1885 erbauten Progymnasium werden sollen. Aber im Mai 2009 gab das Stadtberner Stimmvolk der Künstlerinitiative Pro Progr den Vorzug. Die zuvor provisorischen Ateliers konnten bleiben.

«Ich freue mich diebisch, dass es den Progr gibt – auch wenn in meinem Alter das ursprünglich geplante Gesundheitszentrum näher läge», sagte am Freitag Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) in seiner Grussbotschaft an die Stiftung. «Der Progr ist eine Zukunftswerkstatt, welche die Stadt unglaublich bereichert.»

Viel Lob erhält der Umbau auch von Denkmalpfleger Jean-Daniel Gross: «Das Gebäude ist ein Glücksfall für die Denkmalpflege, weil die Nutzung zum Haus passt.» Bei der Sanierung sei alles Nötige gemacht und alles Überflüssige gelassen worden.

Mäzen Hansjörg Wyss ist zufrieden

Einen wichtigen Anteil am Erfolg des Progr hat auch Mäzen Hansjörg Wyss, der im Haus einen Teil seiner Schulzeit verbrachte. «Als ich von den Plänen mit dem Gesundheitszentrum hörte, dachte ich: ‹Geits no!›» Tote Gebäude gebe es in der Stadt Bern schon zur Genüge. Er sei mehr als zufrieden, wie sich der Progr heute präsentiere.

Dem Stiftungsrat mit seinem neuen Präsidenten riet Wyss auch künftig Augen und Ohren offen zu halten und sich nicht auf den Lorbeeren auszuruhen.

Berner Zeitung

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