Polizei dokumentiert über 200 Vorfälle rund um Reitschule

Seit Mitte 2015 berichtet die Kantonspolizei dem Berner Gemeinderat über Vorfälle rund um die Reitschule. Bislang sind bereits 200 Fälle dokumentiert.

Rund um die Berner Reitschule kommt es immer wieder zu Drogendelikten, gewalttätigen Übergriffen, Sachbeschädigungen und Diebstählen.

Rund um die Berner Reitschule kommt es immer wieder zu Drogendelikten, gewalttätigen Übergriffen, Sachbeschädigungen und Diebstählen.

(Bild: Raphael Moser)

Die Kantonspolizei Bern hat seit Mitte 2015 dem Berner Gemeinderat mehr als 200 Vorfälle rund um die Reitschule gemeldet. Meist geht es um Drogenhandel, gewalttätige Übergriffe, Sachbeschädigungen und Diebstähle. Der Sicherheitsdienst des Kulturzentrums kommt schlecht weg.

Dokumentiert sind die Fälle in den «Wochenberichten zu den Ereignissen Reitschule-Vorplatz-Schützenmatte», welche die Polizei seit Mitte 2015 zu Handen der Stadt verfasst. SVP-Stadtrat Henri-Charles Beuchat hatte um Akteneinsicht ersucht. Der Gemeinderat hiess das Gesuch gut, worauf Beuchat am Montag die Berichte den Medien weiterleitete. Die Rapporte decken die Zeitspanne vom 15. Juni 2015 bis zum 16. Januar 2017 ab. Einige der genannten Vorfälle sind bereits bekannt, und nicht alle stehen zwingend in Zusammenhang mit der Reitschule.

Wiederholt wird aber deutliche Kritik an den Reitschul-Betreibern laut. So schreibt die Polizei, sie sei zur Besichtigung einer Evakuationsübung kurzfristig ausgeladen worden, was den vereinbarten Abmachungen widerspreche.

Der reitschulinterne Sicherheitsdienst verhält sich aus Sicht der Polizei immer wieder «unfreundlich, unkooperativ und hindernd». So soll er sich im Juni 2016 geweigert haben, der Polizei nach einer Messerstecherei die Tatwaffe auszuhändigen. Auch in anderen Fällen sah sich die Polizei bei der Spurensicherung behindert.

Polizisten «an Leib und Leben gefährdet»

Für besonders unbefriedigend hält die Polizei die Situation auf dem Vorplatz, wo sich an Wochenenden tausende Besucher aufhalten. Interventionen seien aufgrund der aufgeheizten Stimmung nur schwer möglich. «Aufgrund der aktuellen Situation sind die Mitarbeitenden der Kantonspolizei im Raum Schützenmatte an Leib und Leben gefährdet», heisst es in einem Eintrag von Mai 2016.

Im Gegensatz zu anderen Betrieben in Bern gebe es «keinen Sicherheitsdienst, der als solches erkennbar ist und zumindest minimal unterstützend wirkt». Die Polizei müsse froh sein, wenn sie vom Reitschul-Sicherheitsdienst nicht aktiv bei der Arbeit behindert werde.

Drogenhändler geschützt

Ein Dauerbrenner auf der Schützenmatte ist der Drogenhandel. Razzien sorgen regelmässig für Spannungen und Scharmützel vor der Reitschule. Die Polizei wirft «Sympathisanten der linken Szene» vor, wiederholt den Zugriff auf Drogenhändler verhindert zu haben. Sie hätten sich den Polizisten in den Weg gestellt und Dealer ins Innere des Kulturzentrums entkommen lassen.

In den Wochenberichten werden auch mehrere bislang unbekannte Übergriffe auf vorbeifahrende Fahrzeuge erwähnt. So warfen im November 2016 Unbekannte auf der Höhe des Dachstocks einen schweren Gegenstand gegen die Frontscheibe eines Taxis, das nicht mehr weiterfahren konnte.

Beuchat: Gemeinderat bleibt untätig

Für SVP-Stadtrat Beuchat «bestätigen die Berichte das Unvermögen der Berner Stadtregierung». Das Dossier müsse dem Gemeinderat entzogen werden, sagte er auf Anfrage: «Die Stadtregierung wird fortlaufend über schwere Vorfälle informiert, bleibt aber aus politischen Gründen untätig. Das schockiert mich.»

Es sei an der Zeit, «dass der Kanton oder der Bund das Ruder übernimmt». Schliesslich sei die Reitschule ja bereits in den Fokus des Bundes geraten: Im Lagebericht der Nachrichtendienste sei sie als Rückzugsbasis nach Angriffen auf Polizeiwachen genannt worden.

tag/sda

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