Ostermundigen

Knatsch um Weihnachtsschmuck

Ostermundigen Parlamentarier Rolf Rickenbach sammelt Geld, damit die Gemeinde wieder eine Weihnachtsbeleuchtung erhält. Die SP findet das «scheinheilig». Denn die Lichter fielen dem Sparauftrag zum Opfer, den auch Rickenbach unterstützte.

Die Mundiger Weihnachtsbeleuchtung fiel den Sparzwängen zum Opfer.

Die Mundiger Weihnachtsbeleuchtung fiel den Sparzwängen zum Opfer. Bild: Jürg Sporri

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Auf den ersten Blick ist die Aktion völlig unverfänglich. Weil die Gemeinde Ostermundigen dieses Jahr aus Spargründen auf eine Weihnachtsbeleuchtung ver­zichten will, lanciert ein Privater eine Solidaritätsaktion. Per Flugblatt ruft er die Bevölkerung auf, Geld für die Beleuchtung zu spenden. Falls 5000 Franken zusammenkommen, ist der Weihnachtsbaum beim Dreieckspark gerettet, bei 15 000 Franken kann nächsten Winter die komplette Beleuchtung montiert werden.

Der Mann, der hinter der Aktion steckt, heisst Rolf Rickenbach. Er finde es schön, wenn das Dorf in der Weihnachtszeit geschmückt sei, sagt er. Besonders die Tanne beim Dreieckspark würde er vermissen.

Heftige Reaktionen

Auf den zweiten Blick hat die Sammelaktion aber eine gewisse Brisanz. Denn Rolf Rickenbach sitzt für die FDP im Ostermundiger Gemeindeparlament. Bei der Spardebatte im Dezember mahnte er: Ein Budget mit 2,1 Millionen Franken Defizit sei ein No-go. Man müsse auf unnötige Ausgaben verzichten. Er und der Rest der bürgerlichen Mehrheit wies das Budget zurück mit dem Auftrag, 500 000 Franken mehr zu sparen. Das hat der Gemeinderat getan: Er strich Budgetposten, die seiner Meinung nach verzichtbar sind. Unter anderem die Weihnachtsbeleuchtung.

Dass sich Rickenbach für etwas einsetzt, das er – indirekt – abschaffen half, löst auf der politischen Gegenseite Ärger aus. Kaum hatte Rickenbach das Mail mit dem Flugblatt verschickt, trafen schon die ersten Reaktionen ein. «Scheinheilig» sei die Aktion, findet SP-Parlamentarier Rudolf Mahler. Fraktionskollegin Priska Zeyer fragt auf Facebook: «Zuerst das Budget ablehnen, und jetzt Geld sammeln, um das Gewissen zu beruhigen???» Bettina Fred­rich, ebenfalls Mitglied der SP-Fraktion, doppelt nach: «Bei der Bildung sorglos sparen, und sich für die Weihnachtsbeleuchtung einsetzen? Den Beleuchtungs­rettern ist der Schein wichtiger als die Chancengerechtigkeit und die Kinder.» Gemeint ist zum Beispiel die Aufgabenhilfe, die gestrichen werden soll.

«Zuerst das Budget ablehnen, und jetzt Geld sammeln, um das Gewissen zu beruhigen???»Priska Zeyer, SP

Nächste Woche wird das Par­lament über das Budget 2018 ­debattieren. Die SP dürfte sich heftig gegen solche Sparmassnahmen wehren. Theoretisch ist auch möglich, dass die Weihnachtsbeleuchtung wieder im Budget aufgenommen wird.

Nicht im Sinne des Erfinders

Und Rolf Rickenbach? Er ist «völlig überrascht» von der Dynamik rund um die Aktion für die Weihnachtsbeleuchtung. «Eigentlich wollte ich eine Solidaritätsaktion starten, nicht eine vorge­zogene Budgetdebatte», sagt er. Privat für ein Anliegen Geld zu sammeln, sei doch legitim. «Finden wir genügend Leute, denen die Weihnachtsbeleuchtung etwas wert ist, ist es gut. Und sonst – jänu.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.02.2018, 08:20 Uhr

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Gut gemeint, trotzdem kritisiert: Rolf Rickenbach. (Bild: zvg)

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