Politiker ohne Plan gegen die Chaoten in der Reitschule

Bern

Chaoten aus der Reitschule machen regelmässig Stunk auf der Schützenmatte. Die Politik schaut ohnmächtig zu. Die Regierung schweigt. Die Mediengruppe der Reitschule ist «nicht erfreut».

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Tobias Habegger@TobiasHabegger

Egal, ob links oder rechts – Berns Politiker reagieren konsterniert auf die jüngsten Ausschreitungen rund um die Berner Reitschule. In der Nacht auf Sonntag kam es zu einer Strassenschlacht beim Bollwerk. «Das war eine neue Dimension der Gewalt», sagt GFL-Stadtrat Manuel Widmer. Die Krawalle seien frei von jeglicher politischen Motivation. Auch laut BDP-Stadtrat Martin Schneider hat die «sinnentleerte Gewalt eine neue Dimension erreicht». Und SP-Stadträtin Lea Kusano sagt: «Ich nerve mich enorm. Solche Bilder sind unnötig und stellen eine Organisation infrage, die gute Arbeit leistet.» In den Augen von Michael Köpfli (GLP) hat der reitschulinterne Sicherheitsdienst versagt. «Es schadet dem Kulturzentrum massiv, wenn Leute Gegenstände vom Dach der Reitschule runterwerfen.» Die Betreiberin Ikur müsse nun aufzeigen, wie sie mit ihrem Sicherheitsdienst solche Szenen verhindern will.

Die SVP will Geldfluss stoppen

Was wollen die Politiker gegen das Gewaltproblem in der Reitschule tun? Für SVP-Fraktionschef Roland Jakob wäre die Lösung «ganz einfach». Er fordert: «Die Polizei muss geltendes Recht überall umsetzen. Die Sonderbehandlung der Chaoten aus der Reitschule muss gestoppt werden.»

Von der Stadtregierung erwartet Roland Jakob «mehr Taten – und weniger Satire». Damit spricht er den Reitschule-Auftritt an der diesjährigen BEA an, als ein Schwarzer Block inklusive Molotowcocktail ausgestellt wurde. «Unser rot-grüner Gemeinderat nimmt den Schwarzen Block immer wieder in Schutz», sagt der SVP-Fraktionspräsident. Er fordert Sanktionen gegen die Reitschule-Betreiber. Solche kann der Gemeinderat aussprechen, wenn der Leistungsvertrag nicht eingehalten wird. «Die Regierung sollte den Geldfluss an die Reitschule kappen – und zwar so lange, bis die Betreiber glaubhaft aufzeigen, wie sie das Gewaltproblem lösen wollen.»

Vom Gemeinderat wollte sich niemand zu den Ausschreitungen äussern. Sowohl Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP) wie auch Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) seien ferienhalber unerreichbar, gibt der städtische Infochef Walter Langenegger bekannt. «Die Stadt verurteilt die Ausschreitungen in aller Schärfe», sagte Langenegger. Angriffe auf Passanten, Polizisten und die Feuerwehr seien inakzeptabel. Die Vorkommnisse würden an der nächsten Sitzung mit den Reitschule-Betreibern traktandiert. «Wir klären, ob die vertraglichen Sicherheitsvereinbarungen eingehalten wurden. Wenn es Mängel hat, braucht es Anpassungen.»

Unter den Politikern ist Ratlosigkeit spürbar. «Eine gewisse Ohnmacht ist vorhanden», räumt Lea Kusano ein. «Wir können nichts gegen die Randalierer tun.» Am Leistungsvertrag werde sie festhalten. «Als kulturelle Institution steht die Reithalle nicht zur Diskussion», sagt Kusano. Auch Manuel Widmer unterstützt den Leistungsvertrag nach wie vor: «Ich gehe immer noch davon aus, dass die Stadt mit diesem Vertrag die vernünftigen Kräfte innerhalb der Reitschule stärkt», sagt er. Von diesen Vernünftigen erwartet Widmer indes ein «klares Zeichen». Er denkt an eine temporäre Schliessung durch die Betreiber selber. «Wenn die Reitschule mal zwei Wochen schliesst, hätten alle Zeit für eine überfällige interne Debatte.»

Den Glauben verloren

Martin Schneider glaubt nicht mehr daran, dass die konstruktiven Kräfte in der Reitschule das Problem im Griff haben: «Wenn man ein Kind 20 Jahre lang nicht erzieht, macht es irgendwann, was es will.» Deshalb sei es überfällig, dass die Behörden nach wirkungslosen Gesprächen nun Sanktionen ergreifen würden. «Die Politik hat in Sachen Reitschule total versagt.» Die Motion Mosza sei versandet, und die Zwangsmassnahmen von Regierungsstatthalter Lerch seien quasi über Nacht rückgängig gemacht worden.

Berner Zeitung

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