Politik fordert Öko-Strom für Formel E

Die Formel-E-Boliden sollen im Juni mit Berner Ökostrom unterwegs sein. Das fordert ein Vorstoss der GFL/EVP-Fraktion. Einen Entscheid haben die Veranstalter noch nicht gefällt.

In Bern sollen die Formel-E-Boliden, anders als in Zürich, mit Ökostrom aufgeladen werden. Foto: E. Real

In Bern sollen die Formel-E-Boliden, anders als in Zürich, mit Ökostrom aufgeladen werden. Foto: E. Real

Markus Ehinger@ehiBE

Die Stadt Bern scheint sich mit dem Formel-E-Rennen vom 22. Juni abgefunden zu haben. Die Protestwelle ist abgeflacht. An der zweiten Infoveranstaltung für Anwohnerinnen und Anwohner im Zentrum Paul Klee von Mitte Januar herrschte eine positive Stimmung. Und der Stadtrat lehnte im letzten Jahr zwei Vorstösse gegen das Rennen ab.

Ende Januar wurde ein weiterer Vorstoss behandelt. Das Stadtparlament stimmte einem dringlichen Postulat von Manuel C. Widmer (GFL) und Bettina Jans-Troxler (EVP) zu. Der Stadtrat fordert den Gemeinderat auf, dass die Stadt zusammen mit EWB und allenfalls weiteren Sponsoren Möglichkeiten sucht, das Formel-E-Rennen mit Berner Ökostrom zu beliefern.

Ökologisch und nachhaltig

Im Postulat schreiben Widmer und Jans-Troxler, dass man über Sinn und Unsinn eines E-Prix in der Hauptstadt geteilter Meinung sein könne. Nachdem klar sei, dass Bern tatsächlich ein Rennen durchführen wird, stelle sich nun weniger die Frage, wie dieses noch verhindert werden könnte. Vielmehr solle der Fokus auf die positiven Aspekte der Elektromobilität gelenkt werden, damit das Rennen so ökologisch und nachhaltig wie möglich durchgeführt werden könne.

Ökostrom von EWB

Für Widmer und Jans-Troxler wäre es ein starkes Zeichen, wenn der E-Prix vollständig mit lokalem Ökostrom beliefert werden könnte. «Dass EWB der Formel E in Bern Ökostrom liefert, ist grundsätzlich möglich, wenn seitens der Veranstalterin eine entsprechende Bestellung erfolgt», sagt EWB-Sprecherin Alexandra Jäggli. Ob die Swiss E-Prix Operations AG, die Veranstalterin des Rennens, Ökostrom bei EWB bestellen wird, ist noch nicht klar. Man sei diesbezüglich mit potenziellen Lieferanten und Partnern, auch mit EWB, in Kontakt, sagt E-Prix-Sprecher Stephan Oehen. «Entscheide sind noch keine gefallen.»

Dass EWB mit der Swiss E-Prix Operations AG Gespräche führt, bestätigt Alexandra Jäggli. Man tausche sich auch mit dem Amt für Umweltschutz der Stadt Bern über den Event aus. Konkrete Anfragen betreffend einer Zusammenarbeit mit EWB seien bislang jedoch seitens der Swiss E-Prix Operations AG nicht erfolgt, sagt Jäggli.

Kritik an Generatoren

Der Strom für die Formel-E-Boliden wird normalerweise aus mit Glyzerin betriebenen Dieselgeneratoren gewonnen. Dies führt regelmässig zu Kritik.

Stephan Oehen bestätigt, dass die Formel E für das Laden der Fahrzeuge Aquafuel-Glyzerin-Generatoren einsetzt. Das Glyzerin ersetze Diesel als Brennstoff. Die Technologie ermögliche es, dass die auch in Bern zum Einsatz kommenden Generatoren die sogenannten Tier-IV-Abgasnorm erfüllen. Glyzerin sei sicher, geschmacklos, ungiftig und wasserlöslich. «Dieselbetriebene Generatoren kommen in Bern nicht zum Einsatz», betont Oehen. Klassische Generatoren seien einzig als Backup im Fall eines Stromausfalls im Bereich der Infrastruktur und des Rennens vorgesehen, nicht aber zum Laden der Fahrzeuge.

2000 Franken für Renntag

Gemäss Vorstoss lag der Stromverbrauch eines Renntages in der Saison 2016/2017 zwischen 6000 und 10000 Kilowattstunden. Das ist vergleichbar mit dem Stromverbrauch eines Berner Vierpersonenhaushalts während eines ganzen Jahres. Dabei entfielen etwa 1500 Kilowattstunden auf das Laden der Rennwagen. Der Rest wurde im Fahrerlager, im Village, für TV-Übertragungen und für das Pressezentrum verbraucht.Laut EWB kostet eine Kilowattstunde EWB-Ökostrom 28 Rappen. Der Stromverbrauch eines Renntages käme somit auf rund 2000 Franken zu stehen.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt