Plötzlich waren die 50 Wohnwagen da

Studen

Am Montagabend fuhr eine Gruppe von Fahrenden in Studen auf. Die Gemeinde gibt ihnen eine Woche, um den Platz zu räumen.

Es ist bereits das dritte Mal in diesem Jahr, dass Fahrende in Studen halten. (Symbolbild)

Es ist bereits das dritte Mal in diesem Jahr, dass Fahrende in Studen halten. (Symbolbild)

(Bild: Keystone)

Dominik Galliker@DominikGalliker

Sie kamen unangemeldet und unerwartet. Die Hälfte der rund 50 Wohnwagen der Fahrenden stand bereits auf dem Feld im Industriegebiet von Studen, als die Polizisten, Gemeindepräsident Mario Stegmann und Gemeindeverwalter Rudolf Stuber kurz nach 19 Uhr ankamen.

Die Gruppe aus Frankreich hatte beschlossen, in Studen Halt zu machen, auf einem Grundstück der Gemeinde, das an einen Landwirten verpachtet ist. «Wir konnten die Fahrenden nicht dazu bewegen, das Gelände sofort zu verlassen», sagt Gemeindeverwalter Rudolf Stuber.

Es ist bereits das dritte Mal in diesem Jahr, dass Fahrende in Studen halten. Die Gemeinde hat die letzte Gruppe, die ebenfalls aus Frankreich kam, per Verfügung vom Land verwiesen. Während der zweiwöchigen Frist stellte sie einen Wasseranschluss, drei Mulden und mobile Toilettenanlagen zur Verfügung.

Schlimme Hinterlassenschaft

Die Erfahrungen: schockierend. «Was die Fahrenden hinterlassen haben, war schlimm», sagt Rudolf Stuber. Die ganze Umgebung sei verdreckt gewesen, überall hätten Exkremente gelegen. «Wenn ich es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, würde ich es nicht glauben», sagt Stuber.

Die Folgen für die Gemeinde Studen: Die zwei Wochen, in denen die letzte Gruppe der Fahrenden hier war, kostete die Gemeinde allein für die Kehrrichtbeseitigung 4300 Franken. Insgesamt gab Studen 9550 Franken aus, wie Rudolf Stuber erklärt. Die Fahrenden hätten davon rund 4200 Franken bezahlt.

Darum reagierten die Behörden am Montag bestimmt. «Zunächst sagten wir den Fahrenden, sie müssten bis am nächsten Morgen das Grundstück verlassen», sagt Stuber. Die Gruppe blieb jedoch, wohlwissend, dass die Gemeinde nicht durchgreifen konnte. «Natürlich könnten wir die Personen wegweisen. Dazu müssten wir aber jeden einzelnen anzeigen und die Justiz bräuchte mehrere Wochen.»

Stattdessen hat die Gemeinde nun eine Wegweisungsverfügung für die ganze Gruppe ausgestellt. Die Fahrenden sind gehalten, das Gelände bis 30. September zu verlassen. «Wir sind guter Dinge, dass sie dies tun», sagt Stuber. «Andernfalls hätten wir dann ein rechtliches Mittel in der Hand, um den Platz von der Polizei räumen zu lassen.»

Die Gemeinde hofft auf den Kanton, der fixe Plätze für Fahrende plant. «Ich sehe nur diese Lösung», sagt Stuber. So würden die Kosten besser auf den Kanton verteilt. Zudem würden die Gemeinden nicht mehr dermassen überrascht.

Berner Zeitung

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