Plötzlich drängt die Zeit

Bolligen

Die Gemeinde­verwaltung Bolligen soll zum Bahnhof verlegt werden. Zentrale Punkte sind zwar unklar – trotzdem stehen die vier grössten Parteien vorbehaltlos hinter den Plänen. Wie kann das sein?

Das Bahnhofgebiet: Das UBS-Gebäude soll der neuen Gemeindeverwaltung Platz machen, auch die Landi und der Bahnhof könnten sich bald verändern.<p class='credit'>(Bild: Andreas Blatter)</p>

Das Bahnhofgebiet: Das UBS-Gebäude soll der neuen Gemeindeverwaltung Platz machen, auch die Landi und der Bahnhof könnten sich bald verändern.

(Bild: Andreas Blatter)

Der genaue Standort steht noch nicht fest. Die Baukosten sind erst grob geschätzt. Und die Arbeitsgruppe, die das Geschäft vorbereitete, hatte nur wenig Zeit zur Verfügung. «Wir sind uns ­bewusst, dass das unüblich ist», sagt Gemeindepräsidentin Kathrin Zuber (FDP).

Am Dienstag entscheidet die Bolliger Gemeindeversammlung, ob die Verwaltung vom Flugbrunnenareal hinunter zum Bahnhof gezügelt werden soll. Als Standort favorisieren die Behörden das gemeindeeigene UBS-Gebäude, als Alternative kommt ein Neubau auf dem Parkplatz Kleine Fellmatt oder beim Oberstufenzentrum infrage. Den definitiven Entscheid möchte der Gemeinderat später selbst fällen – das Volk soll ihn dazu ermächtigen und einen Rahmenkredit von 6,4 Millionen Franken bewilligen.

«Die Verlegung der Verwaltung ist schon lange ein Thema und ist mehrfach ins Stocken geraten. Wir wollen jetzt vorwärtsmachen», erklärt Kathrin Zuber. Laut Baurechtsvertrag mit der Baufirma Frutiger, die das Flugbrunnenareal übernimmt, muss der Gemeinderat das Geschäft diesen Juni vors Volk bringen.

Vertrauen

Bei dieser Ausgangslage ist Widerstand der – traditionellerweise kritischen – Bolliger Parteien vorprogrammiert. Könnte man meinen. Doch weit gefehlt: Die Präsidenten von FDP, SP, SVP, BDP, EVP und Bolligen Parteilos stehen allesamt hinter der Vorlage. In einer gemeinsamen Erklärung streichen sie die Vorteile hervor: Einerseits werde das Bahnhofareal dank der Verwaltung aufgewertet, andererseits werde auf dem Flugbrunnenareal mehr Platz für Wohnraum frei. Und das spüle mehr Geld in die Gemeindekasse.

Die Parteivorstände und -mitglieder sehen das gleich. Mit FDP, SP, SVP und BDP stehen die vier wählerstärksten Parteien vorbehaltlos hinter der Vorlage. Das Vorgehen des Gemeinderats sei «mutig und zukunftsorientiert», schreibt die SVP. Der Partei gefällt, dass der Gemeinderat «die wichtige und längst fällige Standortentscheidung endlich getroffen» habe. BDP-Präsident Martin C. Kaufmann doppelt nach: «Wir trauen dem Gemeinderat in seiner neuen Zusammensetzung zu, dass er eine gute Lösung findet.» Der frische Elan dürfe nicht schon wieder gebremst werden.

Befürchtungen

Dass der gemeinderätliche Antrag durchkommt, ist trotzdem nicht Formsache. Denn unlängst wurde publik, dass die Poststelle im Bolliger Dorfmärit in Gefahr ist. «Da könnten zusätzliche Emotionen ins Spiel kommen», sagt SP-Präsident Thomas Kiser.

Auch EVP-Präsident Otto Zwygart hat mehrmals die Befürchtung gehört, dass das Dorfzen­trum an Attraktivität verliere, wenn die Post und auch die ­Gemeindeverwaltung weg seien. Die EVP als Partei steht der Verlegung der Verwaltung deshalb mehrheitlich kritisch gegenüber. In einem offenen Brief warnen zwei Vorstandsmitglieder unter anderem vor der Verkehrssituation beim Bahnhof. Diese sei schon heute unbefriedigend und würde sich weiter verschärfen.

Forderung

Bolligen Parteilos (BP) begrüsst und unterstützt den strategischen Entscheid zur Verlegung, will dem Gemeinderat aber keine Generalvollmacht ausstellen. Der Rat solle zuerst einen Planungskredit in der Grössenordnung von 500 000 Franken erhalten, ein konkretes Projekt ausarbeiten und dann nochmals mit dem Baukredit vors Volk kommen, findet BP-Präsident Roland Batt.

Für FDP-Präsident Urs Klaeger überwiegen die Vorteile der gemeinderätlichen Vorlage aber deutlich. «Was wollen wir jetzt noch warten? Es ist Zeit, endlich ein Bekenntnis abzugeben», sagt er.

Berner Zeitung

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