Platzhirsch aus Deutschland mischt Schweizer Markt auf

Der eine setzt auf einen Fachmarkt, der andere auf einen Internetshop: Das Geschäft mit der Berufskleidung ist mächtig in Bewegung.

Die Bedeutung von Arbeitskleidung wächst.

Die Bedeutung von Arbeitskleidung wächst.

(Bild: Melanie Duchene)

Stephan Künzi

Arbeitskleidung ist definitiv ein Modeartikel geworden: Was Susanne Baumann für Urech in Lyss feststellt, hat Roger Wachter als junger Stift selber erlebt. Während seiner Lehrzeit als Baumaler habe er sich stets darüber aufgeregt, «dass wir keine anständigen Kleider hatten», erzählt er. Für ihn sei das umso störender gewesen als er das Maleroutfit zuweilen zwölf Stunden oder länger und sogar noch oft beim Feierabendbier getragen habe. «Die Sachen hatten keinen anstän­digen Schnitt und waren auch nicht funktionell.»

Heute, rund zwanzig Jahre später, ist Roger Wachter der Chef eines auf Arbeitskleidung spezialisierten Unternehmens mit siebzehn Angestellten und einem Fachmarkt in Niederwangen. Als solcher rüstet er heute 2500 vorwiegend kleine und mittlere Firmen in grossen Teilen der Deutsch- und der Westschweiz aus. Zugleich betont er, dass der Laden eine wichtige Rolle spielt. Als Ort, wo sich die Leute individuell für den Arbeitsalltag eindecken, genauso wie als Schaufenster für Firmen, die ihre Angestellten neu einkleiden wollen.

Selbstständig mit 24

Alles begann im Jahr 2000 im Industriegebiet von Toffen. Mit gerade mal 24 Jahren machte sich Wachter selbstständig und verkaufte im kleinen Rahmen Arbeitshandschuhe. Sieben Jahre später reichte der Platz nicht mehr aus, und Wachter zog mit mittlerweile zwei Angestellten an die Freiburgstrasse in Bümpliz. Zwei Jahre später bot sich die Gelegenheit, direkt am Autobahnanschluss in Niederwangen das heutige Gebäude zu kaufen. «Das war ein Riesenschritt.»

Wachters Kunden sind schwergewichtig in den Bereichen Bauhandwerk, Industrie, Reinigung, Sicherheit und Dienstleistungen tätig. Kaum verankert ist er dagegen in der Landwirtschaft. Auch in einem anderen Punkt geht er andere Wege als Urech in Lyss: Das Versandgeschäft über einen Katalog oder über das Internet spielt bei ihm keine Rolle. Dafür streicht er immer wieder hervor, wie wichtig ihm die persönliche Beratung sei und welche Serviceleistungen er den Firmen bieten könne, die ihre Outfits bei ihm bezögen.

Den Trend mitgeprägt

Wachter tut dies mit gutem Grund, denn die Branche ist in den letzten Jahren zünftig aufgemischt worden: Mit Engelbert Strauss hat 2011 ein Unternehmen in der Schweiz Fuss gefasst, das in seiner deutschen Heimat zu den Marktführern in der Arbeitskleidung gehört und dort den Trend zur heutigen Modeaffinität auch massgeblich mitgeprägt hat.

Wie erfolgreich die Deutschen auch in der Schweiz arbeiten, zeigt sich nicht allein am Respekt, den ihnen die Konkurrenz zollt. Sondern auch darin, dass die Kleider der noch vor kurzem völlig unbekannten Eigenmarke Engelbert Strauss heute nicht mehr aus dem hiesigen Strassenbild wegzudenken sind. Zu Geschäftszahlen schweigt das Unternehmen zwar, doch so viel ist dem Marketing zu entlocken: Man sei mit der Umsatzentwicklung «sehr zufrieden».

Engelbert Strauss setzt voll auf das Onlinegeschäft und auf den Verkauf über Telefon. Dass der fehlende persönliche Kontakt, wie Kritiker sagen, das ­Geschäft mit den Firmen stark erschwert, stellt das Unternehmen in Abrede: Eine gute Beratung am Telefon mache diesen Nachteil wett.

Berner Zeitung

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