Platz auf der Marke erkämpft

Münsingen

«Gesichter Schweiz» heisst die neue Briefmarke der Post. Annalise Herzogs Gesicht ist eines der 111, die auf der Sondermarke zu sehen sind.

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In der dritten Reihe von oben, das fünfte Gesicht von links ist Annalise Herzog. Von blossem Auge ist es allerdings nur schlecht zu erkennen. Um die 111 Porträts auf der 1-Franken-Marke der Post genauer betrachten zu können, braucht es eine Lupe. Zwar ist die neueste Briefmarke «Gesichter Schweiz» etwas grösser als andere. Aber die Gesichter darauf sind nicht viel grösser als ein Stecknadelkopf. Die Auswahl der abgebildeten Frauen, Männer und Kinder ist nicht ganz zufällig. Die Schweizerische Post startete im Oktober 2012 einen Aufruf, auf den hin knapp 5000 Personen ein Porträt ins Internet luden (siehe Box).

Nach dem Spass erwachte der Ehrgeiz

Annalise Herzog titelt ihre Portätbild «Gsicht mit Gschicht». Sie habe viel erlebt, auch Schweres, sagt die ehemalige Gemeindeschreiberin von Wichtrach. Wegen schwerer Krankheit musste die jetzt 63-Jährige ihre Arbeit vor der Pensionierung niederlegen. Das fiel ihr sehr schwer. «Ich hatte plötzlich viel Zeit und nahm zum Plausch an dem Wettbewerb teil», sagt sie.

Auf die Ausschreibung im Internet ist sie gestossen, weil sie eine eigene Briefmarke mit dem Konterfei ihrer verstorbenen Boxerhündin Santana kreieren wollte. Sie entschloss sich spontan, mitzumachen. Herzogs Foto kam mit 443 anderen nach Zufallsprinzip in die engere Wahl, dann begann das Internet-Voting. «Mein Ehrgeiz erwachte», sagt Annalise Herzog lachend. Sie habe ihre Bekannten und ihre wenigen Facebook-Freunde gebeten, für sie zu stimmen.

Gewinner erhielten keinen Preis

Das Voting lief anfangs gut für Annalise Herzog. Kurz vor Weihnachten fehlten ihr aber plötzlich Stimmen. «Das stachelte meinen Ehrgeiz an.» Sie stellte den Wecker, um sich tagsüber jede Stunde einen Mausklick zu geben. Mit der Unterstützung von Freunden und Familie klappte es dann: «An Weihnachten war ich wieder im Rennen.» Am 3. Januar war das Voting abgeschlossen, wie die Post Annalise Herzog mit einer E-Mail mitteilte. Sie und 110 andere Gesichter waren gewählt. Sie fühlte sich als Gewinnerin, obschon es keinen Preis gab, nicht einmal eine Briefmarke. «Die Belohnung ist, dass mein Gesicht auf der Briefmarke zu sehen ist», sagt Annalise Herzog. Vor ihr auf dem Tisch liegen ein paar Blätter mit der Sondermarke. Für Briefe und Karten verwendet sie aber fast lieber die selbstkreierte Marke mit dem Bild ihrer Hündin.

Berner Zeitung

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